Finaleinzug von Gerald Melzer – Herzrasen stoppt Jürgen Melzer!

Nur der Jüngere der Melzer-Brüder verbleibt in dieser Woche im Einzel im Titelrennen. Ein letzter Schritt fehlt noch!

von Manuel Wachta
zuletzt bearbeitet: 07.10.2016, 00:00 Uhr

Jürgen Melzer - Gerald Melzer

Gerald und Jürgen Melzer haben den österreichischen Tennisfans diese Woche, in der zweiten Leistungsklasse, eine Menge Freude bereitet. Im Einzel darf sich allerdings nur noch einer des Brüderpaars Hoffnungen auf den Titel machen - und zwar der jüngere der beiden, Gerald. Die aktuelle Nummer zwei Österreichs hat beim ATP-Challenger in Mohammedia am Freitag den Einzug ins Finale geschafft. Nach drei klaren Zwei-Satz-Erfolgen mit insgesamt lediglich acht Spielverlusten hatte der 26-Jährige im Semifinale des 42.500-Euro-Sandplatzevents die bisher meiste Mühe. Der zweitpositionierte Niederösterreicher (ATP 87) hielt sich jedoch auch beim 6:2, 7:5 gegen den Weißrussen Uladzimir Ignatik (ATP 205) nach genau 92 Minuten Spielzeit schadlos, nicht zuletzt dank starken 68 Prozent gewonnenen Punkten bei eigenem Aufschlag.

Melzer schaffte im ersten Satz, nach Chancen für beide im dritten bzw. vierten Game, ein hart erkämpftes Break zum 3:2 und ein weiteres zum 5:2. Nach 6:2,-2:0-Führung wurde es diesmal doch noch eng, mit einem gewonnenen Returnspiel zum 6:5 bog er im zweiten Abschnitt aber auf die Siegerstraße ein und servierte daraufhin zu null aus. Für den Deutsch-Wagramer bietet sich somit die Möglichkeit auf den fünften Challenger-Titel seiner Karriere, schon den vierten in seiner echten Durchbruchs-Saison. Der Schützling von Werner Eschauer spielt am Samstag um 14:30 Uhr MESZ gegens 18-jährige, mit einer Wildcard ausgestattete Top-Talent Stefanos Tsitsipas (WTA 313), der als der erst dritte Grieche, nach Vasilis Mazarakisund Konstantinos Economidis, in einem Challenger-Finale steht. Melzer könnte erstmals unter die besten 80 der Welt einziehen, bei einem Finalcoup sogar bis dicht an die Top 70.

Jürgen "einen ganzen Satz mit Puls von an die 200"

Jürgen Melzer hatte beim 106.500-Euro+H-Hartplatz-Hallenturnier im belgischen Mons dank einem 3:6, 6:2, 7:6 (4) gegen den zweitgesetzten Deutsch-Jamaikaner Dustin Brown (ATP 65) und einem 6:2, 7:6 (3) beim Linkshänder-Duell mit dem Franzosen Kenny de Schepper (ATP 150) für Aufsehen gesorgt. Doch die Veranstaltung nahm für den ehemaligen Weltranglisten-Achten am Freitagnachmittag ein besonders bitteres Ende. Der mit Protected Ranking im Feld stehende, 35 Jahre alte Niederösterreicher (ATP 540) musste sich dem aufstrebenden, erst 20-jährigen Russen Daniil Medvedev (ATP 130) im Viertelfinal-Match nach 57 Minuten mit 1:6, 0:6 geschlagen geben. Der fünffache ATP-Titelgewinner vermochte hierbei kein einziges Mal in der Partie seinen Aufschlag zu halten, gewann bei diesem bloß 28 Prozent aller Punkte und im zweiten Satz überhaupt nur zwei Punkte bei seinem Service. Nach einem Rebreak zum 1:1 nahm er bereits bei 1:2 ein Medical Timeout und holte bis zum Schluss kein Game mehr.

Die Deutlichkeit des Geschehens hatte allerdings einen ganz erheblichen Mitgrund. "Ich habe bei 1:1 im ersten Satz dieses Herzrasen, das ich halt hin und wieder habe, bekommen", verriet Melzer tennisnet.com. "Ich habe es leider nicht gleich wegbekommen, es hat länger gedauert. Ich hatte es eigentlich über den ersten Satz hinweg", erzählte er, "und wenn man einen ganzen Satz einen Puls von an die 200 hat, dann sind die Beine irgendwann sehr, sehr leer, und meine Energie war danach vollkommen weg. Ich habe es halt zu Ende gespielt, weil man es zu Ende spielt und es morgen halt auch noch ein Doppel gibt und damit ich nicht wieder alle 700 Tests machen muss, wenn ich wegen sowas aufgebe", wozu ihn die ATP dann womöglich gedrängt hätte. Medvedev spiele "gut, keine Frage, aber mit jener Energie, die ich heute ab dem 1:1 zur Verfügung hatte, gewinne ich gegen den nichts - das hat man eh gesehen." Die Matcherfolge, die ihm zuvor gelungen waren, bringen ihm dennoch 25 ATP-Punkte und im Ranking wieder dicht an die Top 450. "Klar waren die ersten zwei Matches gut, trotzdem überwiegt heute halt die Enttäuschung. Das war schon bitter, weil ich mich sonst eigentlich ganz gut gefühlt hätte." Am Samstag wird Melzer mit dem Vorarlberger Julian Knowle noch im Doppel ums Endspiel kämpfen, und zwar gegen Brown und Jan-Lennard Struff (Deutschland).

von Manuel Wachta

Freitag
07.10.2016, 00:00 Uhr