Australian Open: Wie im Zoo? Jetzt ist es aber auch genug

Die Dauerbeobachtung der Spieler und Spielerinnen bei den größten Turnieren schreitet immer weiter voran. Der Erkenntniswert durch die allgegenwärtigen Kameras tendiert dagegen gegen Null.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 29.01.2026, 13:09 Uhr

Auf dem Court hat Iga Swiatek nichts gegen aufmerksame Beobachter einzuwenden
© Getty Images
Auf dem Court hat Iga Swiatek nichts gegen aufmerksame Beobachter einzuwenden

Achtung, es wird nostalgisch: Zu Zeiten, da Boris Becker Wimbledon so richtig aufzumischen begann, Mitte der 1980er-Jahre also, haben wir Tennisfans von den Profis insgesamt genau Folgendes gesehen: In dem Moment, als Becker, Lendl, Cash, Edberg und Co. bereit zum Einmarsch waren, gab es den ersten Schnitt auf die Spieler. Dann wurden die Ballwechsel übertragen. Und am Finaltag auch noch die Siegerehrung. 

Bilder vom Training? TV-Interviews während eines Turniers unmittelbar nach den Matches? Das war damals eine Utopie. Dabei hätten wir Aficionados so gerne mehr gewusst von den Heroen und Heldinnen der Szene.  

Vier Jahrzehnte später weiß man derweil gar nicht, wie man die gesammelten Eindrücke von den Profi-Touren verarbeiten soll. Beinahe jeder Spitzenprofi inszeniert sich in den sozialen Medien (oder lässt sich von professionellen Helfern inszenieren), jeden Tag wird den Spielern irgendwo ein Mikrophon unter die Nase gehalten, in Wimbledon begleitet man die jeweiligen Champions nun durch das eigentlich heilige Clubhaus bis zum Balkon. Ach, ja: Und dann muss es natürlich auch noch diverse Dokumentationen auf Streaming-Portalen geben, die dann leider doch eher so semi ausfallen.  

Gauff als Aufreger

Und weil das offenbar immer noch nicht genug ist, werden die Profis nun eben auch im Backstage-Bereich von Kameras begleitet (man stelle sich vor, dass bei einem Konzert von Taylor Swift dem Publikum im Stadion auch Bilder aus der Garderobe von Swift präsentiert würden). Coco Gauff hat dies angesprochen, ein bisschen mehr Privatsphäre angemahnt, Unterstützung bekam die US-Amerikanerin mindestens von Iga Swiatek und Novak Djokovic. Swiatek verglich die Gemengelage mit einem Zoo - was sich auch beim Einmarsch von Jannik Sinner vor seinem Viertelfinalmatch gegen Ben Shelton gezeigt hat: Sinner wartet, bis er rein darf. Und hinter den Kulissen beobachten und filmen ihn Fans hinter einer Glasscheibe bei eben diesem Warten. 

Spannend. 

Natürlich gibt es keinen Weg zurück, zumal die großen Turniere ja keine Anstrengung unterlassen, um das junge Publikum anzusprechen. Und also sogenannte Influencer mit Zugang zu allen Bereichen ausstatten, damit diese in kleinen Schnipseln die hungrige Meute da draußen bei TikTok oder Instagram versorgen. 

In Wahrheit aber ist der Erkenntnis- und Unterhaltungswert ganz nah an Null. Carlos Alcaraz radelt nach einem Match aus. Alexander Zverev unterhält sich in den Katakomben mit einem Journalisten. So what? Dass Coco Gauff einen Schläger zerstört, ist dann schon einen Aufregen wert. In der guten, alten Zeit war dafür John McEnroe zuständig. Aber eben dort, wo die Wahrheit liegt: auf dem Platz.  


 

von Jens Huiber

Donnerstag
29.01.2026, 15:40 Uhr
zuletzt bearbeitet: 29.01.2026, 13:09 Uhr