Ralf Weber – „Viele beneiden uns um die Verbindung zu Roger“

Der Turnierdirektor des Rasen-Klassikers in Westfalen spricht über Aushängeschild Roger Federer und wen er sich zum 25. Jubiläum wünscht.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 15.06.2016, 14:08 Uhr

Ralf Weber – ATP-Halle

Drehen wir die Uhren ein Vierteljahrhundert zurück. Es war das Jahr 1991, als Tennis in Deutschland boomte. Vor allem auf Rasen trumpften die deutschen Asse groß auf. Steffi Graf gewann in jenem Jahr ihren dritten Wimbledon-Titel und Michael Stich feierte an gleicher Stelle den größten Erfolg seiner Karriere –im Endspiel besiegte er Boris Becker ohne Satzverlust. Im Schatten dieser Großtaten wurde in Halle/Westfalen ein damals noch unbedeutendes Tennisturnier aus der Taufe gehoben. Die Premierenveranstaltung war lediglich mit 25.000 US-Dollar dotiert und wurde auf Sand ausgetragen. Mit dem folgenden Wechsel auf Gras erhielt das heutige ATP-World-Tour-500-Turnier ab 1993 internationalen Status.

Seitdem gewann das „Deutsche Wimbledon“ Jahr für Jahr an Bedeutung. Schon lange genießt das Turnier einen hohen Stellenwert in der Tennisszene und ist aus dem ATP-Kalender nicht mehr wegzudenken. Im nächsten Jahr feiert das Rasenturnier bereits seinen 25.Geburtstag. Turnierdirektor Ralf Weber wünscht sich für die Jubiläumsausgabe drei besondere Gäste. Zudem sprach er auf der Turnier-Webseite über die große Bedeutung des achtfachen Halle-Siegers Roger Federer und die enge Beziehung zu Wimbledon. Hier sind einige Auszüge aus dem Interview.

Ralf Weber über…

... die Bindung zu Wimbledon:

„Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch bei den Top-Leuten in Wimbledon. Ich hatte noch die Angst, dass sie sagen: ‚Macht ihr mal euer Turnier, was interessiert uns als Wimbledon das schon.’ Aber dann war es eine sehr herzliche Atmosphäre. Wir bekamen Hilfestellung von allen Seiten, von der Auswahl der Netzpfosten über die Entscheidung für den richtigen Rasen. Und dann nahmen wir auch den ehemaligen Chef-Greenkeeper Jim Thorn unter Vertrag. Wimbledon bewies damals schon große Weitsicht, sie hatten die Idee und den Willen, dass Rasentennis wieder mehr Geltung haben müsste. Und das ist ihnen ja vortrefflich gelungen nun.“

... die Rolle von Roger Federer für das Turnier:

„Er hat das Turnier natürlich wie kein anderer geprägt. Als achtmaliger Sieger sportlich. Aber auch als Partner und Botschafter der Gerry Weber Open, als Fürsprecher bei anderen Spielern, als Publikumsliebling. Roger Federer und die Gerry Weber Open – das ist mehr als die normale Beziehung zwischen einem Turnier und einem Spieler. Er kam schon als 18-Jähriger nach Halle, fühlte sich wohl. Gewann dann 2003 zum ersten Mal hier, dann in Wimbledon. Er identifiziert sich einfach mit unserem Turnier, mit Halle als Schauplatz. Er kommt gern, weil Halle anders ist, nicht eine dieser großen Metropolen mit all ihrer Hektik und Nervosität. Viele beneiden uns um diese außergewöhnliche Verbindung zu Roger.“

... die Einbindung des „Maestros“ nach dessen Karriereende:

„Wir wünschen uns sehr, dass Roger dem Turnier weiter eng verbunden bleibt. Er war auch sehr positiv überrascht, dass wir ihm schon Pläne und Überlegungen vorgelegt haben. Er sagte mir: ‚Ist ja toll, dass ihr schon in die Zukunft schaut und euch Gedanken macht. Das ist einzigartig.’ Wir denken an Schaukämpfe, an gemeinsame Arbeit für seine Stiftung, an repräsentative Aufgaben. Roger ist da für vieles offen, habe ich den Eindruck.“

... das Bemühen umNovak Djokovic:

„Unser Interesse an ihm ist klar da. Das weiß auch sein Management. Aber es ist tatsächlich so, dass Djokovic Wimbledon auch ohne Vorbereitungsturnier gewinnt – und dass er diese Routine wohl nicht verlassen will. Wir würden ihn gerne bei uns sehen, 2017, zum Jubiläumsturnier. Aber zwingen können wir niemanden. Und wir müssen auch sehen, dass wir das alles in finanziell vertretbaren Dimensionen halten. Es gibt auch Grenzen des Machbaren.“

... weitere Wunschgäste:

„Da sind keine ganz großen Wünsche offen.Nadalwar bei uns, der hat sich sportlich nicht mit Ruhm bekleckert.Stan Wawrinkawäre interessant, vielleicht bringen wir noch mal beide Schweizer Weltklasse-Leute und Grand-Slam-Sieger an den Start. Bei der Champions Trophy, dem Schaukampf am Eröffnungswochenende, wünsche ich mir noch einmal einen gemeinsamen Auftritt von Steffi Graf und Andre Agassi – gerade mit Blick auf unseren 25. Geburtstag.“

Hier geht es zum kompletten Interview!

von tennisnet.com

Mittwoch
15.06.2016, 14:08 Uhr