Davis Cup: Leistung lohnt sich nur bedingt - müssen wieder ATP-Punkte her?

Je erfolgreicher eine Nation beim Davis-Cup-Finalturnier abschneidet, umso mehr Preisgeld bekommen Verband und Spieler. Eine wichtige Facette fehlt aber (wieder).

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 28.11.2021, 12:52 Uhr

Tomas Machac hat in Innsbruck zwei kompetente Gegner geschlagen
© GEPA Pictures
Tomas Machac hat in Innsbruck zwei kompetente Gegner geschlagen

Wenn eines Tages das große Buch über die Davis-Cup-Tage in Innsbruck 2021 geschrieben wird, dann müsste Tomas Machac ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Denn der junge Tscheche hat mit Richard Gasquet und Daniel Evans zwei gestandene Routiniers paniert, seinem Team damit zwei Einzelpunkte beschert - und vielleicht auch ein wenig Extra-Preisgeld. So genau weiß man das nicht, die ITF hat die Zahlungen im Vergleich zur Erstaustragung des Finalturniers vor zwei Jahren reduziert.

In Sachen Weltrangliste haben Machac die beiden Coups gegen Gasquet und Evans aber exakt nada gebracht. ATP-Punkte werden aktuelle nicht ausgeschüttet im Rahmen des traditionsreichsten Team-Wettbewerbs im Tennissport. Das war nicht immer so. Leistungen im National-Trikot haben sich vor ein paar Jahren noch auf mehreren Ebenen gelohnt. Gegen eine Rückkehr zur alten Regelung spricht indes nichts.

Anleihen beim ATP Cup

Denn das Argument, dass Spieler aufgrund der ausgelobten Weltranglisten-Punkte auf Starts bei gleichzeitig stattfindenden ATP-Turnieren verzichten würden, zieht mit dem neuen Modus nicht mehr. Aktuell finden ein paar Challenger-Turniere statt, die ATP-Saison auf höchster Ebene wurde am vergangenen Sonntag in Turin feierlich beendet. Auch die Qualifikations-Woche für die Finals im Frühjahr war konkurrenzlos im Tennis-Kalender eingetragen. Sportliche Einwände kann es ohnehin nicht geben: Es wird auf zwei Gewinnsätze gespielt wie auch bei regulären ATP-Events. Im Doppel muss im Davis Cup sogar mehr geleistet werden, der dritte Durchgang wird ausgespielt.

Die Verteilung der Punkte könnte sich am ATP-Cup orientieren - dort gibt es je nach Spielstärke des Gegners und Turnierstadium Abstufungen. Es liegt ja auf der Hand, dass ein Erfolg von Jannik Sinner in Turin gegen John Isner besser entlohnt werden muss als der Sieg von Andrey Rublev gegen Roberto Quiroz in Madrid. Tomas Machac jedenfalls hätte Punkte bitter nötig: Der 21-Jährige liegt in der aktuellen ATP-Weltrangliste auf Position 143. Mit den Siegen gegen Gasquet und Evans hätte er sich weiter in Richtung zweistelliger Chart-Platz bewegen können. Was auch wieder finanzielle Implikationen hätte - nämlich die direkte Qualifikation für die Grand-Slam-Turniere.

von Jens Huiber

Sonntag
28.11.2021, 16:35 Uhr
zuletzt bearbeitet: 28.11.2021, 12:52 Uhr