Danke, "Sir Andy"! War es das allerletzte Match von Murray?

Es war eine magische australische Sommernacht. Eine jener Nächte, in denen Geschichte geschrieben wird. 

von Ulrike Weinrich aus Melbourne
zuletzt bearbeitet: 14.01.2019, 15:02 Uhr

Andy Murray verabschiedete sich nach einem hochemotionalen Match aus Melbourne
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Andy Murray verabschiedete sich nach einem hochemotionalen Match aus Melbourne

In der Box der Melbourne Arena, die in den über vier Stunden zuvor zum Hexenkessel geworden war, hatte Judy Murray ihr Smartphone gezückt und hielt die besonderen Momente fest. Die zierliche Frau mit den kurzen, blonden Haaren hatte Tränen in den Augen.

"Wenn das mein letztes Match war, dann war es ein tolles Ende"

So wie etliche andere im weiten Runden. Im Hintergrund tönte der Queen-Hit "We are the Champions" aus den Lautsprechern, der die Zeile "And we'll keep on fighting till the end" enthält. Wie passend!

Unten auf dem Court sprach ihr Sohnemann Andy Murray die Worte, die bei vielen Augenzeugen Gänsehaut auslöste. "Wenn das mein letztes Match war, dann war es ein tolles Ende. Die Atmosphäre war unglaublich", sagte der dreimalige Grand-Slam-Champion nach dem 4:6, 4:6, 7:6 (5), 7:6 (4), 2:6  in der ersten Runde der Australian Open gegen Roberto Bautista Agut.

Bautista Agut: Und noch einer, der Bambi erschoss

Dem an Position 22 gesetzten Spanier blieb in einem denkwürdigen Akt nur die undankbare Rolle des "Königsmörders". Quasi wieder einer, der Bambi erschoss.

Die Zuschauer jedenfalls feierten Murray vom ersten Ball an. Ihren Andy, der nur wenige Tage zuvor bekannt gegeben hatte, dass er seine Karriere wegen anhaltender Hüftprobleme spätestens in Wimbledon beenden werde. Vielleicht aber auch schon früher - möglicherweise sogar in Melbourne.

Nach seinem K.o. wollte sich die frühere Nummer eins der Welt diesbezüglich nicht festnageln lassen. Demnächst steht wieder eine umfangreiche Hüft-OP an. Eine kleine Option für eine Rückkehr ließ Murray sogar offen:

"Vielleicht sehe ich euch sogar alle wieder. Wenn ich noch mal zurückkommen wollte, wäre jedoch eine große Operation notwendig, und man wüsste dennoch nicht, ob das reichen würde", sagte er beim On-Court-Interview, das eigentlich nur den Gewinnern vorbehalten ist.

Aber Murray war auch als vermeintlicher Verlierer dieser Partie ein Sieger. Und das Happy End schien trotz eines 0:2-Satzrückstandes möglich. Dabei hatte man sehen können, wie sehr der Schotte mit dem trockenen Humor inzwischen gehandicapt ist.

Murray beim Aufwärmen: Das Leiden ist sichtbar

Der immer schon unrunde Gang gleicht inzwischen einer einzigen Schonhaltung. Als sich Murray vor dem Match in den Katakomben warm machte und eine Kamera die Bilder ins Medienzentrum übertrug, konnte man fast Mitleid bekommen.

Die Dehnübungen im Hüftbereich jedenfalls wirken extrem statisch. Auf dem Platz allerdings kämpfte sich der zweimalige Wimbledonsieger, derzeit nur noch die Nummer 229 der Welt, noch einmal in die Zone. Immer wieder feuerte er sich an: "Come on", zeigte die Faust und pushte die Zuschauer. Selten war der "Highlander" so emotional. 

"Den Respekt der anderen zu haben, das ist das wichtigste, was es gibt"

Und das an einem Ort, an dem Murray in den vergangenen oft gelitten hatte. Fünf Finals hatte er im Melbourne Park zwischen 2010 und 2016 verloren.

Dass es für das scheidende Mitglied der "Big 4"-Epoche am Montagabend nicht zum Sieg reichte, hatte letztlich kaum mehr eine Bedeutung.

Als nach dem Match Video-Botschaften langjähriger Begleiter auf der Stadionleinwand eingespielt wurden, konnte und wollte Murray seine Rührung kaum verbergen. Auch so ein Verdienst der vorbildlichen Erziehung von Mutter Judy. 

"Den Respekt der anderen zu haben, das ist das wichtigste, was es gibt", sagte "Sir Andy. "Ich bin dein größter Fan", hatte Roger Federer zuvor zum Besten gegeben. Rafael Nadal meinte: "Ich bin sehr traurig, dass du diese Entscheidung treffen musstest." 

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von Ulrike Weinrich aus Melbourne

Montag
14.01.2019, 15:25 Uhr
zuletzt bearbeitet: 14.01.2019, 15:02 Uhr

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