Jürgen und Gerald Melzer mit lösbaren Qualifikationsaufgaben
Jürgen Melzer startet in die Australian-Open-Qualifikation gegen einen „Teenie“, sein Bruder Gerald gegen einen alten Bekannten.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
13.01.2015, 21:46 Uhr

WeilMartin Fischerdiesmalfreiwillig auf eine Teilnahme verzichtet, wird Österreich bei den Australian Open in der Herren-Qualifikation durch das beste Brüderpaar des Landes vertreten sein: Jürgen und Gerald Melzer. Ersterer muss zum allerersten Mal seit einer kleinen Ewigkeit – Wimbledon 2002 nämlich – wieder mal in die Vorausscheidung eines Grand-Slam-Turniers, Letzterer unternimmt den fünften Versuch, erstmals das Hauptfeld eines solchen zu erreichen. Jürgen ist an zweiter Stelle gereiht, der 33-jährige Niederösterreicher (ATP 106) bekommt es zum Auftakt in einem kleinen Generationenduell mit dem 19-jährigen ChilenenNicolas Jarry(ATP 221) zu tun. Gerald erwischte zum Beginn keinen Gesetzten, der 24-Jährige (ATP 161), der übrigens sein Debüt in Melbourne gibt, eröffnet gegen den 27 Jahre alten BelgierYannick Mertens(ATP 258). Die beiden spielen Mittwochfrüh nach MEZ nacheinander auf Court 13, haben also lösbare Aufgaben und finden sich in unterschiedlichen Bereichen des Tableaus – ein Brüder-Duell droht demnach erst mal nicht.
Qualifikationsstart „ganz was Neues“
Durch die vielen Absagen wäre Jürgen beinahe noch direkt in den Hauptbewerb gerutscht. Im Qualifikationsraster finden sich bloß zwei Spieler, die in der Hauptfeld-„Entry List“ vor ihm gereiht waren. „Die Qualifikation bei einem Grand Slam spielen zu müssen, das ist für mich natürlich was ganz Neues. Und es ist auch ein bisschen komisch, wenn man da ankommt und vielleicht nicht das Badge(die Zutrittsberechtigung zur Anlage; Anmerkung)fürs Hauptfeld bekomme, sondern nur das von der Qualifikation“, meinte Melzer gegenüber tennisnet.com. „Aber im Endeffekt bin ich hier, um mich für den Hauptbewerb zu qualifizieren, das möchte ich schaffen“, machte er noch einmal die Zielsetzung deutlich. Die Vorbereitung sei bestens verlaufen: „Vom Training her war’s in den letzten Tagen eigentlich sehr, sehr gut, heute war aber Regen, morgen soll’s auch regnen. Also ein bisschen komische Wetterverhältnisse, bei denen mir wahrscheinlich meine Routine auch ein bisschen helfen wird.“
„Jarry sagt mir nicht sehr viel“
Sein erster Gegner, der aufstrebende Jarry, sagt Melzer noch „nicht sehr viel. Ich habe mir auf YouTube ein paar Videos angeschaut. Das dürfte ein sehr talentierter Junge sein. Ich habe nur Videos auf Sand gefunden, also ich weiß nicht, ob er auf Hartplatz auch so erfolgreich war. Er ist sehr groß und hat einen guten Aufschlag. Mal schauen. Es wird einen Grund haben, warum er im Ranking noch nicht so weit vorn ist.“ Schmunzelnder Nachsatz: „Hoffe ich zumindest.“ Tatsächlich ist Jarry nahezu ausschließlich auf Sandplätzen anzutreffen, aber am Wochenende bewies der Youngster in der zweiten Sydney-Qualifikationsrunde mit einem knappen 6:1, 1:6, 4:6 gegen den nach dessen Dopingsperre wieder aufkommenden Ex-Weltranglisten-ZwölftenViktor Troicki(Serbien), dass er auch auf Hartplatz (der Untergrund bei den Australian Open) bestens zurechtkommen dürfte. Eine allzu leichte Aufgabe dürfte Melzer in Form des Jugend-Weltranglisten-Achten aus dem Jahre 2013 also nicht erwarten.
Gerald: „Sicher kein leichtes Match“
Im Gegensatz zu Jürgen kann Gerald gegen seinen ersten Kontrahenten schon auf eine Menge Erfahrungswerte zurückblicken. „Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren vier Mal gegen ihn gespielt – zwei Mal gewonnen, zwei Mal verloren“, wusste der Deutsch-Wagramer gegenüber tennisnet.com Bescheid. „Das wird sicher kein leichtes Match“, gab er sich vorsichtig. Er und Mertens standen sich übrigens nicht nur gegenüber, sondern auch schon auf der gleichen Seite des Netzes, bei bislang zwei gemeinsamen Doppelstarts. Melzer bestritt zur Vorbereitung den ATP-Challenger in Happy Valley, Australien, scheiterte mit dem BrasilianerAndre Ghemim Halbfinale an den Australian-Open-Viertelfinalisten 2014Alex BoltundAndrew Whittington(Australien), und zwar mit 1:6, 6:2 und 11:13 im Match Tiebreak nach vergebenem Matchball nach zuvor erfolgreicher Aufholjagd. Im Einzel war er zu Beginn unglücklich mit 6:7 (5), 7:6 (6), 4:6 gegen den Ex-Weltranglisten-71.Jürgen Zopp(Estland) ausgeschieden.
Große Bruderliebe mit Einschränkung
„Happy Valley war bitter, die Partie gegen Zopp habe ich leider verschenkt“, etwa durch drei ausgelassene Satzbälle im ersten Abschnitt. „Jetzt heißt’s, es diese Woche besser zu machen.“ Die Grundvoraussetzungen sollten durch die intensiven letzten Trainingstage sicher gegeben sein: „Gerald und ich haben natürlich miteinander trainiert, und es ist schon cool, den kleinen Bruder bei einem Grand-Slam-Turnier zu haben“, verriet Jürgen. „Es wäre natürlich schöner, wenn wir beide im Hauptbewerb spielen – dafür können wir hier noch sorgen“, äußerte sich der ältere der beiden, bekanntlich als frühere Nummer acht der Welt Österreichs zweitbester Spieler aller Zeiten, hoffnungsvoll. Gar zu eng fiel die, zweifelsohne große, Bruderliebe aber nicht aus: „Zimmer teilen wir keines, denn meine Frau ist mit dabei“, erzählte Jürgen. „Es ist zwar mein Bruder, aber das ginge dann vielleicht ein bisschen zu weit“, lachte er.(Text: MaWa)
Hier der Livestream zum 1. Tag der Australian-Open-Qualifikation.
Hier die Ergebnisse von den Australian Open:Einzel-Qualifikation.
