Billie Jean King mit Bitte an Federer: „Du hast zwei Töchter – kämpf für Gleichheit!“
Im Nachgang zur Aufnahme von Roger Federer in die International Tennis Hall of Fame hat Billie Jean King dem Schweizer eine unbequeme Botschaft mitgegeben. Sie fordert von ihm mehr Einsatz rund um das Thema Gender Pay Gap.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
02.09.2026, 09:18 Uhr

Am vergangenen Wochenende wurde Roger Federer feierlich in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen. Auch Tennis-Ikone Billie Jean King saß im Publikum und nahm den Geehrten hinter den Kulissen ins Visier. Sie persönlich hätte sich von Federer mehr Einsatz für die Gleichstellung von Frauen im Tennissport gewünscht.
„Ich wünschte, er würde mehr für Gleichheit kämpfen“, meinte King. Immer wieder würde sie nämlich zu ihm sagen: „Roger, du hast zwei Jungs und zwei Mädchen! In eurem Haushalt seid ihr 3:3!“ Aber Federer habe ihrer Ansicht nach insgesamt zu selten den Willen gezeigt, mit einer klaren Position „das Boot zum Wackeln“ zu bringen.
Federer: Gleiches Preisgeld, aber nicht überall
Ganz fair wäre es allerdings nicht, Federer als Gegner des Equal-Pay-Gedankens darzustellen. Bereits 2016 sagte der Schweizer unmissverständlich: „Ich bin für gleiches Preisgeld.“ Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Geschichte und wirtschaftliche Struktur einzelner Turniere berücksichtigt werden müsse.
Auch 2019 äußerte sich Federer differenzierter. Nachdem Serena Williams männliche Spieler aufgefordert hatte, sich stärker für gleiches Preisgeld einzusetzen, erklärte er, dass seine eigenen Bemühungen um höhere Preisgelder auf der ATP-Tour letztlich auch dem Frauentennis zugutekämen. Zudem räumte er ein, dass die WTA-Tour Unterstützung gebrauchen könne.
Murray kämpfte, Federer blieb vorsichtig
Diese Zurückhaltung ist es, die King offenbar stört. Während Andy Murray etwa das Thema Gleichstellung seinerzeit sehr offensiv vertrat, vermied Federer während seiner Karriere meist eine eindeutige Konfrontation. 2012 wurde er etwa auf Aussagen von Gilles Simon angesprochen, Männer sollten mehr verdienen als Frauen. Federer wollte sich damals nicht auf eine Seite schlagen. Es sei letztlich eine Frage dessen, „wer was glaube“. Federer betonte später, er wolle nicht nur in Worten für Frauen eintreten und verwies dabei unter anderem auf seine Mutter, seine Frau, seine Schwester und seine beiden Töchter.
Grand-Slam-Preisgeld
Bei den vier Grand-Slam-Turnieren ist gleiches Preisgeld für Männer und Frauen mittlerweile längst Realität. Auch bei gemeinsamen WTA- und ATP-Turnieren wie in Indian Wells, Miami und Madrid werden Männer und Frauen inzwischen gleich bezahlt. Doch das Bild ist noch nicht überall einheitlich. Bei den Cincinnati Open etwa war das Gesamtpreisgeld des ATP-Turniers 2026 höher als jenes des WTA-Events. Auch in Rom bestehen weiterhin unterschiedliche Preisgeldstrukturen.
Historische Leistung
Einen wesentlichen Anteil an den positiven Entwicklungen trägt Billie Jean King. Die US-Amerikanerin war eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung der WTA und setzte 1973 durch, dass die US Open als erstes Grand-Slam-Turnier Männern und Frauen Preisgeld in gleicher Höhe auszahlten. Wimbledon zog erst 2007 nach – auch unter massivem Druck von Venus Williams.
Billie Jean Kiing zeigt sich jedenfalls überzeugt, dass Federers Stimme in dieser Diskussion großes Gewicht haben könnte.
