Malisse verlegt sein Karriereende vor

Der Belgier wird in „Down Under“ 2014 wohl nicht mehr an den Start gehen und sagte bei einem Challenger in seiner Heimat „Ciao“.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 04.10.2013, 23:07 Uhr

Eigentlich wollte Xavier Malisse seine Karriere ja erst nach den Australian Open 2014 in Melbourne beenden –wir hatten Ende August darüber berichtet.Der Belgier hat sich aber anders entschieden und hat inzwischen einen Schlussstrich unter seine Laufbahn gezogen. Malisse ist vor seinem heimischen Publikum in Belgien abtreten. Der 33-Jährige hat beim ATP-Hartplatz-Challenger in Mons sein wahrscheinlich letztes Match gespielt. Malisse unterlag in der ersten Runde dem Ukrainer Sergiy Stakhovsky, dem Wimbledon-Bezwinger von Roger Federer, mit 3:6, 6:7 (4).

Tränenreicher Abschied

Malisse gab danach eine emotionale Abschiedsrede auf dem Platz: „Ich mochte den Druck des Spiels, aber ich bin auch erleichtert. Nun werde ich mich mit meiner Familie und meinen Freunden entspannen. Es ist schwer zu gehen, aber eines Tages müssen wir aufhören“, sagte er, ehe er sich bei den Medien („auch wenn sie sich manchmal gefragt haben müssen, was mit mir los ist“) und seiner Familie bedankte: „Vielen Dank an meinen Bruder Olivier, der viel für mich getan hat. Dank ihm konnte ich mich aufs Tennis konzentrieren. Er tat das Übrige.“

Tränen kullerten Malisse über die Wangen, als er seinem kranken Vater dankte und seiner vor drei Jahren verstorbenen Mutter gedachte: „Mein Vater ist nicht hier, aber ich weiß, dass er mir folgt. Dank ihm bin ich hier. Er hat mich immer unterstützt. An meine Mama denke ich jeden Tag. In jedem Spiel war sie in meinem Herzen. Ich habe keine Worte, um meine Gefühle auszudrücken.“ Nach der Verabschiedung richtete er in einem YouTube-Video noch diese Botschaft an seine Fans:

Letzter großer Traum unerfüllt?

Eine kleine Hintertüre hat sich Malisse noch offen gelassen. Nämlich dann, wenn er für die Australian Open eine Wildcard für den Hauptbewerb bekommen sollte. „Aber das glaube ich nicht. Und ich will nicht nach Melbourne reisen, um Qualifikation zu spielen. Ich habe nicht den Mut dazu. Die Motivation ist weg“, meinte er, und erklärte: „Wir sind in Belgien, es ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Nach den US Open habe ich für zwei, drei Wochen nicht trainiert, und als ich wieder auf dem Platz war, hatte ich überhaupt keine Lust.“

Malisse wertete das „als ein Zeichen dafür, dass es das Ende und der Akku leer ist.“ Er hatte seine Profi-Laufbahn einst im Jahr 1998 begonnen – 15 Jahre später ist nun also Schluss. Da es als sehr unwahrscheinlich gilt, dass er eine Wildcard für die Australian Open erhält, wird sich wohl auch sein letzter großer Wunsch nicht mehr erfüllen können: „Mein Traum ist es, meine Schläger nach einem Spiel gegen Federer an den Nagel zu hängen“, hatte er bei den US Open in New York noch verraten.

Großes Talent und Heißsporn

Der Belgier gewann in seiner Karriere drei Einzeltitel und stand in neun weiteren Finals. Im Doppel war sein größter Erfolg der French-Open-Titel 2004 an der Seite von Landsmann Olivier Rochus. Im Einzel schaffte er es bis auf Platz 19 der Weltrangliste. Sein bestes Grand-Slam-Ergebnis erzielte er in Wimbledon, als er 2002 das Halbfinale erreichte, wo er gegen David Nalbandian,der ein paar Stunden vor dem Belgier sein Karriereende verkündete,unterlegen war.

Malisse, der auch „X-Man“ genannt wird, war nicht nur ein extrem talentierter Spieler, sondern auch ein Heißsporn auf dem Platz. Unvergessen ist sein legendärer Wutausbruch beim Turnier in Miami 2005. Der Belgier führte im Match gegen den Spanier David Ferrer mit 6:3, 5:5, ehe ihm eine angebliche Beleidigung zum Verhängnis und er disqualifiziert wurde –hier geht es zum Ausraster!Zuletzt sorgte Malisse beim Turnier im Londoner Queen’s Club für Schlagzeilen,als Schiedsrichter James Keothavong ihm den Handschlag verweigerte.(Text: cab / MaWa; Foto: GEPA pictures)

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04.10.2013, 23:07 Uhr