Alexander Zverev - Die emotionale Rückkehr des ATP-Weltmeisters nach Hamburg

Alexander Zverev schlägt nach Jahren der Absenz wieder beim ATP-Tour-500-Turnier in Hamburg auf. Begleitet wird das Antreten der deutschen Nummer eins von einigen Fragezeichen.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 22.07.2019, 13:19 Uhr

Alexander Zverev schlägt in seiner Geburtsstadt auf
© Getty Images
Alexander Zverev schlägt in seiner Geburtsstadt auf

Es ist schon ein paar Tage her, da konnte Alexander Zverev die Marotten seines sogenannten „Supercoachs“ Ivan Lendl noch von der lustigen Seite nehmen. Zverev saß in einer kleinen Medienrunde und wurde auf einen Kommentar von Roger Federer angesprochen, der mal behauptet hatte, mit seinem Ex-Trainer Stefan Edberg auch über die Tauben vor dem Fenster diskutiert zu haben. Und Lendl? Der spreche am liebsten über Golf – und zwar mit sich selbst. „Er hält Monologe und alle müssen zuhören“, sagte Zverev mit leicht amüsiertem Blick. Man nahm es beiläufig zur Kenntnis, Lendl ist ja nicht unbekannt für eine gewisse Schrulligkeit.

Aber der Spaß ist vorbei, die Lustigkeit kennt eben doch Grenzen. Zverev und Lendl, diese inzwischen seltsam gewordene Spieler/Trainer-Beziehung – sie ist nur eins der Problemfelder, die den jungen deutschen Weltklassespieler in seinem bisher kritischsten Berufsjahr belasten. Wenn Zverev nun an diesem Dienstag erstmals seit drei Jahren wieder am Hamburger Rothenbaum aufschlägt, dank hartnäckiger und engagierter Verhandlungsbemühungen der neuen Veranstalter Peter-Michael und Sandra Reichel, dann will der ATP-Weltmeister die durchaus hartnäckige Krise natürlich am liebsten mit einem Siegeslauf abschütteln. Aber die Frage ist schon: Mit wem und mit welcher Strategie will Zverev über dieses emotionale Heim-Spiel hinaus wieder festen Boden unter die Füße bekommen und neue Pokalerfolge ins Visier nehmen?

Großkonflikt im Team von Alexander Zverev

Zverev hat zuletzt angedeutet, er wolle mit Lendl vorerst weitermachen. Er sagte es im Kontext einer Pressekonferenz, die man zweifellos auch als wütende Abrechnung verstehen konnte, als Vorwurf, der gebürtige Tscheche nehme seine Aufgabe bei Zverev überhaupt nicht ernst. War es der letzte Versuch, der letzte Warnruf in Lendls Richtung, sich mehr zu bemühen? Denn im Team Zverev schwelt ja weiter ein Großkonflikt, der sich zuletzt auch in Wimbledon offenbart hatte – es geht um Vater Zverev und Lendl, um ihr Nicht-Verhältnis, um die Spannungen zwischen den beiden Weggefährten aus alten Zeiten im Ostblock. „Zwei Trainer sind einer zuviel“, so wird Alexander Zverev senior zitiert, und wen er da als überflüssig betrachtet, ist nicht schwer zu erkennen. In Hamburg jedenfalls ist erst mal alles wie früher in Zverevs Truppe: Zverev junior spielt auf dem Platz, daneben hält der Vater die Wacht und Kontrolle. Lendl ist weit weg, er wird wohl erst in der letzten Vorbereitungsphase auf die US Open zum Team Zverev stoßen – vermutlich jedenfalls.

Vielleicht macht Zverev aber auch ganz reinen Tisch, sucht früher oder später in dieser Saison einen Neuanfang – und befreit sich von Schatten der Vergangenheit. Ein Gewinn war Lendl jedenfalls schon länger nicht mehr für den 22-jährigen, der sich über weite Strecken seiner Saison 2019 in einer sportlichen Stagnation befand und in jeder Beziehung zu oft in der Defensive stand. Eine endgültige Scheidungsvereinbarung mit Ex-Manager Patricio Apey am grünen Tisch, nicht aber vor Gericht, böte die Gelegenheit, sich auch sportlich neu aufzustellen. Zverev deutete vor dem Start in Hamburg an, dass sich die Angelegenheiten im Fall Apey klärten und aufhellten, der Weg für einen neuen Managementvertrag, einen neuen, nicht immer nur geschäftlichen Berater wäre dann frei. Gerüchte, dass Team 8, die Agentur des Amerikaners Tony Godsick, an Zverev interessiert sei (und umgekehrt), sind keineswegs heiße Luft. Aber auch wegen des noch schwelenden Rechtsstreits von Zverev mit Apey gibt es dazu keine öffentlichen Erklärungen.

Schwere erste Aufgabe mit Nicolas Jarry

Zverev braucht bessere Einflüsterer. Denn seine Karriere startete, bei allen sportlichen Erfolgen, schon mit einer unnötigen Hypothek. Sein ehemaliger Geschäftsbesorger Apey, der 53-jährige Chilene mit Wohnsitz in London, träumte großmannssüchtig vom Weltstar Zverev, als der noch gar nichts gewonnen hatte – und einfach nur ein Talent von vielen im Wanderzirkus war. Zverev wirkte stets inspiriert, wenn er in Deutschland auftrat, man spürte, dass er gern noch öfter bei den heimischen Turnier aufgetreten wäre. Doch Apey steuerte dagegen, der deutsche Markt interessierte ihn nicht, er verprellte Turnierveranstalter auch mit utopischen Forderungen. 

Zverev hätte auch in den letzten Jahren am Rothenbaum spielen können, es wäre – abseits aller strategischen, sportlichenErwägungen - einfach emotional wichtig gewesen, er hätte den Schwung des Heimspiels mitnehmen können für die Hartplatztour in Nordamerika. Das gute Gefühl, zuhause aufgeschlagen zu haben, vor den Hamburger Tennisfreunden, kann ihn nun vielleicht in diesem gesamten Sommer beflügeln. „Ich wollte nach Hause, dorthin, wo ich gemocht werde“, sagte Zverev vor dem Turnierstart. Schwer genug aber wird seine Mission am Rothenbaum, sein Erstrundengegner Nicholas Jarry hat gerade in Bastad das erste Turnier seiner Karriere gewonnen.

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