Trotz Trainer-Kontroverse: Rybakina will noch höher hinaus
Elena Rybakina hat nach ihrem beeindruckenden Titelgewinn bei den Australian Open nicht genug. Mit der Hilfe ihres umstrittenen Trainers will die Kasachin bald an die Spitze der Weltrangliste.
von SID
zuletzt bearbeitet:
01.02.2026, 11:18 Uhr

Elena Rybakina setzte ihr charmantestes Lächeln auf, dann gab sie dem mächtigen Silberpokal einen innigen Kuss. Am Tag nach ihrem Coup bei den Australian Open posierte die Kasachin im roten Kleid am Ufer des Yarra River und genoss den zweiten großen Triumph ihrer Karriere. "Das ist ein fantastischer Tag", sagte Rybakina vor der monumentalen Kulisse von Melbourne; die Strapazen eines langen Endspiels und einer kurzen Nacht überspielte sie gekonnt.
Lediglich drei Stunden Schlaf, gestand Rybakina, habe sie in einer langen Partynacht bekommen. Und irgendwie sei es "immer noch schwer zu glauben", dass sie sich in einem sehenswerten Finale ihren zweiten Grand-Slam-Titel gesichert habe. Die 26-Jährige triumphierte dank eiserner Nerven über die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka (6:4, 4:6, 6:4). Dabei liegen hinter Rybakina komplizierte Monate.
Im Herbst 2024 trennte sie sich von ihrem umstrittenen Trainer Stefano Vukov, an dessen Seite sie 2022 Wimbledon gewonnen hatte. Das Erfolgsgespann war unter Beobachtung geraten, die WTA ermittelte gegen den impulsiven Vukov und sperrte ihn sogar, weil er sich gegenüber Rybakina unangemessen verhalten haben soll. "The Athletic" berichtete damals von körperlichem sowie verbalem Missbrauch.
Doch Rybakina, die alle Vorwürfe gegen Vukov stets bestritt, holte den Kroaten Anfang 2025 zurück in ihr Team. Nach dem Titelgewinn bei den WTA-Finals im November - im Finale ebenfalls gegen Sabalenka - verweigerte sie aus Protest ein Foto mit WTA-Chefin Portia Archer.
In Melbourne fiel Vukov gelegentlich durch sehr intensives Coaching und strenge Worte in Richtung seiner Spielerin auf - Rybakinas Spiel aber schadete das offensichtlich nicht. Im Gegenteil. Mit Weltklassetennis marschierte sie durch das Turnier und legte im Angesicht des glänzenden Daphne Akhurst Memorial Cup sogar ihre übliche Zurückhaltung ab.
Der Karriere-Grand-Slam, der Triumph bei allen vier großen Turnieren, sei nun "natürlich das Ziel", sagte die gebürtige Russin im Fernsehinterview bei Channel 9: "Ich fokussiere mich auf alle Grand Slams". Zwei Titel, einer bei den French Open und einer bei den US Open, fehlen ihr noch. "Ich hoffe einfach, dass ich diesen Schwung mitnehmen kann, mit dem Team gute Arbeit leiste und das ganze Jahr über so weitermachen kann", sagte Rybakina.
Keine andere Spielerin hat seit Mitte des vergangenen Jahres mehr Matches gewonnen als Rybakina. Am Montag klettert sie durch ihren Coup in Melbourne auf Rang drei der Weltrangliste. Ist da vielleicht künftig sogar ein Sprung auf Platz eins im WTA-Ranking möglich? "Ich habe große Ziele", sagte Rybakina zuversichtlich: "Die Zeit wird es natürlich zeigen, aber wir werden auf jeden Fall weiter daran arbeiten." Wohl auch mit ihrem umstrittenen Coach.
