Wie aggressiv wird Roger Federer spielen?

Was die wichtigsten Faktoren im Spiel des Schweizers sein werden.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 03.11.2016, 07:36 Uhr

LONDON, ENGLAND - JULY 08: Roger Federer of Switzerland celebrates during the Men's Singles Semi Final match against Milos Raonic of Canada on day eleven of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Club on J...

Die Uhr tickt. Während Stan Wawrinka sich gegen deutsche Spieler in der zweiten Saisonhälfte mehr als schwer tut, bereitet sich der andere Schweizer auf sein Comeback vor. Roger Federer war noch nie der Mann großer Worte. Über sein Spiel und seine Spielideen verlor er in der Vergangenheit zumeist nur unbedeutende Worte, die wenig Aussagekraft besaßen. Noch ist das Comeback des vielleicht besten Spielers aller Zeiten nicht präsent. Es kommt aber in großen Schritten auf uns zu. Muss Federer sein eigenes Spiel revolutionieren? Muss der Schweizer seine gesamte Spielidee über den Haufen werfen? Oder sollte er einfach den bereits eingeschlagenen Weg ausbauen?

Kein Grand-Slam-Titel von der Grundlinie

Wie so oft in seiner Karriere wird Federer sein Spiel weiterentwickelt haben. Eine große Umstellung wird es nicht geben. Die aggressive Grundausrichtung wird bleiben. Der Aufschlag wird zu einem fundamentalen Bestandteil im wohl letzten Akt einer einzigartigen Karriere werden. Einen Grand-Slam-Titel wird Federer von der Grundlinie nicht mehr gewinnen. Er muss den Pfad zum Triumph am Netz suchen. Vermutlich geht der "Maestro" zur Zeit die idealen Laufwege ans Netz - nach einer Vorhand die Linie entlang - durch. Vermutlich wird mit Ivan Ljubicic über die effektivste Methode der Netzabdeckung diskutiert. Vermutlich werden stundenlang Serve-and-Volley-Kombinationen trainiert. Gegen die Murrays von heute ist der Angriff ans Netz eine Aufgabe, die nur ein Federer wird lösen können.

Keine Angst vor dem Passierball

Für Federer wird es wichtig sein, den Ball möglichst schnell wieder fühlen zu können. Er braucht den sauberen Klang bei einer voll durchgezogenen Vorhand, um Sicherheit für sein Spiel zu gewinnen. Denn die Passierbälle werden kommen. Federer wird die Intensität in seinem Spiel nochmals erhöhen. Der Gegner darf keine Luft zum Atmen bekommen. Der Gegner muss ständig unter Druck stehen, immer mit der Aufgabe auf dem Schläger, den idealen Passierball spielen zu müssen. Federer wird die Zeit zurückdrehen, und mit Chip-and-Charge den Ball flach und die Winkel für den Passierball gering halten.

Der Weg über die Vorhand

Ebenso wichtig wie der erste Aufschlag wird die Vorhand des Schweizers sein. Fast auf der Grundlinie stehend, ist das richtige Timing gepaart mit Balance die Grundlage für Feuer im Schlag. Ähnlich wie Andre Agassi zu seinen besten Zeiten, muss der Ball im Aufsteigen, vor dem Körper, gespielt werden. Ohne nachzudenken, ohne den geringsten Zweifel. Der kleinste Zweifel im Kopf wirkt sich sofort auf den Arm aus. Selbstvertrauen wird wichtig sein, um mutig durch den Ball zu gehen und sich nicht von der Grundlinie wegdrängen zu lassen. Die Vorhand wird den Gegner unter Druck setzen. Mit Tempo und Präzision kann sie ein Match kontrollieren und gewinnen. Die Vorhand, die bereits in Federers Jugend sein Markenzeichen war, kann der Schlüssel zu vielen Türen in seinem Spiel sein.

Eine Analyse von Marco Kühn ( tennis-insider.de ) .

von tennisnet.com

Donnerstag
03.11.2016, 07:36 Uhr