„Spiel ruhiger!“

Beobachtungen zum Finalsamstag in Kitzbühel.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 23.07.2016, 00:00 Uhr

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Anna Fenninger, das muss man den Lesern aus Deutschland möglicherweise erklären, ist in Österreich so etwas wie eine Mischung aus Helene Fischer und Steffi Graf. Nur größer. Auch wenn sie nunmehr Veith heißt, mit ihrer Hochzeit die Hoffnungen mindestens der Hälfte der anwesenden Herren im Stadion zu Kitzbühel zerstört hat. Anna Veith ist aber auch: total bodenständig! Kaut an einem eingepackten Sandwich, das kulinarisch ganz viel Platz nach oben hat - so wie wir normalen Menschen auch! Die schlechte Nachricht: Das operierte Knie hat auch viel Luft nach oben, der Start beim alpinen Weltcup-Auftakt in Sölden keineswegs gesichert.

Wenn sich mehr als 5000 Menschen an einem Samstagnachmittag in ein Tennisstadion begeben, um den ewig jungen Schlager Nikoloz Basilashvili gegen Paolo Lorenzi zu feiern, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, auch Männer anzutreffen, die a) dem Alkohol zusprechen und b) mit einem gerüttelt Maß an biblischem Hass auf den Italiener zur Anlage gekommen sind. Schön, dass sich einer dieser Herren direkt neben den Pressesitzen platziert hat. Punkte von Lorenzi werden entweder im tadellosen Italienisch kleingeredet oder aber mit einem lautstarken "Spiel ruhiger!" in die Richtung des Georgiers quittiert.

Ob der wiederum die Anfeuerung richtig zu deuten weiß - man darf daran zweifeln. Das rhythmische Klatschen der Zuschauer zu seiner Unterstützung empfindet Basilashvili jedenfalls als eher störend, beschwert sich gar bei Gegner und Schiedsrichter.

Herbert Günther und Markus Bodner vertreten die Agenden des veranstaltenden Kitzbüheler Tennisclubs. Sie tun dies seit Jahren schlichtweg grandios, messen sich gleichzeitig mit Kapazitäten wie Katy Perry, was die Garderobenwechsel angeht. Und die Message an alle Männer da draußen lautet klar und deutlich: Man muss öfter Anzüge tragen, am besten in Dunkel mit partiell orangefarbener Krawatte. Großartig.

Auf der anderen Seite scheint sich der Verdacht zu erhärten, dass ganz tief in Turnierdirektor Alexander Antonitsch ein Bayer sitzt. So man eben jenen als Urvater der Lederhose ansieht. Den Bayern, nicht Antonitsch. Der gebürtige Kärntner bringt natürlich auch alles mit, was der Lederhosen-Träger als solcher braucht. In erster Linie: kernige Waden.

Dominic Thiem hätte sich beinahe eine bayerische Version erspielt, als Sieger in München muss man seit vergangenem Jahr der Tracht frönen. Der lokale Held zeigt sich auch in regulärer Arbeitskluft am Samstag von seiner besten Seite, nicht zuletzt nach dem Ende des Doppel-Endspiels, als er die Zuschauer doch bittet auch zum Einzelfinale zu bleiben. Ein Mann, ein Wort, dem die Fans natürlich bedingungslos folgen.

Was nicht heißt, dass der Österreicher als solcher sich alles kritiklos bieten lässt. Wenn es jemals einen Zeitpunkt gibt, an dem ein Doppelfehler nicht schmerzt, dann sicherlich zu Beginn eines Satzes bei Spiel-Gleichstand und 40:0. Geraunzt wird aber natürlich trotzdem, wenn Dennis Novak seinen zweiten Aufschlag zu exakt jenem Zeitpunkt ins Aus setzt.

Schließlich noch zweierlei: Beruhigend für den Hobbyspieler, dass selbst Doppel-Koryphäen wie die Turniersieger Matwe Middelkoop und Wesley Koolhof beim Volley Probleme habe, wenn ihnen Dominic Thiem eine Vorhand mit 346 km/h an den Körper spielt. Und: Auch das Versprühen des Sieger-Champagners will geübt sein. Sollte Paolo Lorenzi noch einmal in den Genuss kommen, wird auf ein besseres Ergebnis zu pochen sein.

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Samstag
23.07.2016, 00:00 Uhr