David Ferrer – Was drauf steht, ist auch drin

Der Titelverteidiger geht als klarer Außenseiter in sein Halbfinale gegen Andy Murray.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 29.10.2016, 00:00 Uhr

VIENNA,AUSTRIA,28.OCT.16 - TENNIS - ATP World Tour, Erste Bank Open. Image shows David Ferrer (ESP). Photo: GEPA pictures/ Walter Luger

David Ferrer hatte es eilig gehabt im Grand Hotel am Kärntner Ring. Er müsse sich einschlagen, gab der Titelverteidiger der Erste Bank Open 500 Turnierdirektor Herwig Straka zu verstehen, für das gemeinsame Foto mit Tommy Haas fehle ihm eigentlich die Zeit. Exakt eine Woche nach der Auslosung, die er mit dem deutschen Veteranen an jenem Tag zelebriert hat, steht Ferrer nun im Halbfinale in der Wiener Stadthalle, mit Andy Murray wartet die größte anzunehmende Hürde. Wer David Ferrer bestellt, bekommt, was drauf steht. In der vollen Dosis, Viktor Troicki hat diese Erfahrung machen müssen im besten Match des Viertelfinal-Freitags vor den bis obenhin vollbesetzten Rängen.

Das Publikum hat Partei ergriffen für Ferrer, nicht gegen Troicki, der das Match im dritten Satz nach Hause hätte spielen können, bevor eine lähmende Schwere seinen Arm nach unten gezogen hat. Ferrer braucht eigentlich keine Einladung, wenn man ihn vorne bei der Tür rausschmeißt, kommt er hintenrum wieder rein ins Match. Das Angebot des Serben konnte er nicht ausschlagen, auch wenn der Oberschenkel zwickt. Der Physiotherapeut muss ganze Arbeit leisten, man darf davon ausgehen, dass David Ferrer am Samstagnachmittag in voller Betriebstemperatur antreten wird.

Kein Titel im laufenden Jahr

Ob das heiß genug für Andy Murray sein wird, darf bezweifelt werden. Erst vor zwei Wochen in Peking hat der Schotte keine Probleme mit Ferrer gehabt, wie auch in den sechs vorhergegangene Partien gegeneinander, manchmal mehr, manchmal weniger. 2016 hat es nicht sonderlich gut gemeint mit dem 34-Jährigen mit Wohnsitz in Valencia. Zu 26 Titeln ist kein weiterer dazu gekommen, nicht einmal ein Finale hat für Ferrer herausgeschaut. Den Dienst am Heimatland hat er dagegen vorzüglich versehen, auch wenn die indischen Davis-Cup-Gegner Anfang September Kaliber der ganz kleinen Sorte waren.

Das olympische Abenteuer in Rio de Janeiro ist ein kurzes gewesen, ganz im Gegensatz zu dem von Halbfinalgegner Murray. Die zweite Goldene für den Schotten nach 2012, einer der Glanzpunkte im besten Jahr von Murray. Die Zweitrunden-Niederlage gegen Evgeny Donskoy in Rio, ein weiterer Tiefschlag für den nimmermüden Ferrer. Ein Sieg in Wien würde nicht alles, aber vieles vergessen machen.

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