ATP/WTA: Martina Navratilova rüttelt an einer Tennis-Tradition
Martina Navratilova möchte eine der ältesten Tennisregeln abschaffen. Die Wimbledon-Rekordsiegerin erhält für ihren Vorschlag prominente Unterstützung – und verweist auf erfolgreiche Tests im Nachwuchsbereich.
von Stefan Bergmann
zuletzt bearbeitet:
15.07.2026, 19:16 Uhr

Eine der traditionsreichsten Tennisregeln steht plötzlich wieder zur Diskussion. Martina Navratilova hat sich während Wimbledon dafür ausgesprochen, den sogenannten Let-Aufschlag abzuschaffen. Berührt ein Service die Netzkante und landet trotzdem korrekt im Aufschlagfeld, soll der Ball nach Ansicht der neunmaligen Wimbledon-Siegerin künftig einfach weitergespielt werden. „Schafft diese Regel ab – sie ist überflüssig“, forderte die US-Amerikanerin. Die meisten Netzroller seien ohnehin nur minimale Berührungen, ein Wiederholen des Aufschlags koste lediglich Zeit. Ein Ball, der nach einer Netzberührung unerreichbar sei, komme ohnehin äußerst selten vor.
Unterstützung von Woodbridge
Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Im internationalen Junioren-Tennis wird die sogenannte No-Let-Regel bereits seit Beginn diesen Jahres angewendet. Dort wird ein gültiger Aufschlag nach Netzberührung grundsätzlich weitergespielt. Auch das offizielle Regelwerk sieht diese Variante als zulässige Alternative vor – bei den Profi-Turnieren und Grand Slams hält man bislang jedoch an der traditionellen Auslegung fest.
Unterstützung erhielt Navratilova wenig später von Doppel-Legende Todd Woodbridge. Er erklärte, dass man sich beim Zuschauen von Junioren-Matches überraschend schnell an die neue Regel gewöhne. Letztlich gehöre auch ein glücklicher Netzroller einfach zum Sport. Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte kürzlich durch mehrere umstrittene Netzaufschläge im Wimbledon-Halbfinale zwischen Arthur Fery und Alexander Zverev – und könnte damit erneut in den Fokus der Stakeholder geraten.
