ATP/WTA: Zoff und Verwirrung um das Linien-System auf Sand
Elektronische Linienentscheidungen auf Sand bleiben umstritten. Spieler zweifeln, Zuschauer sind irritiert – doch das eigentliche Problem liegt wohl deutlich tiefer.
von Stefan Bergmann
zuletzt bearbeitet:
04.05.2026, 20:27 Uhr

Bei den Madrid Open 2026 sorgte einmal mehr ein eigentlich großteils geklärtes Thema für Diskussionen: das elektronische Linien-System auf Sand. Spieler wie Alexander Zverev, Mirra Andreeva oder Elena Rybakina zweifelten Entscheidungen an und forderten die Schiedsrichter mehrfach dazu auf, die Ballabdrücke zu überprüfen – ohne Erfolg.
Die Reaktionen auf dem Platz zeigten deutlich, wie schwer sich viele Profis noch immer mit der Umstellung tun. Jahrzehntelang war es auf Sand selbstverständlich, den Abdruck des Balls als Beweis heranzuziehen. Nun gilt ausschließlich die elektronische Entscheidung. Gerade in hitzigen Momenten fällt es vielen schwer, dieses neue System vollständig zu akzeptieren – auch wenn sie theoretisch wissen, dass die Technik präziser ist.
Roland Garros macht das Chaos perfekt
Ein Grund für die Verwirrung liegt in der Natur des Belags selbst. Auf Sand können Abdrücke täuschen, da sich Oberfläche und Bedingungen ständig verändern. Ein Ball, der im Feld landet, kann optisch „aus“ wirken – und umgekehrt. Genau deshalb wurde das elektronische System überhaupt eingeführt. Dennoch bleibt die Skepsis bestehen, auch weil TV-Bilder und Erklärungen oft nicht ausreichend helfen, die Entscheidungen nachvollziehbar zu machen - auch für das Publikum.
Zusätzliche Unklarheit bringt die Tatsache mit ein, dass mit den French Open eines der wichtigsten Turniere überhaupt weiterhin auf das alte System setzt. Während die ATP und die WTA versuchen, Spieler und Fans an die Technologie zu gewöhnen, kehrt man in Paris jedes Jahr wieder zu den Ballabdrücken zurück. Das erschwert die Umstellung – und sorgt dafür, dass die Diskussionen wohl noch länger nicht verstummen werden.
