ATP Masters Toronto: Viele Menschen, viel Zeit - und wenig Tennis

Auch in Toronto scheint sich zu bewahrheiten: Das zwölftägige Masters-1000-Format ist kein Gewinner. Weder für die Spieler noch die Fans. Und schon gar nicht, wenn es kein Combined Event ist.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 04.08.2025, 07:43 Uhr

Flugeinlagen wie diese von Casper Ruud hätten die Fans wohl gerne öfter gesehen - egal von wem
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Flugeinlagen wie diese von Casper Ruud hätten die Fans wohl gerne öfter gesehen - egal von wem

Von Jens Huiber aus Toronto

Im Arbeitsraum für Journalisten haben die Veranstalter des ATP-Masters-1000-Turniers von Toronto eine Tafel angebracht, auf der die täglichen Zuschauerzahlen manuell eingetragen werden. Ein bisschen Schwund ist zwar immer, aber grundsätzlich lässt sich festhalten: Die kanadischen Tennisfans nehmen das Event vollumfänglich an. Auch wenn das Sobey Stadium im Gegensatz zu den Spielstätten der Toronto Blue Jays (Baseball) und Toronto Maple Leafs (Eishockey) fußläufig aus der Innenstadt nur mit einem soliden Tagesmarsch zu erreichen ist.

Die Tribünen rund ums en Center Court sind also voll. Aber wenn schon am Samstag, also knapp eine Woche vor dem großen Finale, nur noch vier Einzel-Partien angesetzt sind (noch dazu allesamt im großen Stadion), dann darf man bei aller Bewunderung für die Doppel-Experten festhalten: das ist herzlich wenig Tennis so früh im Turnier.

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Kein Combined Event in Kanada

Nun gibt es sicherlich einige Gründe, warum man die 1000er mit zwei Ausnahmen (Monte-Carlo und Paris Indoors ausgenommen - dazu gleich mehr) in die Länge gezogen wurde. Und hinter jedem dieser Gründe steht ein dickes Dollarzeichen. Wenn es sich nun um Combined Events wie etwa Indian Wells, Miami oder Cincinnati handelt, dann ist das Programm immerhin dichter, weil die Frauen und Männer das Unterhaltungsprogramm gemeinsam bestreiten. Aber aktuell messen sich Swiatek und Co. ja traditionsgemäß in Montreal, während die Männer in Toronto am Start sind. 

Gibt es einen Weg „zurück“? Nun, da bedürfte es wohl eines Kraftakts der Spieler bzw. des Spielerrats. Aber das hätte ja auch seine Kehrseite: Ein 96er-Raster ist für jene Profis nämlich finanziell durchaus einträglich, die sonst den Cut gar nicht schaffen würden.

Zverev mag Monte-Carlo

Alexander Zverev muss derartige Überlegungen natürlich nicht anstellen. Wie die deutsche Nummer eins aber erst dieser Tage im Podcast „Nothing Major“ erklärte (und im Anschluss an seinen Viertelfinal-Einzug in Toronto noch einmal betonte), sind Monte-Carlo und Paris Indoors mittlerweile seine Lieblingsturniere. Warum? Weil man dort hinkomme und seine fünf bis sechs Matches kompakt herunterspiele. Denn, und das hatte Zverev schon im vergangenen Jahr bei den ATP Finals ausführlich erläutert, Ruhetage bei den ausgedehnten 1000ern seien in Wahrheit ja keine. Weil die Spieler halt doch auf die Anlage kämen, um zu trainieren.

Dass die Fans im alten Format mehr für ihr Geld bekommen haben, lässt sich auch nur schwer bestreiten: man denke nur an den Donnerstag oder Freitag in Monte-Carlo, wo die Achtelfinal- und Viertelfinal-Partien komplett heruntergespielt werden. Darüber würde man sich in Toronto sicherlich auch nicht beklagen.  

Hier das Einzel-Tableau in Toronto

von Jens Huiber

Montag
04.08.2025, 09:05 Uhr
zuletzt bearbeitet: 04.08.2025, 07:43 Uhr