"Domi" Thiem scheitert an Qualifikant

Das stand nicht auf dem Zettel von Österreichs Shootingstar: Beim ABN AMRO World Tennis Tournament ist für Dominic Thiem überraschend im Viertelfinale Schluss.

von Manuek Wachta
zuletzt bearbeitet: 17.02.2017, 23:54 Uhr

Dominic Thiem verpasst in den Niederlanden den Einzug ins Halbfinale

Mit den Erfolgen über den deutschen Jungstar Alexander Zverev (ATP 18) und den Franzosen Gilles Simon (ATP 24) hatte er ein kräftiges Lebenszeichen in der bisher nicht zwingend nach Wunsch gelaufenen neuen Saison von sich gegeben. Doch der von Dominic Thiem und seinen vielen Fans erhoffte Aufwärtstrend ist am späten Freitagabend (nach MEZ) zu einem abrupten Ende gekommen - der junge Österreicher ist beim ABN AMRO World Tennis Tournament in Rotterdam überraschend im Viertelfinale ausgeschieden. Der zweitgesetzte Niederösterreicher (ATP 8) musste sich dem französischen Qualifikanten Pierre-Hugues Herbert (ATP 109) nach 1:23 Stunden Spielzeit mit 4:6, 6:7 (3) geschlagen geben, und dies in Summe absolut verdient. Während der 23-Jährige somit auch nach seinem fünften Saisonturnier weiterhin auf ein erstes Halbfinale wartet, spielt sein Bezwinger beim ATP-World-Tour-500-Hartplatz-Hallenevent in der niederländischen Hafenstadt nach seinem ersten Sieg überhaupt über einen aktuellen Top-Ten-Mann sensationell um einen Platz im Endspiel. Der 25-jährige Herbert bekommt es dabei am Samstagabend mit dem drittgereihten Belgier David Goffin (ATP 11) zu tun, der den 2017 bis dato so starken, fünftgelisteten Bulgaren Grigor Dimitrov (ATP 12) zuvor in 2:16 Stunden mit 6:4, 1:6, 6:3 niederrang.

Herbert lässt Thiem ratlos zurück

Thiem war in Rotterdam nach zwei Achtelfinals 2014 als Qualifikant und 2015 erstmals in die Runde der letzten Acht vorgedrungen und in diese als klarer Favorit gegangen. Herbert jedoch zeigte eindrucksvoll, warum er die Nummer zwei der Doppel-Weltrangliste ist und im Verlauf des Turniers bei seinen vier vorangegangenen Partien kein einziges Mal gebreakt worden war, was sich auch dieses Mal nicht ändern sollte. Er konnte sich auf sein Netzspiel und auf sein so mächtiges Service voll und ganz verlassen, setzte den Lichtenwörther wiederholt unter großen Druck, stürmte fast bei jeder erdenklichen Gelegenheit ans Netz vor und nahm seinem Gegner dadurch jeglichen Spielrhythmus. Dieses Konzept sollte sich schlussendlich bewähren, und es ließ Thiem über weite Strecken recht ratlos zurück. Mitentscheidend war zudem, dass Herbert stolze 80 Prozent an ersten Aufschlägen ins Feld brachte, wodurch er seinen Kontrahenten gut in Schach hielt, in seinen Servicegames meist komplett ungefährdet war und als Rückschläger riskieren konnte. Das machte sich im zehnten Game bezahlt: Hatte Thiem bis hierher nur zwei bescheidene Punkte in seinen Returnspielen gewonnen, so waren es bei Herbert auch lediglich drei gewesen, doch bei 5:4 schlug der 1,88-Meter-Mann schließlich bei seinen ersten Chancen zu und nützte seinen zweiten Satzball.

Bis Mitte des zweiten Abschnitts hielt Thiem insgesamt bei schlappen drei Punktgewinnen als Rückschläger. Herbert zog seine nicht sehr schön anzusehende, jedoch zweifelsohne effektive Spielweise kompromisslos durch, Thiem fand weiterhin nicht ins Spiel. Eine Vorentscheidung zu seinen Ungunsten schien nur eine Frage der Zeit zu sein und lag in der Luft. Bei 2:3 konnte der Schützling von Österreichs Starcoach Günter Bresnik ein 0:30 und 30:40 noch drehen, ehe er sich bei 4:4 aus dem Nichts heraus selber ein 15:40 erspielte. Weil Thiem bei seinem ersten Breakball eine große Chance vergab und einen nicht allzu schweren Rückhand-Passierball ins Netz schlug, flog zum bereits zweiten Mal an diesem Abend (und am heftigsten) der Schläger. Bei seiner zweiten Breakmöglichkeit ließ Herbert einen starken zweiten Aufschlag folgen und auch eine dritte blieb ungenützt. Im Game darauf stand Thiem bei 4:5 und 0:40 seinerseits mit dem Rücken zur Wand und vorm Aus - weil er sich mit ein paar guten Aufschlägen zu helfen wusste und Herbert die Anspannung vor einem riesigen Erfolg in dessen Karriere anzumerken war, rettete er sich nochmal auf 5:5. Im Tiebreak glückte dies nicht noch einmal: Er lief einem frühen Minibreak zum 0:2 hinterher und kassierte zum Abschluss ein weiteres. Der an diesem Tag bessere Spieler hatte sich durchgesetzt.

Vom Hallen-Hartplatz in Europa auf Südamerikas Sand

"Ich wusste, was ich zu tun hatte. Es war schwer - auch mental, am Ende des zweiten Satzes", meinte Herbert nach seinem ersten Einzug ins Semifinale eines ATP-World-Tour-500-Events, "das Wichtigste ist, dass ich gewonnen habe. Das ist unglaublich, ich fühle mich gut hier." Im Gegensatz dazu schied Thiem erstmals in einem 500er-Viertelfinale aus und verpasste auf der Ebene sein viertes Halbfinale nach Rio de Janeiro, dem Triumph in Acapulco und Halle 2016. Er muss sich darum mit 46.620 Euro Preisgeld und 90 ATP-Punkten zufriedengeben. Letztere gelangen derzeit nicht mal in seine Liste der 18 besten Ergebnisse und können die 180 Punkte von der vorjährigen Rio-Vorschlussrunden-Teilnahme nicht aufwiegen. Doch für diese rücken immerhin 150 Zähler nach, wodurch sein Minus lediglich 30 beträgt. Sollte der Turniersieg an Goffin gehen, so würde Thiem in der Weltrangliste, direkt hinter seinen guten Freund, auf den neunten Platz zurückfliegen. Bei einem Finaleinzug hätte er sogar den Kroaten Marin Cilic als Siebten ablösen und damit sein bisheriges Career High im ATP-Ranking einstellen können. In den nächsten Tagen steht für ihn eine riesige Umstellung auf dem Programm: Vom Hartplatz-Hallenevent im Nordwesten Europas geht es nach Südamerika, und zudem vorübergehend auf den roten Sand und wieder unter freien Himmel: zu den Rio Open, als Vorjahres-Halbfinalist.

Hier die Ergebnisse aus Rotterdam: Einzel, Doppel, Einzel-Qualifikation, Doppel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

Dominic Thiem im Steckbrief

von Manuek Wachta

Freitag
17.02.2017, 23:54 Uhr