Davis Cup: Freudentränen bei Dennis Novak - sattes Preisgeld für den ÖTV

Das österreichische Davis-Cup-Team hat beim zweiten Versuch erstmals die Qualifikation zum Finalturnier in Madrid geschafft. Dennis Novak führte das ÖTV-Team als Einzel-Nummer-Eins an, hielt dem Druck stand und bestätigte seinen starken Saisonbeginn auf der ATP-Tour auch im Davis Cup. Jurij Rodionov gab eine Talentprobe ab, Jürgen Melzer und Oliver Marach sorgten für einen Arbeitssieg. Und Kapitän Stefan Koubek jubelt erstmals über einen Sieg in der „Weltgruppe“.

von Lukas Zahrer
zuletzt bearbeitet: 08.03.2020, 09:01 Uhr

Am Ende flossen die Tränen. Dennis Novak stand in der Platzmitte, mit der linken Fußsohle berührte er die Grundlinie, während sein Gegner, zurückgedrängt vom Offensivspiel des Österreichers, nur reagieren konnte. Novak setzte zur Vorhand an, es sollte der letzte Schlag im Länderduell der Steiermarkhalle mit Uruguay werden. Seine Vorhand landete exakt im Kreuzeck des rechten Service-Feldes. Pablo Cuevas war geschlagen.

Novak wandte sich zur österreichischen Betreuerbank, streckte beide Arme aus, ging in die Knie, ehe ihn seine Emotionen überkamen. Er ließ den Schläger zu Boden und sein Gesicht in beide Hände fallen, bis ihn ein euphorisierter Jürgen Melzer mit hohem Tempo und einer innigen Umarmung einige Meter zurückdrängte. 

Es war an jener Schulter des mittlerweile 38-Jährigen, auf der Novak seine erste von mehreren Tränen verdrückte. Der gebürtige Wiener Neustädter war als Leader in die Qualifikationsrunde für die Davis-Cup-Finals gegangen, seine Rolle füllte er mit zwei Siegen im Einzel vollends aus.

„Es gab noch nie so einen emotionalen Moment in meiner Karriere. Sonst wären mir auch nicht die Tränen gekommen zum Schluss“, sagte Novak mit etwas Abstand zur Partie bei der abschließenden Pressekonferenz. Gezeichnet von seinen Emotionen entschuldigte er sich direkt im Anschluss an sein zweites Einzel am späten Samstagnachmittag bei den Zuschauern am Schwarzlsee für seine fehlenden Worte, exakt 40 Minuten nach Matchende war er deutlich redseliger.

Dennis Novak: Mental-Trick half beim Ausservieren

„Es war eine super Woche. Ich bin echt froh, in solch einer Mannschaft zu sein, in der jeder für jeden alles gibt. Ich kann mir nur bei jedem bedanken für die super Arbeit. Dass wir Madrid geschafft haben war überwältigend“, freute sich Novak. 

Den ersten Satz gegen Cuevas gab er noch mit 2:6 ab, vor allem weil Novak selbst „sehr angespannt“ war und der Uruguayer „unangenehm“ spielte. „Nicht so, wie ich ihn erwartet habe“, meinte Novak und merkte eine taktisch andere, offensivere Herangehensweise seines Gegners im Vergleich zu dessen Match gegen Jurij Rodionov am Freitag an.

Im dritten Satz trickste Novak sich selbst mental aus, „um mir den Druck zu nehmen“, indem er sich beim letzten Seitenwechsel des Matches einen Spielstand von 4:3 einredete, obwohl er mit 5:4 führte und auf den Länderkampf-Triumph servierte.

Auch wenn es Novak war, der für den entscheidenden dritten Zähler sorgte, stufte die aktuelle Nummer 85 im ATP-Ranking den Sieg als Teamerfolg ein. „Ich muss mich bei Jurij, Oli und Jürgen bedanken. Die haben ihn gut bearbeitet, am Schluss war er nicht mehr der Frischeste“, wies Novak auf die vorangegangenen Matches in Premstätten hin, bei denen Cuevas insgesamt vier Stunden und 57 Minuten auf dem Platz verbrachte.

Stefan Koubek: "Darf am Erfolg mitnaschen"

„An diesen zwei Tagen habe ich einige Nerven liegen lassen“ merkte Kapitän Stefan Koubek in seinem Schlussstatement an. „Dennis hat verdient gewonnen, einfach genial.“

Für Koubek bedeutete der Sieg in Premstätten die Erfüllung eines laut eigenen Aussagen über viele Jahre gehegten Traumes. „Für mich persönlich war es ein Riesenziel, in der Weltgruppe ein Match zu gewinnen. Als Aktiver habe ich es nie geschafft. Die Jungs haben es für mich übernommen, ich darf am Erfolg mitnaschen als Captain. Darauf bin ich auch stolz.“

Und weiter: „Die Woche war genial. Wir haben einen riesigen Spaß, sie halten alle zusammen. Ich bin richtig stolz auf die Mannschaft. Madrid haben sie sich verdient. Ich freue mich, dass ich mit ihnen dort hinfahren kann.“

Von 23. bis 29. November 2020 finden in Madrid zum zweiten Mal die sogenannten Davis Cup Finals statt. 18 Mannschaften sind qualifiziert, gespielt wird in sechs Dreiergruppen. Bereits am kommenden Donnerstag erfolgt um 17 Uhr die Auslosung in London.

