Alexander Zverev nach Genf-Coup: "Mit größerer Zuversicht nach Paris"

War die letzte Woche für Alexander Zverev die Wende zum Besseren? Klar ist: In Paris wird er nun mit mehr Selbstbewusstsein starten als zuletzt.

von Jörg Allmeroth aus Paris
zuletzt bearbeitet: 26.05.2019, 11:33 Uhr

Alexander Zverev
© Getty Images
Alexander Zverev

Vielleicht war es ganz gut, dass Alexander Zverev nicht mehr viel Zeit zum Nachdenken hatte. Am vorletzten Freitag, abends um Viertel vor Sechs, als ihn ein gewisser Rainer Schüttler anrief und fragte, ob er nicht ab Montag mit einer Wildcard beim Turnier in Genf starten wolle.

Schüttler ist der Chef des kleinen, feinen Wettbewerbs dort, er witterte eine Win-Win-Situation, Zverev wäre eine personelle Attraktion für das Teilnehmerfeld, aber das Turnier wäre auch für Zverev eine letzte Chance, noch ein bisschen Selbstbewusstsein für die French Open zu sammeln. Zverev entschied „aus dem Bauch heraus“, sich ins Flugzeug zu setzen und sein Glück zu versuchen. Und tatsächlich kam Zverev nicht nur, er sah und siegte auch noch. Und er dankte dem Last-Minute-Gesprächspartner Schüttler am Samstag nach dem Pokalcoup gleich noch mal für dessen Mithilfe: „Danke, dass Du angerufen hast. Auch wenn´s ein bisschen spät war“, sagte der 22-jährige Deutsche, „zum Glück habe ich Ja gesagt.“

Zverev musste hart kämpfen für seinen ersten Saisontitel. Über die ganze Turnierwoche, aber erst recht noch einmal in einem dramatischen, auch kurios verlaufenen Endspiel. Zverev startete mit Selbstbewusstsein und großer Power gegen den Chilenen Nicolas Jarry (23), er holte sich den ersten Satz schnell, aber dann kamen der große Regen und zähe Zwangspausen. Irgendwie verlor der gebürtige Hamburger seine Konzentration und auch Überlegenheit, Satz 2 ging schließlich an Jarry. Im Tiebreak des dritten Satzes schließlich lag Zverev mit 4:0 in Führung, dann mit 6:3, er hatte drei Matchbälle hintereinander, verlor sie aber allesamt. Dann musste der Weltranglisten-Fünfte zwei Siegpunkte des Chilenen abwehren, bevor er selbst mit 6:3, 3:6 und 7:6 (10:8) über die Ziellinie ging. Ziemlich erschöpft, aber auch ziemlich glücklich. „Ich gehe jetzt mit größerer Zuversicht nach Paris“, sagte Zverev, „wenn ich meinen Rhythmus finde, kann ich einer der besten Spieler der Welt sein.“

Zverev als "Dark Horse" nach Paris

Siege sind eben Siege. Egal, wie. Es gilt umso mehr, wenn einer Wochen hinter sich hat wie Zverev. Wochen, in denen alles Mögliche schief läuft. Wochen, in denen sich eine Krise auf und neben dem Platz immer weiter verschärft, die Zweifel heftig wachsen und „kaum noch was zusammenläuft.“ Beim Masters-Turnier in Rom war Mitte Mai der Tiefpunkt für den ATP-Weltmeister erreicht, aus der „Ewigen Stadt“ verabschiedete er sich mit einer Auftaktniederlage in Runde zwei und dem Kommentar, er habe jetzt erst mal „keine Lust mehr, Tennis zu spielen.“ Zverev trainierte dennoch in Monte Carlo weiter, er wäre wahrscheinlich früh zu Übungseinheiten nach Paris aufgebrochen, wenn nicht Schüttler angerufen hätte, der Chef des Genfer Turniers.

Im letzten Jahr kam Zverev nicht als Geheimfavorit, sondern als Mitfavorit nach Paris, ins Stadion Roland Garros. Er war der zweitbeste Sandplatzspieler bei den Turnieren vor den French Open gewesen, er hatte sich zum echten, ernsthaften Nadal-Herausforderer aufgeschwungen. Zu dumm nur, dass er in den frühen Runden stets über die volle Distanz ging und im Viertelfinale am späteren Endspielteilnehmer Dominic Thiem scheiterte. Nun schlägt Zverev beim Grand Slam-Fest unterm Eiffelturm als „dark horse“ auf, so nennt man im Tennis einen unberechenbaren Wettkämpfer, dem sowohl im Guten wie im Schlechten alles zuzutrauen ist. Schnelles Aus, Einstellung des besten Grand Slam-Ergebnisses aus dem Vorjahr, vielleicht sogar noch mehr Glanz und Gloria? Nichts ist unmöglich für Zverev in Paris, gerade in diesem seltsamen, verrückten Tennisjahr 2019.

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von Jörg Allmeroth aus Paris

Sonntag
26.05.2019, 11:20 Uhr
zuletzt bearbeitet: 26.05.2019, 11:33 Uhr

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