Coco Gauff verwirft Titelverteidigung: "Bin nicht Nadal"
Coco Gauff ist mit einem neuen Mindset in Paris angekommen. Anstatt krampfhaft ihren Titel vom Vorjahr verteidigen zu wollen, versucht die US-Amerikanerin den Ball flach zu halten.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
20.05.2026, 19:14 Uhr

Die Erinnerungen an ihre missglückte Titelverteidigung bei den US Open 2024 sitzen bei Gauff noch tief. Damals zerbrach die Amerikanerin förmlich am eigenen Anspruch. Sie produzierte in ihrer Achtelfinal-Niederlage ganze 19 Doppelfehler und wirkte mental blockiert.
Vor Roland Garros 2026 klingt sie nun deutlich reflektierter. „Verteidigen“ bedeute im Tennis eigentlich nichts, erklärte Gauff in Rom. Schließlich starte jeder Spieler jede Woche wieder bei null. Den Vergleich mit Rafael Nadal findet Gauff unpassend. Denn von Nadals unglaublichem Rekord bei den French Open abgesehen, könnten selbst Legenden nicht jedes Jahr denselben Titel holen.
Der Aufschlag als Waffe
Den vielleicht größten Unterschied zu früher macht Gauff aktuell im Service aus. Über Jahre galt Gauffs Aufschlag als eine ihrer größten Baustellen im Spiel. In Rom zeigte sie nun phasenweise die stabilsten Serviceleistungen ihrer Karriere.
Vor allem die deutlich höhere Quote beim ersten Aufschlag fiel auf. Technisch habe sie den Ballwurf stabilisiert und vor allem ihr Timing verbessert. Genau dieses Selbstverständnis habe ihr in den vergangenen Jahren häufig in engen Momenten gefehlt, gibt Gauff zu.
Die Konkurrenz schläft nicht
Das Feld in Paris wirkt offener als lange zuvor. Aryna Sabalenka dominiert zwar weiterhin auf Hartplatz, wirkte auf Sand aber zuletzt verwundbar und kämpfte in Rom zusätzlich mit Rückenproblemen. Elena Rybakina sucht auf Sand weiterhin nach Konstanz, während Iga Swiatek unter Neo-Coach Francisco Roig ihr Spiel noch neu austariert.
Dazu kommen Namen wie Elina Svitolina, Marta Kostyuk oder Shootingstar Mirra Andreeva, die alle gefährlich werden können. Genau deshalb gilt Paris bei den Damen diesmal als eines der unberechenbarsten Grand Slams der letzten Jahre.
Ist Gelassenheit Gauffs größte Stärke?
Vielleicht kann Gauff ja ausgerechnet aus ihrer Gelassenheit Profit schlagen. Während viele Konkurrentinnen Punkte, Erwartungen oder Comebacks mit sich herumschleppen, wirkt die Titelverteidigerin ungewohnt entspannt. Sie zeigt nach außen keine Panik, keinen Druck. Echte Champions wissen eben, dass ein Grand-Slam-Titel nicht dadurch gewonnen wird, dass man Angst hat, ihn zu verlieren.
