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Wimbledon 2021: Torben Beltz - unverzichtbarer Begleiter von Angelique Kerber

Mit Torben Beltz an ihrer Seite hat Angelique Kerber 2016 die Australian Open und die US Open gewonnen. Nun könnte das Duo gemeinsam erstmals den Titel in Wimbledon holen.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 08.07.2021, 12:56 Uhr

Torben Beltz hat Angelique Kerber zurück auf die Siegerstraße gebracht
© Getty Images
Torben Beltz hat Angelique Kerber zurück auf die Siegerstraße gebracht

Vor ein paar Jahren bot Torben Beltz einmal einen ungewohnten Anblick. Es war beim Galadiner am Vorabend der Tennis-WM in Singapur, als der Riese aus dem hohen Norden, der Langzeittrainer von Angelique Kerber, mit Anzug und Krawatte erschien. Beltz lächelte etwas gequält und verscheuchte sofort einige professionelle Fotografen, die ihn im vornehmen Dress ablichten wollten. „Bloß keine Bilder“, befahl Beltz, „sonst geht das Zeug im Internet rauf und runter.“

Beltz ist kein Mann, der sich an der Schickimicki-Welt des Wanderzirkus erfreuen kann, am schönen Schein, am ganzen Zinnober, der die professionelle Tour des Damentennis begleitet. Die Welt des Zwei-Meter-Mannes liegt buchstäblich auf den Spielplätzen, ob nun als Anweiser im Übungsbetrieb oder als aufmerksamer Beobachter bei den Matches, als konzentrierter Unterstützer seiner Chefin. Auch in Wimbledon erlebt man den baumlangen Kerl gerade wieder in seiner Paraderolle - als wichtigsten Begleiter an der Seite von Kerber, als einen auch, der stets in mitmachender Stimmung das Betriebsklima aufhellt. „Er ist der positivste Mensch, den ich kenne“, sagt Kerber, deren wundersame Renaissance vorläufig einen Halbfinalplatz im Theater der Tennisträume eingebracht hat. Am Donnerstag stellt sich Kerber der mutmasslich schwersten Aufgabe überhaupt, dem Duell mit der aktuellen Weltranglisten Ashleigh Barty aus Australien. „Es wird hart. Aber es wird auch hart für meine Gegnerin“, sagt Kerber, „ich fühle mich einfach zu allem bereit bei diesem Turnier.“

Beltz kennt Kerber schon aus Jugendtagen

Was auch das Verdienst des 44-jährigen Beltz ist, mit dem Kerber eine beinah lebenslange, sehr vertraute Beziehung im Tennis verbindet. Coach Beltz kennt Kerber noch aus Kinder- und Jugendzeiten, er begleitete sie schon zu Grand Slam-Nachwuchsturnieren. „Keiner weiß besser Bescheid, wie ich ticke“, sagt Kerber über den Gute Laune-Verbreiter, der fast nie sein Lächeln und seine grundoptimistische Haltung verliert. Aus der beruflichen Kooperation ist auch ein freundschaftliches Miteinander geworden, man müsse sich schließlich auch gut verstehen, „wenn man so viel Zeit verbringt“, sagt Kerber. Sie hatte den zweifachen Familienvater wieder einmal zu sich ins Team zurückgerufen, als sie Mitte letzten Jahres in eine Krise geschliddert war. Damals wirkte die 33-jährige etwas verloren und unmotiviert in den Wirren der Corona-Pandemie, die den Spielbetrieb lähmte und unterbrach. Allianzen mit dem heutigen Fed Cup-Coach Rainer Schüttler und dem in der Branche geschätzten Allgäuer Dieter KIndlmann wollten nicht so recht funktionieren, in der Not suchte und fand Kerber das Bewährte - in Gestalt von Beltz.

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Kerber und Beltz - das war über die Jahre nicht nur pure Harmonie und perfektes Verständnis. Schließlich trennten sich die dreimalige Grand Slam-Gewinnerin und ihr Weggefährte auch zwei Mal, wobei im Fall von Beltz auch eine Rolle spielte, dass der Trainer vorübergehend mehr Zeit für seine Familie haben wollte. Bevor Beltz zuletzt wieder bei der deutschen Frontfrau anheuerte, hatte er mit der Kroatin Donna Vekic gearbeitet - die Geschichte endete ziemlich unerfreulich, weil man sich nicht mehr über Trainingspläne und andere Grundsätzlichkeiten einig war. Kerber ihrerseits gewann zwar 2018 mit dem Belgier Wim Fissette den Wimbledon-Titel, aber so richtig zufrieden war sie mit dem Team Kerber drumherum auch nicht. „Ich spiele am besten Tennis, wenn ich vertraute Gesichter in meiner Nähe habe. Wenn ich weiß, dass ich diesen Menschen bedingungslos vertrauen kann“, sagt Kerber.

Die größte Kämpfermoral

Beltz läßt sich auch nach all den Jahren immer wieder von seiner Chefin überraschen, auch wenn er ihr prinzipiell „eine echte Menge“ zutraut. „Es hat sich noch nie gelohnt, Angie abzuschreiben“, sagt Beltz, „es gibt wenige im Tennis, die so eine Kämpfermoral haben wie sie.“ Der dürre Schlaks weiß auch, dass sich Kerbers Lebensgefühl in ihrem geliebten Sport ändert, wenn es auf die grünen Spielfelder geht - in der kurzen, intensiven Rasensaison. Auch 2021 richtete das Duo frühzeitig den Blick darauf, den Leistungshöhepunkt Mitte des Jahres zu erreichen. Dann, wenn die neuen Rasenturniere in Deutschland stattfinden würden, in Berlin und in Bad Homburg. Und wenn Wimbledon nach einem Jahr Corona-Zwangspause wieder über die Bühne gehen würde. 

In Bad Homburg entdeckte auch Beltz schon wieder etwas von der Statur der Spielerin, die Mitte 2018 ihr Tennis-Lebenswerk mit dem Triumph in Wimbledon gekrönt hatte. Kerber ging in der Rolle der Turnierrepräsentantin auf, sie überzeugte aber umso mehr auf dem Centre Court in der hessischen Kurstadt. Der Pokalcoup war schließlich der erste seit jenen magischen Tagen an der Church Road vor 36 Monaten, veredelt durch den Finalsieg gegen Serena Williams. „Es war eine Fruede, Angie zuzuschauen“, sagte Beltz in Bad Homburg. Er ahnte vielleicht schon, dass auch in Wimbledon etwas Besonderes möglich sein würde, ein starker Lauf, ein weiteres Topergebnis.

Nun aber scheint gar nichts mehr ausgeschlossen. Nicht nach den zupackenden, entschlossenen, couragierten Auftritten Kerbers auf dem heiligen Rasen. Nach Herausforderungen, die sie samt und sonders mit großem Selbstbewusstsein, festem Ego und wiedergefundener Leidenschaft meisterte. Kerber war bei ihrer großen Zeitreise einfach wieder bei sich selbst angelangt, bei der Champions-Ausgabe von Kerber, bei der Frau, der nichts zu schwer ist. Ein ums andere Mal blickte Kerber in den letzten anderthalb Wochen hinauf in die Spielerloge zu Beltz, dem unverzichtbaren Begleiter - glücklich, stolz, zufrieden mit sich und der Welt. Wer weiß, wohin die Reise noch geht, für sie, für ihn.

Hier das Einzel-Tableau in Wimbledon

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