Perfekter Auftakt – Gerald Melzer nimmt den Finalisten von 2011 raus

Österreichs Nummer zwei kämpft sich beim ATP-Heimturnier in Tirol nach drei Sätzen ins Achtelfinale.

von Manuel Wachta
zuletzt bearbeitet: 19.07.2016, 00:00 Uhr

Gerald Melzer

Der österreichische Großkampf-Tag bei den Generali Open Kitzbühel hat an diesem Dienstag zu Mittag mit einem erfreulichen Sieg begonnen. Gerald Melzer hat als Erster der gesamt vier rot-weiß-roten Vertreter im Hauptfeld des ATP-World-Tour-250-Sandplatzevents den Sprung ins Achtelfinale geschafft. Der Niederösterreicher (ATP 107), der recht kurzfristig noch direkt ins Feld gerutscht war und so seinem älteren Bruder, Jürgen , die Wildcard "vererben" konnte, revanchierte sich beiAlbert Montanes für die 4:6,-6:7-(5)-Auftaktniederlage am selben Ort im letzten Jahr. Der Schützling des Ex-Profis Werner Eschauer bezwang den 35-jährigen Spanier (ATP 122), Finalist 2011, Semifinalist 2013 sowie Viertelfinalist 2015, nach 2:15-stündigem, hartem Kampf mit 5:7, 7:5, 6:4. Im Kampf um einen Platz im Viertelfinale erwartet ihn damit am Mittwoch dessen Landsmann, der Qualifikant Daniel Gimeno-Traver (ATP 131).

Kämpferqualitäten in die Waagschale gelegt

Bereits zur Mittagszeit waren die Ränge auf dem Center Court gut gefüllt - und die Zuschauer standen von Beginn weg voll hinter Melzer. Dieser war am Montag in aller Herrgottsfrüh vom auf zügigem Hardcourt ausgetragenen Davis-Cup-Länderkampf von Österreich in der Ukraine angereist, hatte dementsprechend wenig Zeit zur Regeneration und um sich auf die Höhenlage und auf den Sandplatz in Kitzbühel umzustellen. Der Deutsch-Wagramer versuchte allerdings vor dem Heimpublikum, aus diesen beschriebenen Umständen das Beste zu machen und legte seine ganzen Kämpferqualitäten in die Waagschale. Der 26-Jährige zeigte keinerlei Scheu, die langen Rallys mit Sandplatz-Spezialist Montanes, die frühere Nummer 22 der Welt, zu gehen. Und wurde für seinen aufopfernden Fight letztlich belohnt, mit dem 1:1 im Head-to-head und vor allem seinem nunmehr ersten ATP-Hauptfeld-Sieg bei einer Heimveranstaltung.

Marathongame bringt Vorentscheidung

Die Partie verlief zunächst völlig offen, in den ersten acht Games gewannen die Rückschläger nie mehr als einen Punkt. In den nächsten zwei Returngames zwang Melzer Montanes jeweils über Einstand. Doch zu den Chancen kam lediglich sein Gegner: Bei 4:5 konnte Melzer zuerst einen Satzball noch nach einem mutigen, gerade noch die Linie kratzenden zweiten Aufschlag abwehren, bei 5:6 ließ sich der Satzverlust nach ein paar vermeidbaren Fehler allerdings nicht mehr verhindern. Auch im zweiten Abschnitt kamen lange keine Breakmöglichkeiten, Melzer ließ dann bei 4:4 seine erste Gelegenheit überhaupt aus - ehe die vorentscheidenden Momente zu beobachten waren. In einem Marathonspiel über sieben Mal Einstand nützte er - nach zwei Spielbällen für Montanes - seine achte Chance, die neunte insgesamt -, schaffte das Break bei 5:5. Melzer machte den Sack zu, nahm den Schwung in den dritten Satz mit, schlug gleich mit der einzigen Chance zum 1:0 zu und ließ bis zum Schluss nichts mehr anbrennen.

Emotionaler Sieg: "Es war immer ein Traum von mir"

Die zuvor beschriebenen Strapazen spürte Melzer - besonders nach Matchende. "Jetzt bin ich ziemlich fertig", stöhnte er im "ORF SPORT+"-Interview. "Es hat schon am Ende des dritten Satzes begonnen - da habe ich schon Krämpfe in den Armen bekommen. Ich bin jetzt einfach nur froh, dass ich irgendwie über diese Partie drüber gekommen bin." Für ihn sei es "auf alle Fälle" ein überaus emotionaler Sieg: "Es war immer ein Traum von mir, mal bei einem ATP-Turnier in Österreich auch weiterzukommen - mit der Unterstützung der Leute war das heute echt ein Traum und ich bin superhappy, dass ich es geschafft habe." Vor allem das so beinhart erkämpfte Break im Finish des zweiten Satzes habe viele Nerven gekostet, aber "im Endeffekt habe ich dann irgendwie das Break gemacht, und das war dann definitiv die Wende." Und so kommt es zum Wiedersehen mit Gimeno-Traver, dem er im Hamburg-Qualifikationsfinale im Jahr 2014 mit 4:6, 6:7 (3) unterlegen gewesen war. "Es wird auf alle Fälle schwer", glaubt der Deutsch-Wagramer. "Ich muss gut spielen. Ich glaube aber, wenn ich meine Leistung bringen kann, dass ich ihn schlagen kann."

von Manuel Wachta

Dienstag
19.07.2016, 00:00 Uhr