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Wimbledon: Ausbau vor Gericht - 150 Jahre altes Gesetz bremst Pläne

Die geplante Erweiterung von Wimbledon sorgt für juristischen Ärger rund um den All England Club und den Wimbledon Park.

von Stefan Bergmann
zuletzt bearbeitet: 16.01.2026, 18:19 Uhr

Wird dem geplanten Wimbledon-Ausbau ein 150 Jahre altes Gesetz zum Verhängnis?
© Getty Images

Hand aufs Herz: Dass beim Traditionsturnier von Wimbledon einmal ein Gesetz aus dem 19. Jahrhundert zum Spielverderber wird, hatte wohl kaum jemand auf dem Zettel. Doch genau das ist jetzt passiert. Die Ausbaupläne rund um Wimbledon beschäftigen aktuell den High Court in London – und stellen das Projekt des All England Lawn Tennis and Croquet Club ernsthaft infrage.

Konkret geht es um ein Gelände des früheren Wimbledon Park Golf Clubs, auf dem der Club seine Anlage beinahe verdreifachen will. Geplant sind 38 zusätzliche Tennisplätze sowie ein neues Stadion mit 8.000 Sitzplätzen, um künftig auch die Qualifikation direkt vor Ort austragen zu können. Die Genehmigung durch die Londoner Stadtbehörde liegt seit 2024 vor – doch der Widerstand kam prompt.

Scheitern wäre harter Schlag für die Veranstalter

Die Bürgerinitiative Save Wimbledon Park beruft sich auf den Public Health Act von 1875. Demnach unterliege das Gelände einer gesetzlichen Zweckbindung und müsse dauerhaft als öffentlich zugängliche Erholungsfläche genutzt werden. Diese Regelung, so die Argumentation des Widerstandes, habe auch dann weiter bestanden, als das Land in den 1960er-Jahren den Besitzer wechselte und schließlich 1993 vom All England Club gekauft wurde.

Die Gegenseite sieht das naturgemäß anders. Die Anwälte des Clubs argumentieren, das Areal sei stets wie Privatland behandelt worden – verpachtet an einen Golfclub, ohne öffentlichen Zugang. Eine Fortgeltung einer solchen gesetzlichen Zweckbindung wäre, so heißt es, eine grundlegende und widersprüchliche Änderung des Status. Unterm Strich steht damit nicht weniger als die Frage im Raum, ob Wimbledon wachsen darf – oder ob ein über 150 Jahre alter Passus dem Prestigeprojekt endgültig einen Riegel vorschiebt.

von Stefan Bergmann

Freitag
16.01.2026, 20:15 Uhr
zuletzt bearbeitet: 16.01.2026, 18:19 Uhr