ATP Rom: Nick Kyrgios - Der auf dem Handtuch kaut

Nick Kyrgios hat seinen ersten Auftritt beim ATP-Masters-1000-Turnier in Rom erfolgreich gestaltet. Der Australier besiegte Daniil Medvedev in drei Sätzen.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 14.05.2019, 18:31 Uhr

Nick Kyrgios ist in Rom gut ins Rutschen gekommen
© Getty Images
Nick Kyrgios ist in Rom gut ins Rutschen gekommen

Von Jens Huiber aus Rom

Eine Version der Handtücher, die den Spielern auf dem Campo Centrale in die Hand gedrückt werden, hat Familiengröße. Das stellt manche Ballkinder vor die nicht triviale Aufgabe, die Textilteile in Überkopfhöhe zu transportieren, schließlich soll lediglich der Schweiß das Tuch beschmutzen, nicht der Sand in der Arena. Nick Kyrgios findet natürlich auch hier einen anderen Ansatz: Er beißt buchstäblich die Zähne zusammen, apportiert sein Handtuch mit dem Mund. Weil er es kann. Und grundsätzlich anders ist.

Dies notiert der Beobachter spätestens gegen Ende der Einspielphase: Da definiert Kyrgios die Kategorie des Fußfehlers neu, steht mit dem linken Bein vollumfänglich im Feld und nagelt Bälle über das Netz, die näher an der Grundlinie denn am T landen. Selbstverständlich beginnt Kyrgios das Match dann mit einem Aufschlag von unten.

Nick Kyrgios hat es eilig

Es wird nicht der einzige bleiben. Erstaunlicherweise lässt sich Daniil Medvedev zunächst davon irritieren. Der Russe, offensichtlich von einem schmerzenden Rücken gehemmt, weiß nichts mit den leb- und also tempolosen Bällen von Kyrgios anzufangen. Der erste Satz geht mit 3:6 nach einer halben Stunde flöten, Kyrgios hätte es gerne noch schneller gehabt, der Australier wartet im Grunde nie auf die Aufforderung von Stuhlschiedsrichter Gianluca Moscarella, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

Nick Kyrgios, das nebenbei, ist aber auch einer der wenigen Spieler, der den Weg zur Getränkebox selbst findet, auf die Dienste der Ballkinder verzichtet. Oder auch von sich aus einen Abdruck eines gegnerischen Balles gut gibt, obwohl die Linienrichter zunächst anders entschieden haben. Nach 63 Minuten schafft Medvedev dennoch den Satzausgleich, Kyrgios dagegen geht mit einer Verwarnung in den dritten Durchgang - der Mann aus Canberra hat einen Ball aus dem größten Stadion der Anlage geschossen.

Medvedev zerstört seinen Schläger

Kyrgios hat nun plötzlich doch Lust auf solide Grundlinien-Duelle, verzichtet für ein paar Minuten auf den Rückhand-Slice, wird mit dem Break zum 2:0 belohnt. Daniil Medvedev zeiht nun in puncto Verwarnungen gleich, ein an der Netzkante hängen gebliebener Stopp wird einem Schläger des Russen zum Verhängnis. Medvedev hat im siebten Spiel zwei Chancen zum Comeback, die erste wehrt Kyrgios mit einem 223-km/h-Ass mit Aufschlag zwei ab, die zweite mit einer Stopp-Passierball-Variante. Vier Asse en suite beschließen nach 93 Minuten das 6:3, 3:6 und 6:3 für Kyrgios.

In Runde zwei wartet ein Spieler, der eher humorbefreites Tennis spielt: Casper Ruud, der junge Norweger, der über die Qualifikation in das Hauptfeld gekommen ist. Wenn sich Nick Kyrgios spürt, wird Ruud nicht viel zu lachen haben. Ganz am Ende des Matches gegen Medvedev hat Kyrgios übrigens ein Herz für seine Zahnreihe bewiesen: und nur noch die kleinere Handtuchvariante mit auf den Platz genommen.

Hier das Einzel-Tableau in Rom

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14.05.2019, 19:31 Uhr
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