Daniel Altmaier im Interview: "Ein Fazit lohnt sich erst nach Roland-Garros"

Die Saison 2026 ist für Daniel Altmaier bislang nicht nach Wunsch verlaufen. Im Interview während des Challengers in Valencia gibt sich der deutsche Davis-Cup-Spieler dennoch zuversichtlich.

von Florian Heer
zuletzt bearbeitet: 14.05.2026, 06:38 Uhr

Daniel Altmaier in Valencia
© Florian Heer
Daniel Altmaier in Valencia

Währen das ATP Masters 1000 in Rom in die heiße Phase geht, findet in dieser Woche im spanischen Valencia die Copa Faulconbridge statt. Das Turnier ist Teil der ATP Challenger 175 Serie und bietet auch Gelegenheit für Spieler, die in der ewigen Stadt früher ausgeschieden sind, noch vor Roland-Garros Matchpraxis zu sammeln. 

Einer von ihnen ist Daniel Altmaier. Der 27-jährige Deutsche ist hier an Nummer fünf gesetzt und gehört zu einem der Anwärter auf den Titelgewinn. In der ersten Runde hat Altmaier den Grundstein gelegt und am Mittwochnachmittag seinen Landsmann und Qualifikanten Henri Squire mit 6:3, 6:3 in knapp einer Stunde und 30 Minuten besiegt. Im Anschluss haben wir uns mit ihm zum Interview verabredet. 

Tennisnet: Glückwunsch! Zweisatz-Erfolg gegen Henri Squire. Wie war es heute auf dem Platz? 

Es war eine schwere Partie. Henri kam aus der Qualifikation und hat zuvor ein enges Match gewonnen. Man hat gemerkt, dass er heute ohne Druck frei aufspielen konnte und nichts zu verlieren hatte. Von meiner Seite war es ein solides Match. Ich habe in den schweren Momenten gut gegen gehalten und die Breaks im richtigen Moment gemacht.  

Du bereitest dich auf deine Gegner akribisch vor. Heute war das euer erstes Duell auf der Tour. Wie war deine Herangehensweise? 

Ich habe mir eine Auswahl seiner bestes Matches angesehen, um zu sehen, was er an guten Tagen macht. So ähnlich hat er auch heute gespielt. Ich wusste somit, was auf mich zukommt.  

Du kommst aus Rom, wo du in der zweiten Runde Alexander Zverev unterlegen bist. Wie fällt mit ein bisschen Abstand das Fazit zu dem Match aus? 

Ich habe Chancen liegengelassen. Es war deutlich mehr drin. Ich hatte Möglichkeiten zum Break und es war unnötig den ersten Satz frühzeitig zu verlieren. In einem Tie-Break hätte das vielleicht auch anders aussehen können. Deshalb habe ich auch gemeinsam mit meinem Team entschieden hierher zu kommen, um an einigen Feinheiten zu arbeiten. Es ist heutzutage nicht einfach Selbstvertrauen aufzubauen. Dies muss über Matches geschehen und deshalb sind wir diese Woche in Valencia.  

Das Turnier ist Teil der Challenger 175-Serie, die seit letztem Jahr in der zweiten Runde der zweiwöchigen Masters 1000 Events ausgetragen werden. Haben diese Turniere bereits einen Mehrwert für euch? 

In dieser Turnierserie gibt es viele Punkte zu ergattern. Wenn man sich den Titel hier holt, entspricht das fast einem Viertelfinale bei einem Masters 1000 Event. Allerdings holt natürlich nur einer die vollen Weltranglistenpunkte. Aber ab Halbfinale fängt man bereits richtig an zu punkten. Es geht allerdings hauptsächlich um die Matchpraxis. Wenn man in Indian Wells oder Miami früh ausgeschieden ist, muss man sonst fast zwei Wochen auf ein nächstes Turnier warten.  

Wir steuern schon auf das Ende der ersten Saisonhälfte zu. Wie fällt ein erstes Fazit aus? 

Für mich ist die Hälfte erst nach Roland-Garros. Dann lohnt sich ein Fazit. Ich habe auf Sand die Matches gewonnen, die ich brauchte, um wieder Selbstvertrauen zu sammeln. Die ersten drei Monate liefen nicht gut. Das kann passieren, habe aber auch weitergearbeitet und jetzt kriege ich wieder meine Chancen.  

Du arbeitest bekanntlich in Südamerika. Was sind die großen Unterschiede bezüglich der Tenniskultur zwischen dort und in Europa? 

Die Südamerikaner sind physisch fitter und weniger verletzungsanfällig. Das gibt dir die Möglichkeit 11 Monate auf höchsten Level Tennis zu spielen. Dazu wird einem dort das Leben – was die strategische Seite betrifft - einfacher gemacht.  

Es gibt inzwischen wieder viele junge Spieler aus unterschiedlichen lateinamerikanischen Ländern auf der Tour. Merkt man dort auch eine gewisse Tenniseuphorie? 

Um in die Top 200 zu kommen, müssen diese Spieler heute nicht mehr viel reisen. Das ist der große Unterschied. Die können 30 Challenger im Jahr spielen, ohne nach Europa kommen zu müssen und den Belag zu wechseln. Daher auch diese Entwicklung. In Deutschland sieht das ein wenig anders aus.  

Dein Spanisch hat sich exzellent entwickelt. Sprichst du einen gewissen Slang oder ist es das klassische kastilisch? 

Ich habe tagtäglich durch die Arbeit mit meinen Trainern, aber natürlich auch mit meiner Frau, damit zu tun. Viele sagen ich habe einen argentinischen Einschlag. Wenn ich in Mexiko bin, passe ich es vielleicht auch etwas dahingehend an. Insgesamt ist es wohl eher südamerikanisches Spanisch.  

Bist du zum ersten Mal in Valencia? 

Ja, tatsächlich. Es ist eine angenehme Stadt. Wir waren bereits zum Abendessen unterwegs und es macht alles einen sehr schönen Eindruck. Dazu spielen wir in einem traditionellen und schönen Club. Die Routinen sind aber am Ende gleich.  

Wie sieht der Fahrplan nach Paris aus? 

Stuttgart, Halle und Eastbourne werde ich dieses Jahr auf Rasen spielen. Letztes Jahr war ich noch auf Mallorca, aber ich möchte mir die Woche offenlassen und wenn ich spielen werden, möchte ich bereits in England sein. Das ist vor allem klimatechnisch wichtig. Ich werde daher bereits vor der Woche in Eastbourne mir das Haus für Wimbledon mieten. Ich möchte mir die Rasensaison in diesem Jahr intensiv anschauen. Es ist auch in Planung mit jemanden über die Rasensaison als Probe zusammenzuarbeiten. Darauf freue ich mich bereits. 

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg.

von Florian Heer

Donnerstag
14.05.2026, 11:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 14.05.2026, 06:38 Uhr