Hopman Cup - Kein Platz mehr für die gemischten Pärchen

Die Chance, dass die Schweiz auch 2020 den Hopman Cup gewinnen wird, ist äußerst klen. Dem Wettbewerb in Perth droht das Aus.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 05.01.2019, 17:24 Uhr

So sehen Hopman-Cup-Sieger aus: Roger Federer, Belinda Bencic
© Getty Images
Roger Federer, Belinda Bencic

Perth. Am Ende entschied wieder die Spezialdisziplin, die den besonderen und unverwechselbaren Reiz des Hopman Cup ausmacht – das Mixed, das Doppel der gemischten Pärchen. Und am Ende waren es auch wieder und noch einmal Belinda Bencic und Roger Federer aus der Schweiz, die dem deutschen Duo Angelique Kerber/Alexander Zverev den Spaß und den Sieg in der westaustralischen Millionenmetropole verdarben. Mit dem allerletzten, unglücklich verlorenen Punkt in einem verkürzten Tiebreak marschierten die Wimbledonsiegerin und der ATP-Weltmeister 0:4, 4:1, 3:4 (4:5) geschlagen vom Centre Court der RAC Arena, es war beinahe wie ein Zeitsprung zum Endspiel der Vorsaison, in dem alles fast deckungsgleich so verlaufen war wie an diesem 5. Januar 2019.

Zverev verlor erneut das Einzel gegen Federer, nun mit 4:6 und 2:6. Kerber gewann erneut ihr Einzel gegen Bencic, glich mit dem 6:4, 7:6 (8:6) zum 1:1 nach den Soloauftritten aus. Und dann war es erneut das Mixed, in dem Bencic/Federer sich den Titel sicherten, die inoffizielle WM in diesem spannungsgeladenen Teamwettbewerb. „Es ist schon bitter, dass wir den Titel so knapp verpaßt haben. Knapper geht´s ja gar nicht“, sagte Kerber nach dem tatsächlichen Schluss-Punkt unter die 2019er-Auflage des Hopman Cup in Perth.

Dramatische Zuspitzung des Geschehens

Der außergewöhnliche Modus im abschließenden Mixed sorgte für eine nie erlebte dramatische Zuspitzung des Geschehens, denn beim 4:4-Gleichstand im dritten Tiebreak-Satz gab der nächste gespielte Punkt den Ausschlag, anders als bei den Tennisregularien auf der sonstigen Tour, wo mindestens zwei Punkte Differenz zum Sieg benötigt werden. Mit einem nicht mehr returnierbaren Volley machte Bencic dabei den Schweizer Triumph in einem unterhaltsamen Mixed-Doppel perfekt. Währenddessen erreichte Julia Görges beim WTA-Wettbewerb in Auckland das Finale, sie kann am Sonntag gegen die 18-jährige Kanadierin Bianca Andreescu ihren Titel erfolgreich verteidigen.

Mit einer großen Energieleistung hatten sich Kerber und Zverev in diesem dritten Satz noch einmal herangekämpft und sich die Chance eröffnet, den ersten deutschen Titel seit 1995 in Perth zu gewinnen – damals siegten Boris Becker und Anke Huber. Nach einem 1:3-Rückstand im dritten, entscheidenden Tiebreak-Akt gelang dem deutschen Duo sogar ein Aufschlagbreak gegen Federer zum 3:3. Doch mit den beiden Schweizern gewann zuletzt das etwas besser harmonierende Pärchen, das sich besser abstimmte und gleichermaßen Verantwortung übernahm.

Zverev mitunter überehrgeizig

Bei den Deutschen wirkte ATP-Champion Zverev mitunter überehrgeizig, vielleicht auch bemüht, sich unbedingt für die Einzelniederlage gegen Federer revanchieren zu wollen. „Es ist hart, so zu verlieren. Wir haben beide das Allerletzte gegeben, absolut alles versucht“, sagte Zverev. Kerber ging in den Einzeln ungeschlagen aus dem Wettbewerb, sie tritt nächste Woche beim WTA-Turnier in Sydney an. Zverev spielt kein offizielles Turnier mehr vor den Australian Open.

Nicht nur die übliche Frage nach dem Titelpärchen beschäftigte allerdings diesen Hopman Cup 2019. Es ging auch um eine noch viel größere, eher drohende Frage, nämlich die nach der Zukunft dieses Wettbewerbs, den Ende der 80er Jahre an vorderster Front der ehemalige australische Weltklasse-Doppelspieler Paul McNamee begründet hatte. In der schönen neuen, verwirrenden Welt des Profitennis ist eigentlich kein Platz mehr da für das Treffen der gemischten Pärchen, ausgerechnet jetzt, da der Wettbewerb mit Megastars wie Federer und Serena Williams und hochkarätig besetzten Teams wie den deutschen Abgesandten Kerber und Zverev eine neue Blütezeit erlebt hatte.

„Ich hoffe, dass der Hopman Cup auch weiterhin seinen Platz im Kalender hat“, sagte Federer während seines Engagements in diesem Jahr und auch in seiner Ansprache nach dem Titelgewinn, doch es war eine diplomatische Note, eine Höflichkeitsadresse an seine Gastgeber.

Rittner enttäuscht und frustriert

Seit die Spielerorganisation der Herren, die ATP, gemeinsam mit dem australischen Tennisverband den sogenannten ATP-Cup endgültig ins Leben gerufen hat – nach diversen Winkelzügen und taktischen Manövern -, gibt es in der ersten Turnierwoche der Saison nur noch theoretisch die Möglichkeit, auch weiterhin die inoffizielle Mixed-WM auszutragen. Allerdings würden die großen, anziehenden, publikumsstarken Herrenspieler fehlen, auch Federer, sie wären beim ATP-Cup beschäftigt – einem Mannschaftswettbewerb nach dem Vorbild des einst in Düsseldorf ausgetragenen World Team Cup. Perth übrigens, die Millionenmetropole am Indischen Ozean, hat sich auch als Austragungsort für diesen ATP-Cup beworben.

So wird die Tennissaison künftig mit einem Mannschaftswettbewerb enden, mit dem neuen, höchst umstrittenen Davis Cup-Finalturnier (2019 in Madrid). Und sie wird dann mit dem ATP-Cup beginnen, ohne dass es für die Frauen einen Ersatz oder auch nur einen alternativen Vorschlag gäbe. Barbara Rittner, die ehemalige Fed Cup-Chefin des Deutschen Tennis Bund, machte in Berlin während eines Trainer-Kongresses aus ihrem Herzen keine Mördergrube, sie sagte zu den jüngsten Entwicklungen im Welttennis dies: „Es ist traurig und deprimierend, dass sich die großen Organisationen im Tennis offenbar nicht zusammensetzen können, um einen vernünftigen Vorschlag für Herren und Frauen zu entwickeln, einen gemeinsamen Wettbewerb zum Jahresstart.“

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