Traditionsreicher Rothenbaum ist ein Sanierungsfall

Überdimensioniert und in die Jahre gekommen. Die Heimat des traditionsreichen Tennisturniers am Hamburger Rothenbaum steht vor umfangreichen Sanierungsmaßnahmen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 14.07.2016, 11:05 Uhr

Die Schalensitze sind verblichen, hin und wieder tropft es schon durch das poröse Membrandach - knapp 20 Jahre nach der Grundsteinlegung nagt unübersehbar der Zahn der Zeit am traditionsreichen Center Court am Hamburger Rothenbaum. Und er ist mittlerweile zu groß geworden: Konzipiert mitten im Tennis-Hype um Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf lassen sich 13.200 Eintrittskarten schon lange nicht mehr verkaufen. 2017 und 2018 sollen die German Open noch im gewohnten Ambiente stattfinden, danach ist eine umfangreiche Sanierung unumgänglich. Schon die Planungen dafür haben bislang rund 200.000 Euro verschlungen. Was machbar ist im feinen Villenviertel an der Alster, darüber sind die Diskussionen zwischen den gemeinsamen Nutzern, dem Club an der Alster und dem Deutschen Tennisbund (DTB), längst entbrannt.

Michael Stich hat eine Vision

„Wir wollen dem internationalen Tennis eine neue Heimat geben“, verspricht Club-Präsident Thomas Wiedermann. Der Nobelverein präferiert ein Stadion mit nur noch 7500 Sitzplätzen, um Platz zu gewinnen für ein neues Klubhaus, zwei bundesligataugliche Hockeyspielfelder und eine Tiefgarage. Für Stich ist das zu kurz gedacht. Der Wimbledonsieger,1993 selbst letzter deutscher Gewinner der German Open,sieht die Notwendigkeit einer größeren Arena. Denn der seit 2009 als Turnierdirektor fungierende Stich möchte sein Event ab 2019 aufwerten lassen, von einem 500er zu einem 1000er-Turnier. Dafür aber schreibt die Profivereinigung ATP ein Fassungsvermögen von 10.000 Zuschauern vor. „Es muss sichergestellt sein, dass wir auch wieder wachsen können mit unserem Turnier. Wir wollen über 2018 hinaus weiter veranstalten“, sagt der 47-Jährige. Dazu werde es noch zahlreiche Gespräche geben.

Klar ist: Nur gemeinsam können der Club an der Alster und der DTB das Areal neu gestalten. Ursprünglich besaß der Verband das Gelände als Erbpacht bis 2049. Als den DTB aber vor neun Jahren finanzielle Engpässe ereilten, wurde dieses Faustpfand für 1,5 Millionen an den Club verkauft. Immerhin blieb dem Verband ein langfristiges Nutzungsrecht für die Anlage. Daher stehen die Chancen nicht schlecht, dass das historische Gelände, auf dem 1892 der erste Titel vergeben wurde, weiterhin für großes Tennis erhalten bleibt.Und damit die Erinnerungen wachhält an ganz große Rothenbaumsieger wie Gottfried von Cramm, Rod Laver, Ivan Lendl, Roger Federer und Rafael Nadal.

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14.07.2016, 11:05 Uhr