Geburtstagskind Ilie Nastase – „Tennis ist heuchlerisch“

Der zweifache Grand-Slam-Sieger und ehemalige Weltranglisten-Erste holt zu seinem 70. Geburtstag zum Rundumschlag aus.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 19.07.2016, 12:36 Uhr

SHANGHAI, CHINA - APRIL 15: Laureus World Sports Academy member Ilie Nastase during a media interview at the Shanghai Grand Theatre prior to the 2015 Laureus World Sports Awards on April 15, 2015 in Shanghai, China. (Photo by Ian Walton/Getty Image...

Womit man den NamenIlie Nastaseverbindet? Mit wwei Grand-Slam-Titeln im Einzel (French Open und US Open), zwei Finalteilnahmen in Wimbledon, vier WM-Titeln. Zudem wurde der Rumäne am 23. August 1973 die erste Nummer eins im ATP-Ranking und blieb für insgesamt 40 Wochen Weltranglisten-Erster. Was gibt es sonst noch über Nastase zu sagen? John McEnroe und Jimmy Connors waren im Vergleich zum Rumänen Waisenknaben.

„Sex war damals wie eine Dusche”

Nastase, auch „Mr. Nasty" genannt, war wegen seines exzentrischen Verhaltens auf dem Platz wohl einer der Hauptgründe, warum in den Siebzigern der Verhaltenskodex (Code of Conduct) im Tennis eingeführt wurde. Abseits des Platzes galt Nastase als ultimativer Playboy. In seinem Buch „Mr. Nasty“ beschrieb der Rumäne, der zum vierten Mal verheiratet ist, dass er mit 2500 Frauen geschlafen habe und meinte: „Sex war damals wie eine Dusche. Man nahm eine, es fühlte sich gut an, und danach vergaß man es.“ Allerdings wurde die Anzahl der Frauen vom Autoren stark nach oben korrigiert, um das Buch noch interessanter zu machen. Heute am 19. Juli wird Nastase 70 Jahre alt. Im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ blickt der Rumäne auf seine Karriere zurück und findet sehr kritische Worte für die Entwicklung im Tennissport.

Nastase stört es besonders, dass es im heutigen Profitennis aalglatt zugeht. „Schauen Sie sich einen Spieler im Training an. Wie er sich da verhält, wie er redet, wie er flucht. Und dann schauen Sie sich diesen Spieler ein paar Stunden später auf dem Centre Court an. Das sind riesige Unterscheide. Sie scheinen einem anderen Menschen zu begegnen.“ Für den 70-Jährigen liegt es an den strikten Regeln. „Die Spieler sind nicht sie selber, weil sie es nicht dürfen. Nehmen wir den Fußball. Da gibt es keine Mikrofone auf dem Platz. Da schreien sich die Spieler noch an, provozieren und beschimpfen sich mit den übelsten Worten. Beim Tennis geht das leider nicht mehr.“

„Was soll der Mist?”

Der Rumäne wünscht sich die alten Zeiten zurück. „Es wäre jedenfalls schön, wenn es wieder so würde wie damals, ja. Ich würde es vorziehen, wenn die Regeln zumindest ein bisschen großzügiger wären. Jetzt mal ehrlich: Weshalb zum Teufel darf ein Spieler nach einem verlorenen Ballwechsel nicht 'Shit' oder 'Fuck' sagen. Was soll der Mist? Das ist doch nur das, was so ziemlich jeder Spieler nach einem ärgerlich verlorenen Punkt denkt. Tennis ist heuchlerisch. Und es geht ja nicht nur um die Emotionen. Auch andere Dinge laufen falsch.“

Und Nastase nennt auch ein Beispiel: „Wenn Nadal einen 20 Minuten langen Ballwechsel spielt, dann musst du ihm doch mehr als 25 Sekunden Pause bis zum nächsten Aufschlag geben. Es ist dumm, ihm da nicht mehr Zeit zu lassen. Stattdessen wird er verwarnt, erhält bei Wiederholung einen Punktabzug. Diese Regeln sind nicht von den Spielern gemacht. Sie sind erfunden worden von Leuten, die nie Sport getrieben haben.“ Seinen Ruf als ultimativer Playboy will Nastase auch nicht behalten. Für ihn war der im Alter von 40 Jahren verstorbene US-Amerikaner Vitas Gerulaitis ein viel größerer Frauenheld. „Es ist sehr schwierig, ein guter Tennisspieler und ein Playboy zu sein. Du kannst nur eins von beidem richtig machen. Natürlich kannst du mal auf eine Party gehen, wenn du in der ersten Runde eines Turniers rausfliegst. Aber wenn du ein Grand-Slam-Finale spielst, wärst du ja bescheuert, wenn du an den Tagen zuvor feiern gehen würdest.“

Hier geht es zum kompletten Interview mit Ilie Nastase.

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