Fabrice Santoro – „Coria war ein Betrüger”

Der französische Ex-Profi spricht über seinen besten und zweifelhaftesten Gegner sowie den größten Partyhengst und vieles mehr.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 31.05.2016, 11:30 Uhr

Fabrice Santoro - ATP-Tour

Fabrice Santoro liebte schon immer den großen Auftritt. Auf dem Platz war die frühere Nummer 17 der Welt ein Unikat. Das Spiel des in Tahiti geborenen Franzosen zeichnete sich durch eine Kreativität aus, dessen Wiedererkennungswert so hoch war wie bei kaum einem anderen Profi. Santoro überraschte seine Gegner stets mit Stopps, Slicebällen und unvorhersehbaren Kombinationen – immer mit dem feinen Gespür für die Pointe im passenden Moment. Dieses Charisma trägt der 43-jährige Filou auch auf der Zunge, wie er in einem beachtenswerten Interview mit der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ dokumentierte. Santoro nahm kein Blatt vor den Mund und sprach nicht nur über seinen größten Gegner, sondern stellte auch einigen ehemaligen Kollegen ein weniger schmeichelhaftes Zeugnis aus. Hier lest ihr die brisanten und hintergründigen Aussagen des sechsfachen ATP-Titelträgers.

Fabrice Santoro über…

... den besten Spieler, der ihm je gegenüberstand:

„Roger Federer, ohne jeden Zweifel. Er schafft es, die schwierigsten Dinge einfach aussehen zu lassen. Seine erfrischende Art ist seine beste Eigenschaft. Er lacht in der Kabine wie ein 15-jähriges Kind, unfassbar. Es ist wie ein perfekt sitzender Anzug, als ob sie den Sport für ihn erfunden hätten. Roger lebt 100 Prozent für Tennis und alles, was dazugehört.“

… das ärgerlichste Ereignis auf dem Platz:

„Die größte Ungerechtigkeit widerfuhr mir in Wimbledon 2006 gegenTomas Berdych. Ich spielte eines der besten Matches meiner Karriere auf Rasen, hatte zwei Matchbälle und er rief den Physio wegen einer angeblichen Verletzung. Das Match war fast für eine Viertelstunde unterbrochen(Santoro verlor die Partie 4:6, 7:6 (2), 6:2, 6:7 (5), 4:6). Als er gefragt wurde, wie es seinem Knie ging, sagte er, dass er nichts hätte. Er wollte nur meinen Rhythmus brechen. Es war das einzige Mal in meiner Karriere, dass ich einem Spieler nicht die Hand gab. Ich sagte für drei, vier Jahre nicht einmal ,Hallo’ zu ihm. Mittlerweile sind wir Freunde geworden.“

… den unfairsten Spieler:

„Guillermo Coria. Er war einer von der schmutzigen Sorte. Mit dem Hawk-Eye hätte er weniger Matches gewonnen. Er war ein Betrüger und Schwindler. Coria hatte kein Problem damit, einen falschen Ballabdruck auf Sand zu markieren. Er versuchte, zu vertuschen. Es war nur gerecht, dass er das French-Open-Finale 2004 gegen Gaston Gaudio verlor. Es hätte mich angekotzt, wenn so einer wie er einen ,Slam’ gewonnen hätte. Ekelhafter Typ.“

… die größte Partykanone:

„Marat Safin. Beim Turnier in Moskau hatte er einen ganz speziellen Rhythmus. Er wusste, dass er jeden Abend um 20 Uhr spielen sollte. So konnte er sich erst fünf Uhr morgens ins Bett legen und um 14, 15 Uhr aufstehen. Er ging jede Nacht aus. Man kann ihn auch als die netteste Person überhaupt bezeichnen, ein herzensguter Kerl.“

… einen Wunsch, den er sich gerne erfüllt hätte:

„Am liebsten hätte ich malGael Monfilstrainiert. Er ist ein Typ ohne Limits, abgesehen davon, dass er von sich selbst ziemlich beeindruckt ist. Ob richtig oder falsch – ich habe das Gefühl, dass ich ihm hätte helfen können. Jetzt ist er fast 30 Jahre alt und hat das Rüstzeug, das zu ihm passt. Ich hoffe, er zieht es bis zum Ende durch.“

… einen fast vergessenen Spieler, den er gerne wieder sehen würde:

„Marcelo Rios. Er hatte einen schlechten Charakter, aber ich liebte es, ihn spielen zu sehen. Als er Agassi im Finale von Miami 1998 zerlegte und die Nummer eins wurde – das war einfach genial. 1994 spielte er als 18-Jähriger erstmals in Roland Garros und verlor gegen den damaligen Weltranglisten-Ersten Pete Sampras in drei Sätzen. Nach dem Match gratulierte ich ihm zu seiner Leistung und er antwortete: ,Ich dachte, die Nummer eins der Welt würde viel besser spielen. Ich bin nicht beeindruckt. Eines Tages werde ich die Nummer eins sein.’ Er sagte es und setzte es um.“

von tennisnet.com

Dienstag
31.05.2016, 11:30 Uhr