ATP München: Flavio schnell wie Fabio - aber holt Cobolli heute auch den Titel?
Flavio Cobolli hat wie Landsmann Fabio Fognini vor nunmehr zwölf Jahren das Endspiel des ATP-Tour-500-Turniers in München erreicht. Den Titel konnte Fognini aber nicht holen.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
18.04.2026, 19:47 Uhr

Der Autor gibt gerne zu, dass es ein paar Anläufe gebraucht hat, um sich vor vielen Jahren in das Spiel von Fabio Fognini zu verlieben. Aber wenn man dann mal die ganzen Nebengeräusche zur Seite schiebt, die es bei Fognini immer gegeben hat: Dessen Beinarbeit war einfach fantastisch. Musste sie auch sein, weil Fabio natürlich körperlich der Größten keiner war.
Das ist Flavio Cobolli auch nicht. Obwohl er im Vergleich mit Fabio Fognini fünf Zentimeter mehr auf den Zollstock bringet (183 zu 178). Aber die Schnelligkeit hält jeden Vergleich mit seinem mittlerweile zurückgetretenen Landsmann aus.
Und dass Cobolli noch ein paar Waffen mehr als Fognini hat, das musste am gestrigen Halbfinaltag in München Alexander Zverev zur Kenntnis nehmen. Da war zuallererst der Aufschlag. Zverev zählt nun ganz sicher zu den besseren Returnspielern der Tenniswelt - aber Cobolli baute ihm dennoch sieben unerreichbare Aufschläge ein. Im Gegenzug gelang Zverev kein einziges Ass. Was auch nicht oft vorkommt.
Shelton hat eine Rechnung offen
Und auch die Vorhand von Cobolli hat Top-Ten-Potential. Zverev hat im Vorfeld des Matches ja gemeint, dass Cobolli ein bisschen wild spiele. Nun: An diesem Samstagnachmittag bim MTTC Iphitos hat Flavio Cobolli diese Wildheit ziemlich gut unter Kontrolle gehabt.
Fabio Fognini war ja auch jahrelang Gast in München, 2014 hat er das Endspiel erreicht, verlor dieses aber gegen Martin Klizan in drei Sätzen. Cobolli hat heute Ben Shelton vor der Brust, der hat wiederum mit München noch eine Rechnung offen: Im vergangenen Jahr verlor Shelton das Finale gegen Alexander Zverev.
Cobolli erster italienischer Champion seit 1958?
Erfahrungswerte gibt es bereits erstaunlich viele: Von den fünf Partien der beiden hat Shelton die jüngsten drei gewonnen. Die allererste war die einzige auf Sand - und die gewann Flavio Cobolli 2024 in Genf.
Shelton könnte der erste amerikanische München-Champion seit Ivan Lendl 1993 werden. Aus italienischer Sicht hat als letzter Titelträger 1958 der unvergessene Orlando Sirola reüssiert.
Hier das Einzel-Tableau in München
