Bye, bye, Hopman Cup - Das Ende eines einzigartigen Formats

Gerade als der Hopman Cup zu einer neuen Blüte gekommen ist, wird der einzigartige Wettbewerb ab dem kommenden Jahr wohl aus dem Tenniskalender fallen.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 06.01.2019, 10:52 Uhr

Roger Federer und Belinda Bencic - Die letzten Sieger beim Hopman Cup?
© Jürgen Hasenkopf
Roger Federer und Belinda Bencic

Roger Federer ist nicht nur ein höflicher Mensch mit Gentlemen-Manieren. Er ist auch noch der größte Diplomat, der sich unter der Tennis-Sonne finden lässt. Und so verhüllte der Schweizer Maestro, soeben wieder zum Hopman Cup-Champion mit seiner Partnerin Belinda Bencic gekürt, die eigentlich bittere Wahrheit zur Turnierzukunft auf dem Centre Court  in netten Allgemeinplätzen: „Perth ist eine Traumstadt, die großes Tennis verdient. Ich wünsche mir ein Wiedersehen“, sagte Federer, „dies hier wird nicht das Ende sein.“

Die Frage aber ist: Wie geht es weiter in Perth, ausgerechnet nach einem spektakulären Turnier mit dem spannungsreichsten Finale überhaupt? Nach diesem mitreißenden Endspiel-Krimi, in dem das deutsche Topduo Angelique Kerber/Alexander Zverev den allerletzten Punkt im entscheidenden Mixed-Doppel verlor und zum zweiten Mal hintereinander auf Platz zwei hinter der Schweiz landete? Vom Glanz und der Wirkungskraft dieses Centre Court-Thrillers wird man im Westen Australiens künftig nur noch träumen können, vorausgesetzt, der Hopman Cup hätte überhaupt noch eine Zukunft. Denn genau das ist alles andere als sicher, gerade jetzt, da die inoffizielle Mixed-WM der gemischten Pärchen einen neuen Boom, eine neue Blütezeit erlebt. 

Heillos zerstritten wie selten

Das Profitennis war schon immer eine seltsame Welt mit viel zu vielen Machtzentren, mit Verbänden, Organisationen und Unternehmen, die nebeneinander oder gegeneinander regierten. Doch so heillos zerstritten und konfus wie zum Jahresstart 2019 präsentierten sich der Sport und seine Entscheidungsträger noch selten, vielleicht auch noch nie. „Es ist völlig verrückt, was im Moment passiert“, sagt die langjährige deutsche Fed Cup-Kapitänin Barbara Rittner, „die Leute schaffen es nicht, sich einmal gemeinsam an einen Tisch zu setzen und eine vernünftige Turnierlandschaft zu entwerfen.“ 

Ein Opfer dieser alten, neuen Kleinstaaterei und, ganz nebenbei, auch der modernen Geldgier dürfte der Hopman Cup werden, ein Format, das in den 80er Jahren der geniale Impresario Paul McNamee ins Leben gerufen hatte. Nie war das Turnier ein sogenanntes offizielles Turnier, mit Weltranglisten-Punkten und amtlichen Würden. Aber er zog die Topspieler genau so wie die Zuschauer an, mit dem unverwechselbaren Mixed-Modus und der Chance, sanft ins neue Tennisjahr hineinzugleiten. Fast alle großen Namen waren in den letzten 30 Jahren da, auch Boris Becker und Steffi Graf in den 90ern, auch fast alle Spitzenkräfte dieser Epoche – Federer, Novak Djokovic, Andy Murray, Serena Williams, Venus Williams. „Es war ein großes Vergnügen, dort zu spielen. Und es wäre jammerschade, wenn das Turnier nicht weitergeführt würde“, sagte Becker, der am Wochenende Gast bei einem Internationalen Trainerkongress in Berlin war.

Kein Platz für den Hopman Cup

Aber Hoffnungen und Wünsche zählen nicht viel. Längst hat sich eine neue, chaotische Weltordnung im Tennis herausgebildet. Und zu diesem Wirrwarr gehört die Zerstörung des Davis Cup, wie ihn alle kannten, stattdessen gibt es ja nun ein Davis-Cup-Finalturnier der Länder zu spät in der Saison, im November nach der ATP-WM. Und dazu gehört auch der ATP Cup der Herren gleich zum Saisonanfang 2020, ein weiterer Nationenwettbewerb in der Tradition des World Team Cup von Düsseldorf. Es ist eine seltsame, unkoordinierte Dramaturgie, die niemand braucht, außer jenen, die daran kräftig verdienen. 

Für den Hopman Cup ist in dieser Landschaft faktisch kein Platz mehr, denn ohne die besten Herrenspieler, die beim ATP Cup ihrer eigenen Profigewerkschaft antreten werden, hätte das Ganze keinen wirklichen Sinn mehr. Zynisch genug, dass der australische Tennisverband, der sich auch am ATP Cup beteiligt, nun darauf verweist, dass es noch gültige Verträge für den Hopman Cup bis zum Jahr 2022 gibt, Verträge, unter denen auch die Unterschrift von Tennis Australia steht. Es ist eine Unterschrift, die nicht mehr die Tinte wert ist.

Das Schlussbild des Jahres 2019, die launigen Reden von Federer und Zverev bei den offiziellen Zeremonien, die Rekordkulisse von 14.000 Zuschauern – all dies wird auch ein Schluß-Punkt sein. Womöglich wird Spitzentennis auch in Zukunft in Perth gespielt, als einem der Austragungsorte des ATP Cup. Aber der Hopman Cup und sein einzigartiges Format sind wohl Geschichte. 

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von Jörg Allmeroth

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zuletzt bearbeitet: 06.01.2019, 10:52 Uhr

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