Dominic Thiem und sein unwirklicher Sieg

Österreichs Top-Spieler schwebt nach seinem Triumph über Roger Federer auf Wolke sieben. Finalgegner Philipp Kohlschreiber führt in der internen Bilanz.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 11.06.2016, 00:00 Uhr

Dominic Thiem

Im ersten Satz eine Lektion im Rasentennis bekommen. In Satz zwei eine 5:0-Führung versiebt und im anschließenden Tiebreak mit starken Aktionen zwei Matchbälle abgewehrt. Eine Regenpause vorm dritten Durchgang, erneuter Regen nach dem vorentscheidenden Break zum 4:3. Und schließlich der Sieg gegen Roger Federer, "den besten Spieler aller Zeiten, auf seinem besten Belag": Dominic Thiems Samstagnachmittag in Stuttgart war nicht wirklich alltäglich.

Thiem: "Sieg fühlt sich unwirklich an"

Thiem war entsprechend happy und selbst ein wenig ungläubig ob dem, was ihm da gelungen war. "Es fühlt sich unwirklich an, dass ich als Sieger herausgegangen bin. Ich habe nicht gewusst, dass ich auf Rasen so gut Tennis spielen kann", so Thiem, der neben seiner starken Leistung auch die mentale Einstellung als Grund für den Sieg in den Vordergrund stellte. "Es hat wahrscheinlich auch damit etwas zu tun, dass ich komplett ohne Erwartungen ins Match gegangen und extrem locker gewesen bin. Bis ich beim Ausservieren im zweiten Satz dann doch einen schweren Arm bekommen habe." Trotz Siegen gegen Rafael Nadal in Buenos Aires, gegen Roger Federer in Rom oder dem Halbfinale in Roland Garros - "die Umstände machen das wahrscheinlich zu meinem persönlich glücklichsten Moment in diesem Tennisjahr."

Vor allem der geringe Abstand zu seinem Halbfinale bei den French Open und die entsprechend geringe Vorbereitungszeit auf Rasen machen Thiems Finaleinzug noch bemerkenswerter. "Dass ich auf Sand- und Hartplatz weit kommen kann, habe ich in gewisser Weise auch von mir erwartet. Aber auf Gras? Nicht mal in meinen kühnsten Träumen. Schon gar nicht in der ersten Woche nach einem wirklich anstrengenden Turnier. Das macht das Ganze extrem speziell." Den Stuttgart-Sieg gegen Federer wertete Thiem deutlich höher als den vor einigen Wochen in Rom, wo Federer angeschlagen war. "Das war nur ein Test für ihn, ob er Roland Garros spielen kann. Natürlich war es nett, aber es hat nicht so viel bedeutet wie jetzt. Weil es hier auf seinem besten Belag war. Und wie ich gespielt habe und mich auf dem Platz gefühlt habe, das war vielleicht eines der besten Gefühle, das ich je gehabt habe im Tennis."

Re-Rematch gegen Philipp Kohlschreiber

Finalgegner Philipp Kohlschreiber kam in letzter Minute mit dem Halbfinal-Sieg davon. Seine Partie war bereits beim Stand von 6:3 und 2:2 wegen Regens unterbrochen worden. Kohlschreiber gelang bei der Wiederaufnahme in Satz zwei das Break zum 5:4, das er mit seinem dritten Matchball ausservierte. Keine Sekunde zu früh, denn nur kurz später kam der Regen zurück, der sicher eine Spielverlegung auf Sonntagfrüh bedeutet hätte. "Es war heute das Quäntchen Glück, das auf meiner Seite war", konstatierte Kohlschreiber, der mit seinem Auftritt selbst aber auch zufrieden war. "Ich habe von Anfang bis Ende sehr gut gespielt, mehr Spielanteile gehabt, gut aufgeschlagen, sehr druckvoll agiert."

Am Sonntag kommt es nun zum Rematch zwischen Kohlschreiber und Thiem (ab 13:30 Uhr MESZ, live auf SWR und Eurosport sowie in Österreich auf ORF SPORT+), "zum Re-Rematch von Kitzbühel und München", wie Kohlschreiber es formulierte. Im Halbfinale von Kitzbühel 2015 sowie im Herzschlag-Finale von München 2016siegte jeweils der Deutsche, der dennoch nicht die Favoritenrolle annehmen wollte. "Dominic ist nach Novak Djokovic der heißeste Spieler der Saison, er wird als Favorit reingehen, obwohl ich die letzten zwei Male gewonnen habe. Aber es war jedes Mal ein Battle." Dass beide befreundet sind, tut dem Vergnügen wohl keinen Abbruch. "Ich freue mich wahnsinnig, auch für Dominic, der spielt eine geile Saison", so Kohlschreiber. "Ich hoffe, ich kann ihn noch mal ein bisschen bremsen."

von Florian Goosmann

Samstag
11.06.2016, 00:00 Uhr