„Tennis-Gott“ Ion Tiriac würde Bälle um 50 Prozent vergrößern

Der Madrid-Chef gibt einmal mehr den Visionär - der sich eigentlich die alten Zeiten zurückwünscht.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 25.11.2016, 00:00 Uhr

INDIAN WELLS, CA - MARCH 22: Ion Tiriac watches Simona Halep of Romania against Jelena Jankovic of Serbia in the final during day fourteen of the BNP Paribas Open tennis at the Indian Wells Tennis Garden on March 22, 2015 in Indian Wells, California...

Es gibt nur wenige Menschen im Tennisbusiness, die so lange dabei sind wie Ion Tiriac. Der Ex-Manager von Boris Becker hat Turniere und Spieler kommen und gehen gesehen - und selbst meist ein goldenes Händchen gehabt, wenn es darum ging, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Goldgrube "Magic Box"

Tiriacs aktuelle Goldgrube steht in Madrid und trägt den Namen "Magic Box" - und wenn es nach dem Rumänen geht, wird es das Masters-1000er-Turnier in der spanischen Hauptstadt noch lange geben. Bis 2021 läuft der aktuelle Vertrag mit der Stadt, und aktuell schaut diese auf die Ergebnisse, die das Turnier in vielerlei Hinsicht einbringt. Für Tiriac sind sie ohnehin offensichtlich. "Für Madrid ist es ein gutes Geschäft, weil es Geld und globale Sichtbarkeit erhält, das es auf andere Weise nicht bekommt."

Natürlich stehe die Marke Real Madrid im Vordergrund, "aber dieses Turnier erreicht pro Jahr zehn Tage lang jeweils fünf bis sechs Stunden die Welt, 200 Länder. Dadurch gewinnt die Stadt", so der 77-Jährige gegenüber "elenspanol.com". Sollte es nicht zu einer Verlängerung kommen, ist dies für den geschäftigen Rumänen jedoch kein Problem. "Ich habe sieben Angebote, wo das Turnier hin könnte. Wir wollen aber gerne in Madrid bleiben."

Natürlich stünde dann auch die Zeit ohne das größte spanische Zugpferd im Raum - Rafael Nadal. "Wenn Sie eine Geschichte wie Wimbledon haben, können Sie ein Turnier halten, auch wenn es fast 80 Jahre kein britischer Tennisspieler in die Top 20 der Welt geschafft hat. Das ist eine Marke. Auch unser Turnier in Madrid ist eine Marke. Ich denke, dass das Turnier auch ohne Nadal funktionieren kann, bei allem Respekt für ihn."

Tiriac will lieber McEnroe als Federer sehen

Dennoch hat auch Visionär Tiriac neue Ideen, auch wenn in der Vergangenheit nicht alles angenommen wurde - Stichwort "blauer Sand". "Die Spieler sind 15 bis 20 Zentimeter größer als zu meiner Zeit. Das Spiel ist zwei bis drei Mal schneller geworden. Ist das gut oder schlecht? Es ist wie alles, man kann es mögen oder nicht. Ich würde die Rate aber um 30 Prozent senken. Bei allem Respekt für Federer, Nadal, Djokovic... ich würde lieber Spiele von McEnroe, Nastase, Santana, Pietrangeli sehen. Das Spiel damals war technischer."

Tennis habe sich insofern zu wenig verändert, meint Tiriac - bis auf Tiebreak und das Hawk-Eye habe es kaum Einschnitte gegeben. Und natürlich hat der Mann mit dem legendären Schnauzbart eine Idee, dies zu ändern - zum Wohle des Spiels. "Wenn ich der Gott des Tennis wäre, würde ich den Ball um 50 Prozent vergrößern und das Spiel so langsamer machen", erklärt Romantiker Tiriac. "Das würde dazu führen, dass mit Technik und Talent zwei Qualitäten eine größere Bedeutung einnehmen würden, wie vor vielen Jahren."

von Florian Goosmann

Freitag
25.11.2016, 00:00 Uhr