Sensationeller Dominic Thiem nimmt Stanislas Wawrinka raus
Unglaublich: Dominic Thiem besiegt beim ATP-Millionenturnier in Madrid den bisher besten Spieler der Saison.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
06.05.2014, 23:13 Uhr

GegenJo-Wilfried Tsonga(damals ATP 8) hatte er beim 4:6, 6:3, 6:7 (3) im Viertelfinale der Erste Bank Open 2013 in der Wiener Stadthalle ebenso toll mitgehalten wie auch gegenAndy Murray(damals ATP 6) im Achtelfinale des ATP-World-Tour-500-Turniers in Rotterdam im Februar 2014. Im dritten Match gegen einen aktuellen Top-Ten-Vertreter hat es nun mit dem ersten Sieg geklappt: Dominic Thiem hat bei den Mutua Madrid Open am Dienstag am Abend sensationell den SchweizerStanislas Wawrinkaeliminiert.
Mit einem 1:6, 6:2, 6:4 über den Australian-Open-Sieger und bisher besten Spieler des Jahres (aktuell ATP 3) ist der erst 20-jährige Niederösterreicher (ATP 70) ins Achtelfinale des ATP-Masters-1000-Sandplatz-Turniers (3.671.405 Euro Preisgeld) eingezogen. Dort wartet auf den rot-weiß-roten Jungstar am Donnerstag erstmals entweder der auf 15 gesetzte RusseMikhail Youzhny(ATP 16) oder der SpanierFeliciano Lopez(ATP 29) - und spätestens nach diesem Auftritt also sicherlich ebenfalls keine unlösbare Aufgabe.
Dominic Thiem im ATP-Videointerview:
Nervöser Thiem, souveräner Wawrinka
„Es ist zu hoffen, dass er sehr, sehr gut beginnt", hatte Thiems Trainer Günter Bresnik vorm Zweitrunden-Kracher im „Estadio Manolo Santana"gegenüber tennisnet.com gemeint. Sein Wunsch erfüllte sich aber nicht: Wawrinka erwischte den Lichtenwörther zu Beginn eiskalt, dominierte klar und schnappte sich mit druckvollem Spiel gleich im zweiten Game das erste Break. Nach und nach fand Thiem zwar besser hinein, außer vergebenen Breakbällen bei 0:2 und 1:3 war vorläufig aber noch nicht allzu viel zu holen.
In einem Marathongame vergab Thiem darauf einen Spielball, ehe Wawrinka schließlich die sechste Chance aufs Doppelbreak nützte. Weniger später war der erste Satz beendet - und es schien nur recht wenig Hoffnung auf eine Überraschung zu geben. Zu überlegen präsentierte sich Wawrinka, zu nervös zeigte sich Thiem. Während der Eidgenosse auf starke 85 Prozent erste Aufschläge setzen konnte, waren es beim jungen Österreicher schwache 43 Prozent, mit denen er Wawrinka nicht mal annähernd zusetzen konnte.
Spieß umgedreht: Thiem erhöht den Druck
Neuer Satz, neue Chance hieß es für Thiem. Und diese nahm er diesmal von Anfang an wahr, begann den Spieß umzudrehen und Wawrinka unter Druck zu setzen. Mit oftmals mehr Spin in seinen Schlägen konnte er den schlaggewaltigen 28-Jährigen immer besser zurückdrängen. Im zweiten Durchgang dann auch überzeugende 77 Prozent erste Aufschläge halfen ihm, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, ebenso wie einige - so wie von ihm gewohnte - krachende Punktschläge, die auch für Wawrinka unerreichbar blieben.
Mit dem Break zum 2:0 holte sich Thiem diesmal die frühe Führung - und legte gar ein Break zu null zum 6:2 und Satzausgleich nach, während Wawrinka die einzige Breakchance vergab. Die größtenteils spanischen Zuseher feuerten den Außenseiter begeistert an und trauten ihren Augen nicht - und noch weniger, als sich Thiem im dritten Satz anschickte, den Favoriten zu Fall zu bringen. Ein 15/40 konnte er bei 1:1 umdrehen und die heikelste Situation bei seinem Aufschlag in der Entscheidung ungemein nervenstark meistern.
Wawrinka kommt nicht mit - und muss gratulieren
Bis zum Schluss blieb im Sportkomplex „Caja Mágica" alles völlig offen, ehe nicht etwa der abgebrühte Routinier, sondern der unerfahrene Emporkömmling in der heißen Phase beinhart zuschlug. Bei 5:4 erarbeitete sich Thiem mit phänomenal coolem Spiel einen Matchball. Und gleich der erste saß und ließ Thiem die Arme jubelnd in die Höhe recken, als Wawrinka nach 1:45 Stunden eine Vorhand ins Seiten-Aus verzog - und ihm sichtlich perplex und enttäuscht über die für seine Verhältnisse sehr mäßige Vorstellung zum Sieg gratulieren musste.
Der Weltranglisten-Dritte, Australian-Open- und Monte-Carlo-Champ konnte seinem Druck an diesem Tag nicht standhalten, der erste ganz große Coup in der jungen Karriere von Thiem war perfekt. Dieser bringt ihm 45.530 Euro Preisgeld und 90 ATP-Zähler mit denen er sich iminoffiziellen Live-Rankingauf Rang 61 vorwärts schiebt, fünf Plätze vorJürgen Melzer. Dass er dessen Position als Nummer eins von Österreich am nächsten Montag erstmals übernehmen würde, war bereits durchdessen Auftakt-Aus in Madridklar gewesen.
„Endlich gegen einen von den ganz Großen gewonnen"
„1:6, 6:2, 6:4 gegen Stan Wawrinka", jubelte Thiem, schon einige Minuten nach Mitternacht, auf seiner offiziellen facebook-Seite. „Am Anfang war er mindestens eine Klasse zu gut für mich. Da war mir alles zu schnell. Da war er zu gut und ich zu schlecht", schrieb er. „Aber im zweiten Satz habe ich mich an das Tempo gewöhnt und dann langsam angefangen, immer besser zu spielen. Manche Ballwechsel waren dann sogar mega geil. :) Am wichtigsten war aber, dass mein Aufschlag dann wieder besser geworden ist.
Für mich ist aber heute das Wichtigste, dass ich nicht wieder verloren habe: Ich habe gegen Tsonga gut gespielt und verloren und gegen Murray gut gespielt und verloren. Jetzt habe ich endlich gegen einen von den ganz Großen gewonnen. Ich werde noch gegen wahnsinnig viele Leute weiter hinten im Ranking verlieren. Aber ich weiß jetzt, ich KANN auch gegen die Allerbesten gewinnen. Das macht mich mega stolz und ist eine mega Motivation. Morgen ist Pause. Am Donnerstag bitte wieder Daumen drücken. Hat heute EXTREM gut gewirkt!! ;)"(Text: MaWa)
Hier die aktuellen Ergebnisse aus Madrid:Qualifikation,Hauptbewerb,Doppel.
