Marcos Baghdatis hat Verständnis für Dimitrov-Ausraster

Der Zyprer sieht das Zerstören von Tennisschlägern als „menschliche“ Reaktion an und kritisiert die ATP für deren strikte Verhaltensregeln.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 05.05.2016, 10:43 Uhr

Marcos Baghdatis

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. An diesen Sinnspruch hat sich wohl auchMarcos Baghdatiserinnert, als er auf die Wutausbrüche seines KollegenGrigor Dimitrovangesprochen wurde.Der Bulgare zerstörte im Finale des ATP-250-Turniers in Istanbul insgesamt drei Mal seinen Schläger und verlor das Endspiel gegen den ArgentinierDiego Sebastian Schwartzmanschließlich vorzeitig durch ein Strafspiel.Baghdatis äußerte sich gegenüber der „L'Equipe“ zu diesem Eklat alles andere als empört: „Es war lustig und macht ihn(Anmerkung; Dimitrov)menschlich. Die Leute mögen das, auch wenn sie pfeifen und buhen – letztendlich finden sie es amüsant. Er hat nichts wirklich Schlimmes getan, ab und zu ist es gut, die Emotionen rauszulassen.“

Der 30-jährige Heißsporn aus Limassol kennt dieses Wutgefühl bestens aus eigener Erfahrung. Bei den Australian Open 2012 leistete sich Baghdatis einen legendären Ausraster, als er vier Schläger innerhalb von 25 Sekunden zerhackte. Während seiner Zweitrunden-Niederlage gegenStan Wawrinkawar der Zyprer so in Rage, dass er sogar zwei Schläger zertrümmerte, die noch in der Schutzhülle steckten.

Baghdatis: „Sogar meine Tochter schmeißt Schläger“

„Es macht mir nichts aus“, sagte Baghdatis hinsichtlich seines Wutausbruchs. „Die Leute lachen darüber, genauso wie ich selbst. Ich schäme mich so wenig, dass ich das Video sogar meiner vierjährigen Tochter zeigte. Sie ist zu jung, um es zu verstehen, schmeißt aber auch schon ihren Schläger auf den Boden.“ Die Zeiten, als das Schlägerzerstören schwer in Mode war, sind mittlerweile vorbei. Der Russe Marat Safin verarbeitete in seiner Karriere über 1000 Tennis-Rackets zu Kleinholz. Heute sieht man deutlich weniger Spieler vergleichbar eskalieren.tennisnet.com-Redakteur Christian Albrecht Barschel spricht sich in seinem Blog dafür aus, Spieler wie Grigor Dimitrov nicht für das Ausleben ihrer Emotionen zu verteufen.Die Akteure sollen sich zwar ihrer Vorbildfunktion für die Jugend bewusst sein, aber uns dennoch an ihren Gefühlen teilhaben lassen – sind diese doch das Salz in der Suppe.

Marcos Baghdatis schlägt in die gleiche Kerbe und erklärte, warum nur noch wenige Spieler so richtig ausrasten: „Wir flippen nicht mehr so extrem aus, da wir Angst vor der ATP haben. Wir sind jetzt Maschinen und dürfen keine Wörter wie ,Scheiße’ oder ,Hure’ sagen. Ich bekam eine Verwarnung gegen Gilles Simon, da ich ,Fuck’ sagte. Wenn man betrachtet, was im Fußball alles passiert, sollte sich die ATP etwas überlegen.“ Der SpanierTommy Robredohabe die Lösung für dieses Problem, sagte der Australian-Open-Finalist von 2006: „Er hatte die Idee, eine Art Verschlag neben der Bank zu errichten, wo die Spieler ihren Frust rauslassen können. Da drin sind Kameras installiert, damit uns alle dabei zuschauen können, wie wir schreien, ausrasten und um uns schlagen.“

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Donnerstag
05.05.2016, 10:43 Uhr