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Kritik zur Netflix-Serie "Break Point": Etwas Licht und sehr viel Schatten

Mit Hochspannung wurden die ersten Folgen von "Break Point" erwartet – die Netflix-Serie über die Stars der ATP und WTA. Aber lohnt sich das Format wirklich? Wir haben uns die ersten fünf Folgen angesehen und ein bisschen Licht, aber auch sehr viel Schatten entdeckt.

von Daniel Müksch
zuletzt bearbeitet: 17.01.2023, 18:50 Uhr

© Netflix

Die Erwartungen könnten kaum höher sein: Mit "Drive to Survive" haben US-Produzenten eine Serie über die Protagonisten der Formel 1 vorgelegt, die einer ganzer Sportart einen nicht für möglich gehaltenen Push verliehen hat – besonders in den USA und dort besonders für eine junge Zielgruppe. Nicht weniger als einen ähnlichen Push erhofft man sich auch von demselben Produzenten-Team und ihrer Tennis-Version "Break Point". Zu viel der Erwartungen? Nach den ersten fünf Folgen der Serie sind uns diese fünf Punkte besonders aufgefallen:

1. Die Big Player fehlen

Natürlich geht es im Zyklus eines Sports auch immer darum, neue Gesichter zu zeigen. Die Zukunft der Sportart aufzuzeigen, und nicht nur die bekannten Größen zum hundersten Mal abzufeiern. Dennoch: Dass von den drei lebenden Legenden Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal keiner aktiv in den ersten Folgen von "Break Point" mitwirkt, stört kolossal. Zu dominant, zu prägend sind diese Drei für das Tennis (gewesen) – jeder auf seine eigene Weise. Da ist es schlicht zu wenig, nur Einspieler aus Pressekonferenzen zu zeigen und Statements aus anderen TV-Interviews.

Und das fällt nicht nur bei den Herren negativ auf: Auch Iga Swiatek fehlt. Da "Break Point" sich auf die Saison 2022 fokussiert, ist auch ein Mitwirken der überragenden Spielerin dieses Jahres ehrlicherweise alternativlos. Vielleicht kann es die erste Staffel der Serie noch ein wenig retten, indem die Superstars im zweiten Teil der Staffel auftauchen. Dem Vernehmen nach ist das aber nicht der Fall. Bei "Drive to Survive" war es übrigens ähnlich. Auch Max Verstappen nahm am Anfang nicht an den Dreharbeiten teil. Er wurde "überzeugt", als der Erfolg der Serie in ungeahnte Höhen schoss. Das ist bei "Break Point" nach den ersten fünf Folgen nicht zu erwarten.

2. Nur die weiblichen Geschichten zünden

Wenn man sich nicht mit den Top-Stars rühmen kann, sollten die Geschichten der anderen Protagonisten wenigstens überzeugen. Gerade bei den Männern ist das aber nicht der Fall. Taylor Fritz, Casper Ruud, Matteo Berrettini, Felix Auger-Aliassime: alle drei Spieler gewähren nette Einblicke in ihre Karriere, fesseln können sie aber nicht. Es bleibt bei nett. Nick Kyrgios ist in Folge eins etwas unterhaltsamer, allein schon durch seinen Charakter. Aber auch hier wurde das Potential nicht ausgeschöpft. Bei den Frauen fällt das erste Fazit positiver aus. Die intimen Einblicke in die Depressionen von Paula Badosa und der Weg von Ons Jabeur sind sehr interessant und die Highlights der ersten fünf Folgen. Klar, auch ihre Schicksale hat man schon mal aufgeschnappt, aber so emotional wurden beide Perspektiven bisher kaum erzählt.

3. Zu lange zeitliche Sprünge

Ein großes Problem ist die Zeit, die zwischen den Dreharbeiten und der Ausstrahlung liegt. In Folge zwei wird beispielsweise die Beziehung zwischen Matteo Berrettini und Ajla Tomljanovic in den Fokus gerückt. Durchaus spannend, wie man das Leben als Paar und das Leben als Tennis-Profi miteinander verbindet. Nur: Die beiden sind bereits seit über einem halben Jahr getrennt. Natürlich kann man nicht auf alle aktuellen Ereignisse in so einer Dokumentation reagieren. Aber mit so einer langen Vorlaufzeit wäre wenigstens eine Erwähnung der Entwicklung wünschenswert.

4. Der Tennis-Fan ist den Machern fast egal

Wen die Macher mit der Serie erreichen wollen, steht nach den ersten fünf Folgen außer Frage: NEUE Tennis-Fans. Sie sollen mit neuen Stars und neuen Storylines für den Sport gewonnen werden. Das will man den Machern auch gar nicht vorwerfen, nur: damit werden sie keine Euphorie bei bereits bestehenden Fans auslösen. Wer die Nachrichten der Tour und den Stars bei Social Media folgt, wird kaum Neues in der Serie erfahren.

5. Komische Gewichtung der Themen

Dieser Punkt schließt sich nahtlos an Punkt vier an. Hat man die Saison 2022 verfolgt, stutzt man schon ordentlich, wenn der Eklat um Novak Djokovic um die Australian Open 2022 in aller Kürze abgehandelt wird. Am seltsamsten wirkt die Themengewichtung in der letzten Folge, in der die French Open 2022 Thema sind und unter anderem der Weg von Casper Ruud beleuchtet wird. Logischerweise steht der Norweger im Mittelpunkt, aber das Viertelfinale zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic wird mit keinem Satz erwähnt, fraglos das beste Match des Turniers. So bleibt auch der Eindruck hängen: Die eigene Agenda ist wichtiger als eine objektive Darstellung. So kann man ein solches Projekt natürlich angehen, man muss dann aber aktzeptieren, dass diese Serie bei (schon vorhandenen) Tennis-Fans einen schweren Stand haben wird.

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