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Auch ein Jahr später noch "brutal": Krawietz und Mies und ihr "Titel für die Ewigkeit"

Vor einem Jahr triumphierten Kevin Krawietz und Andreas Mies völlig überraschend bei den French Open. Es folgte ein turbulentes Auf und Ab - die Coronakrise gibt dem Doppel Zeit, alles zu verarbeiten.

von SID
zuletzt bearbeitet: 06.06.2020, 08:45 Uhr

An diesen historischen Coup, der sein Leben auf den Kopf stellte, wird Andreas Mies tagtäglich erinnert. Auf einem Podest über dem Fernseher thront der silberne Siegerpokal der French Open, auch das grüne Shirt von jenem 8. Juni hat im Wohnzimmer einen Ehrenplatz gefunden - natürlich verschwitzt und ungewaschen. Die rote Asche aus Paris klebt immer noch daran. Am Montag jährt es sich zum ersten Mal, dass Mies neben seinem Partner Kevin Krawietz völlig erschöpft auf dem Court Philippe Chatrier lag, alle Viere von sich gestreckt. Gemeinsam staunten sie ungläubig über den ersten Grand-Slam-Triumph eines deutsches Doppels seit 1937.

"Es war ein Titel für die Ewigkeit", sagt Mies im Gespräch mit dem SID und gerät sogleich ins Schwärmen: "Es ist so brutal und unglaublich. Das ist das Größte, was überhaupt geht im Tennis." Für Krawietz ist die Dimension des Triumphs selbst ein Jahr später noch nicht komplett greifbar. "Manchmal sitze ich immer noch im Auto und denke: 'Ja krass, davon habe ich immer geträumt'", erzählt der Coburger.

Im Herbst 2018 war dies alles noch unvorstellbar, damals hatten Krawietz/Mies bei einem Challenger-Turnier im mittelfränkischen Eckental um ein paar wenige Weltranglistenpunkte gekämpft. Wenige Monate später katapultierten sie sich in Roland Garros mit einem Paukenschlag ins Rampenlicht. "Heute Abend reißen wir den Eiffelturm ab", scherzte Mies im Überschwang der Gefühle, nachdem er mit Krawietz im Finale die Lokalmatadoren Jeremy Chardy und Fabrice Martin glatt in zwei Sätzen bezwungen hatte.

Erwartungen nach dem Triumph "bisschen zu groß"

Auf einmal waren "Kramies" deutsche Tennis-Helden und in aller Munde, doch damit stieg auch der Druck - und ein turbulentes Jahr nahm seinen Lauf. "Nach dem French-Open-Titel waren die Erwartungen groß, vielleicht ein bisschen zu groß", erzählt Krawietz.

Es folgten Rückschläge wie die Erstrundenpleiten in Wimbledon und bei den Australian Open, aber auch weitere Höhenflüge wie der Halbfinaleinzug bei den US Open und die Teilnahme an den ATP-Finals. Und mit der Nominierung für das deutsche Davis-Cup-Team beim Finalturnier in Madrid ging für das Duo auch noch ein "Kindheitstraum" in Erfüllung.

Und wäre dies nicht schon turbulent genug, nun also auch noch die Coronakrise. So bitter die Unterbrechung der Tour aufgrund der Pandemie auch ist - sie birgt auch die Chance, in Ruhe die Achterbahnfahrt der vergangenen zwölf Monate zu reflektieren.

Krawietz jobbt aktuell bei Lidl

"Das musst du erstmal alles verarbeiten - all deine Ziele und Träume gehen in so kurzer Zeit in Erfüllung. Wir sind auch nur Menschen und keine Roboter", sagt Mies. Krawietz empfindet die Pause als "sehr angenehm". Zwischendurch hat er seine gewonnene Zeit genutzt, um auf 450-Euro-Basis bei einem Discounter zu jobben und damit seinen Horizont zu erweitern.

Während sich Krawietz ab der kommenden Wochenende bei der vom Deutschen Tennis Bund (DTB) ins Leben gerufenen Sommer-Turnierserie als Einzelspieler versucht, sammelt Mies in Matches "mit meinen Jungs" Spielpraxis. Doch schon bald wollen sie wieder zusammen für Furore sorgen. "Wir sind auf jeden Fall heiß", betont Krawietz.

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06.06.2020, 10:43 Uhr
zuletzt bearbeitet: 06.06.2020, 08:45 Uhr