„Wie im Gefängnis“ - Harte Kritik von Ex-Spielerin an Patrick Mouratoglou

Aravane Rezai, einst Frankreichs große Tennishoffnung, erinnert sich an die Zusammenarbeit mit Patrick Mouratoglou mit bestenfalls gemischten Gefühlen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 15.05.2020, 22:26 Uhr

Patrick Mouratoglou und Aravane Rezai
© GEPA Pictures
Patrick Mouratoglou und Aravane Rezai

Vor ziemlich genau zehn Jahren war Aravane Rezai jene Frau, auf der die größten Hoffnungen der französischen Tennisfans ruhten: Rezai stand 2010 auf Platz 15 der WTA-Weltrangliste, der weitere Aufstieg schien nur noch eine Frage der Zeit. Auch weil die heute 33-Jährige damals einen Mann an ihrer Seite hatte, der heutzutage schon fast als Trainer-Guru durchgeht: Patrick Mouratoglou.

Was aber nach einem Spielerinnen-Coach-Traumpaar aussah, wurde im Laufe der nur knapp mehr als einjährigen Zusammenarbeit immer mehr zum Alptraum, wie Rezai vor ein paar Tagen in einem Interview mit dem spanischen Portal puntodebreak.com erläuterte. Begonnen hatte das Abenteuer in Bali 2009. „In Bali hat alles gestimmt. Ich habe keinen Druck gespürt, war in der Lage, gegen die besten Spielerinnen mein bestes Tennis zu spielen. Je besser ich mich auf dem Platz gefühlt habe, umso glücklicher war ich auch abseits davon. Zu diesem Turnier habe ich auch meinen Freund Patrick Mouratoglou eingeladen, und wir haben die Zeit gemeinsam genossen. Ich habe das Turnier gewonnen, und wir haben uns entschieden, zusammenzuarbeiten.“

Mouratoglou wollte komplette Kontrolle

Zu Beginn lief es auch wie geschmiert. „Patrick hat einen richtigen Arbeitsplan in meinem Team eingeführt. Ich war mit meinem Vater acht Stunden pro Tag auf dem Platz, aber Patrick hat mir einen Hauch von Professionalismus gebracht: eine Stunde Fitness, eine Stunde Massage … Dazu hat er mir sehr gute Trainingsplätze besorgt, gute Hitting Partner, etc.“

Aber, wie das in der Geschichte des Frauentennis nicht unüblich ist, wurde das Verhältnis zwischen dem neuen Coach und dem Trainervater zum Problem. „Mein Vater hatte einen sehr starken Charakter. Manchmal war er richtig besitzergreifend, er hat mich verteidigt, egal mit welchen Mitteln. Ich habe schon bemerkt, dass Patrick diese Situation beruhigen wollte.“ Das Problem aber sei gewesen, dass sich Mouratoglou nicht mit den ihm zugeteilten Aufgaben zufrieden geben konnte: „Er wollte komplette Kontrolle.“

Zu viel Druck für Rezai

Am schwierigsten sei es beim Turnier in Madrid gewesen, das Rezai mit dem Finalsieg gegen Jelena Jankovic den größten Erfolg ihrer Karriere einbringen sollte. „In Madrid stand ich unter enormem Druck, das Turnier zu gewinnen. Ich konnte mich nicht zurückziehen, konnte mein Telefon nicht benutzen, nicht die Kreditkarte, gar nichts. Es war, als wäre ich im Gefängnis. Ich stand um sechs Uhr Früh auf und bin für ein oder zwei Stunden joggen gegangen, habe dann vor dem Schlagtraining auch noch Fitnesstraining gemacht, es war einfach zu viel.“

Sie habe ständig mehr Druck bekommen, weil dieser sie besser machen sollte. „Und die Wahrheit ist, dass es auch funktioniert hat. Aber irgendwann kommt ein Zeitpunkt, an dem man es nicht mehr ertragen kann. Deshalb hat unsere Zusammenarbeit auch nur etwas länger als ein Jahr gedauert. Leute aus meinem Umfeld haben Patrick gesagt, dass ich es nicht mehr aushalten würde. Aber er hat nur geantwortet, dass ihm das egal sei. Meine mentale Gesundheit war ihm egal.“

Hot Meistgelesen

02.06.2020

Generali Austrian Pro Series: Moritz Thiem ohne Sieg ausgeschieden - 2. Gruppenphase steht fest

01.06.2020

Generali Austrian Pro Series: Moritz Thiem vs. Sebastian Ofner im Livestream und Liveticker

02.06.2020

Generali Austrian Pro Series: Dominic Thiem schlägt Jürgen Melzer

01.06.2020

Generali Austrian Pro Series: Novak, Ofner und Rodionov müssen sich gegen die Youngster strecken

30.05.2020

Dominic Thiem veranstaltet Turnier in Kitzbühel

von tennisnet.com

Samstag
16.05.2020, 08:20 Uhr
zuletzt bearbeitet: 15.05.2020, 22:26 Uhr