Der ÖTV-Davis-Cup-Kapitän hofft auf ein mildes Los. „Spanien wünscht man sich nicht. Serbien auch nicht. Im Finale vielleicht“, sagte er. „Wir sind froh, dass wir dabei sind. Darum geht es.“

Davis Cup Finals für ÖTV & Spieler "lukrativ"

Das Ticket für Madrid hat auch einen finanziellen Mehrwert. Für den Sieg im Qualifikationsduell bekommt der ÖTV ein Preisgeld in Höhe von 130.000 Euro. Im November kommt für das Antreten in der Gruppenphase ein Betrag von 256.000 Euro hinzu, die ÖTV-Spieler bekommen 515.000 Euro ausbezahlt.

Sollte Österreich in die K.o.-Phase aufsteigen, steigt das Preisgeld mindestens auf das Doppelte an. Ob Koubek in Spaniens Hauptstadt auf seine Nummer eins zurückgreifen kann, wollte er am Samstag nicht beantworten. 

„Wir brauchen nicht über den Dominic reden. Die Jungs haben hier gewonnen“, stellte er klar. „Sie können stolz auf sich sein. Es war ein toller Teamerfolg. Was dann in Madrid ist, schauen wir uns erst an. Klar ist: Wir wollen alle, dass Dominic in Madrid dabei ist.“

Auch ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda freute sich über „eine Top-Leistung“. "Durch die Qualifikation steht Tennis noch mehr im Mittelpunkt und wir werden versuchen, unseren Sport jetzt noch mehr in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken und das Produkt Tennis weiterzuentwickeln“, kündigte er an. 

"Für die Spieler und den Verband ist es sehr lukrativ - je weiter man kommt, desto mehr. Es ist gutes Geld, und das verdienen sich die Spieler auch“, sagte Schweda gegenüber der APA. Bereits am Montag sollen die Vorbereitungen auf Madrid starten, für Fans wird es mehrere Reisepakete geben.

Davis Cup Finals: Diese Teams sind qualifiziert

USAKroatienUngarn
KolumbienAustralienItalien
DeutschlandKasachstanTschechien
ÖsterreichEcuadorSchweden
GroßbritannienFrankreichSpanien
KanadaSerbienRussland

Nach Davis Cup: Wie es für Novak, Rodionov & Co. weitergeht

Novak knüpfte in der Steiermark an seinen guten Saisonstart auf der ATP-Tour an. Beim ATP Cup Anfang Jänner in Sydney zog er mit einem Sieg über Guido Pella und den damit verbundenen Bonuspunkten erstmals in seiner Karriere in die Top-100 ein.

Danach qualifizierte er sich für die Australian Open (Erstrundenniederlage trotz 2:0-Satzführung gegen Hubert Hurkacz) verlor zwar sowohl in Montpellier als auch in der Qualifikation in Rotterdam zum Auftakt, holte aber beim Hartplatzturnier von Dubai wichtige Punkte. Nach erfolgreicher Qualifikation profitierte er von einer guten Auslosung und scheiterte erst im Achtelfinale an Karen Khachanov. 

Im Race to London rangiert Novak aktuell auf Platz 45. Bis zu den French Open im Mai hat Novak noch 182 Zähler und damit etwas mehr als ein Viertel seiner Gesamtpunktezahl zu verteidigen. Im Vorjahr gewann er im April den Challenger von Taipei. Der 26-Jährige gibt sich nun eine kleine Auszeit, ehe er einen Challenger in Frankreich bestreiten will. Für die europäische Sandplatzsaison wechselt er laut eigenen Angaben gänzlich auf die ATP-Tour.

Sowohl Oliver Marach als auch Jürgen Melzer reisen unmittelbar nach dem Davis Cup in Premstätten bei Graz nach Indian Wells. Marach steht dort mit Raven Klassen ebenso wie Melzer mit Edouard Roger-Vasselin im Doppel-Hauptfeld. Mit Dominic Thiem (Partner von Grigor Dimitrov) ist gar ein dritter Österreicher im Raster zu finden.

Rodionov, der gegen Uruguay immerhin seinen ersten Satzgewinn im Davis Cup holte und Pablo Cuevas über drei Sätze forderte, gönnt sich nach seinem intensiven Programm in den vergangenen Wochen keine Pause. Der 20-Jährige schlägt in der kommenden Woche beim Challenger in Nur-Sultan (Kasachstan) sowohl im Einzel als auch im Doppel auf.

Sebastian Ofner, der in Premstätten für das letzte Einzel vorgesehen war, muss weiterhin auf seinen ersten Sieg im Davis Cup warten. Der Steirer war zwar ebenfalls in Nur Sultan gemeldet, verzichtet nun aber auf ein Antreten.

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