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Erste Etappe der großen Aufholjagd – Stan Wawrinka siegt sich ins Achtelfinale

Stan Wawrinka erreicht nach der langen Wartezeit in Wimbledon das Achtelfinale, doch mit dem Ausruhen wird es nichts für den Schweizer.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 30.06.2014, 18:35 Uhr

Von Jörg Allmeroth aus Wimbledon

Auf der ersten Etappe seiner großen Grand-Slam-Aufholjagd hatte er den richtigen Schwung und auch das richtige Timing: Kurz bevor es im Südwesten Londons am Montag schon wieder vom Himmel herunterschüttete, rückte der bisher in der Regen-Lotterie vom Pech verfolgte Stan Wawrinka mit einem souveränen, jederzeit ungefährdeten 6:3,-6:3,-6:4-Sieg gegen den UsbekenDenis Istominnachträglich ins Achtelfinale der Offenen Englischen Meisterschaften ein. Nachzügler Wawrinka stellte damit seinen persönlichen Rekord auf den grünen Tennisfeldern des All England Club ein, 2008 und 2009 war er jeweils in die Runde der letzten 16 vorgestoßen, danach aber hatte er eine lange Dürreperiode als Rasen-Aktivist erlebt. „Ich bin zufrieden, dass ich weitergekommen und durchgekommen bin", sagte Wawrinka, der gerade in der Endphase der Partei einige Male mit bangem Blick zum sich verfinsternden Horizont geschaut hatte.

Bereits am Dienstag geht der Parforceritt für den Schweizer weiter: Dann erwartet ihn bei seinem Mammutprogramm der zweiten Woche das anspruchsvolle Duell mit dem Spanier 32-jährigen SpanierFeliciano Lopez, der überraschend in vier Sätzen den US-HünenJohn Isnerausgeschaltet hatte. „Er ist ein ausgezeichneter Rasenspieler, hat hier schon tolle Ergebnisse gehabt. Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe, aber ich gehe auch selbstbewusst rein in dieses Spiel", sagte Wawrinka. Drei Mal hat Lopez bereits das Viertelfinale in Wimbledon erreicht, zuletzt 2011, als er dann gegen Andy Murray verlor. Im persönlichen Vergleich führt Wawrinka 3:2 gegen den Weltranglisten-26., auf Gras sind sich die beiden altgedienten Professionals allerdings noch nie begegnet. AuchRoger Federergreift nach fast dreitägiger Grand-Slam-Pause wieder ins Geschehen auf dem geliebten grünen Rasen ein, auch er spielt dann gegen einen Spanier, seinen alten WeggefährtenTommy Robredo. Gewinnen Wawrinka und Federer ihre Partien, käme es am Mittwoch zum großen Schweizer Duell.

„Ich muss das spielen, was verlangt wird"

Die größte Schrecksekunde hatte Wawrinka an einem anfangs sonnigen, später wieder verregneten Montag beim Stande von 4:1 im zweiten Satz zu überstehen. Gerade war sein Gegenspieler Istomin wegen Kreislaufbeschwerden für einige Minuten von einem der Turnierärzte behandelt worden, da setzte sich Wawrinka im nächsten Spiel bei einem Netzangriff unfreiwillig auf den Hosenboden - weggerutscht war er, hatte die Kontrolle verloren und war ziemlich unsanft auf dem verlängerten Rückgrat gelandet. Für ein paar Sekunden blieb er liegen, mehr geschockt als ernsthaft verletzt, doch dann erhob er sich wieder, sehr zur Erleichterung auch seiner Entourage mit Davis-Cup-Chef Severin Lüthi und Trainer Magnus Norman. Sportlich hatte Wawrinka wenig Aufregung und Thrill zu überstehen, zu wenig wurde er nach einer Anfangsphase der offenen Kräfteverhältnisse von dem etwas angeschlagenen Istomin gefordert.

Über weite Strecken wirkte der Vergleich eher wie ein Trainingsmatch unter verschärften Bedingungen - auch die nur 87 Minuten Spielzeit deuteten auf die hohe Überlegenheit des 28-jährigen Schweizers hin, der kein einziges Mal seinen Aufschlag abgab und regelmäßig selbst seine Breakchancen nutzte. Nun kann Wawrinka an diesem Dienstag auch in Wimbledon und in der besten Phase seiner langen professionellen Laufbahn Neuland betreten - und erstmals ins Viertelfinale im Grand-Slam-Heiligtum einziehen. „Es wird eine sehr schwere Partie für ihn, aber ich bin optimistisch", sagte Wawrinkas Coach Magnus Norman und beklagte sich gleichzeitig über die Aufgabe, die seinem Schützlinge potenziell in dieser Woche bevorsteht: „Um zu gewinnen hier, müsste er fünf Spiele über maximal fünf Sätze in einer Woche bestreiten. Das ist unmenschlich." Gefragt, ob er es ähnlich dramatisch sehe, meinte Wawrinka mit einem Achselzucken nur lakonisch: „Ich muss das spielen, was verlangt wird. Es wird eine harte Woche, so viel ist sicher. Aber zunächst denke ich sowieso nur an das kommende Match." Das, auch das ist sicher, wird noch schwer genug.

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Montag
30.06.2014, 18:35 Uhr