Australian Open: Nach Debakel in Melbourne - Die Sehnsucht nach der neuen Kerber
Mit Laura Siegemund ist die letzte DTB-Spielerin in der zweiten Runde der Australian Open ausgeschieden. Das deutsche Frauentennis steckt mal wieder in der Krise.
von SID
zuletzt bearbeitet:
22.01.2026, 15:25 Uhr

Während ihre Gegnerin glückselig zu Boden fiel, stapfte Laura Siegemund mit enttäuschter Miene Richtung Netz. Das Zweitrundenaus der 37-Jährigen hat ein insgesamt extrem enttäuschendes Abschneiden der DTB-Spielerinnen bei den Australian Open besiegelt. Zehn Jahre nach dem ersten Major-Triumph von Angelique Kerber in Melbourne steckt das deutsche Frauentennis abermals in einer veritablen Krise.
"Natürlich sind wir ein bisschen geknickt", sagte Bundestrainer Torben Beltz im Anschluss an das unnötige wie dramatische 4:6, 7:6 (3), 6:7 (7) Siegemunds gegen die Qualifikantin Maddison Inglis. Und auch: "Es hat dieses Jahr nicht gereicht, so wie wir es wollten."
Ella Seidel, Tatjana Maria sowie die ambitionierte Eva Lys waren bereits in der ersten Runde ausgeschieden - allesamt gegen schlagbare Gegnerinnen. Siegemund, die in den vergangenen Jahren oft noch die Kohlen aus dem Feuer geholt hatte, konnte nur bei ihrem dramatischen Erstrundensieg über Ljudmila Samsonova überzeugen.
Aktuelle Lage ist düster
Beltz' Situationsanalyse am Donnerstag in Melbourne roch teilweise stark nach Durchhalteparolen. Er hoffe, so der 49-Jährige, "dass wir durch Arbeit und Training in den nächsten Wochen nach vorne kommen und dass es dann in Paris besser aussieht".
Ein besseres Abschneiden bei den French Open wäre in der Tat hilfreich, um den Druck ein bisschen zu verringern. Druck, den sich der Verband auch selbst auferlegt. Kürzlich erst stellte man das neue Strategiepapier "TennisDeutschland 2032" vor. Quintessenz: Durch das Verfolgen messbarer Ziele soll in naher Zukunft alles besser werden.
Der Blick auf die aktuelle Lage aber ist düster. Ein Jahrzehnt nach Kerbers Titel Down Under könnten die deutschen Frauen kaum weiter entfernt sein von derartigen Erfolgen. In den Top 20 der Weltrangliste fand sich seit 2022 (Kerber) keine deutsche Spielerin mehr wieder.
Vorbild Tschechien
Die Kielerin ist bekanntermaßen inzwischen zurückgetreten und wird in den kommenden Tagen lediglich für Legendenmatches auf dem Platz stehen. Eine Nachfolgerin kann auch sie nicht aus dem Hut zaubern.
Ihren großen Debüterfolg in Melbourne hat Kerber 2016 übrigens mit einem gewissen Torben Beltz an ihrer Seite eingefahren. Der entschied sich Ende 2024 dann bewusst dafür, künftig als Bundestrainer die Entwicklung bei den Frauen anzuschieben. Dafür blickt er auch über den Tellerrand hinaus.
In Tschechien etwa, wo seit mehr als einem Jahrzehnt zahlreiche talentierte Spielerinnen an die Weltspitze herangeführt werden, will sich Beltz gewisse Dinge abschauen. "Natürlich guckt man sich an, wie trainieren die - und versucht mit den Trainern in den Austausch zu gehen", sagte er: "Trotzdem glaube ich auch, dass wir in Deutschland ein hohes Level an Trainern und Einrichtungen haben. Die Mädels müssen weiter hart arbeiten und dann kommen die auch."
Ob er damit Recht behält, werden die kommenden Jahre zeigen. Zur Wahrheit gehört dieser Tage von Melbourne aber auch: Bei drei Vierteln der Männer lief es nicht viel besser. Auch Yannick Hanfmann, Jan-Lennard Struff und Daniel Altmaier sind schon nicht mehr dabei.
Alexander Zverev spielt am Freitag (nicht vor 8.30 Uhr MEZ/Eurosport) in der dritten Runde gegen den Briten Cameron Norrie. Und wie so oft ist es der ewige Anführer, der in den kommenden Tagen für einen Lichtblick sorgen soll - in recht dunklen deutschen Tenniszeiten.
Hier das Damen-Einzel-Tableau in Melbourne
