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"Der Ehrgeiz, vorne bleiben zu wollen" - Novak Djokovic ist in Melbourne nicht zu schlagen

Novak Djokovic hat mal wieder zugeschlagen - allen Verwirrungen auf und abseits des Courts zum Trotz. Die viel zitierte Wachablösung? Lässt weiter auf sich warten.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 21.02.2021, 16:15 Uhr

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Novak Djokovic
© Getty Images
Novak Djokovic

Seit Mitte Oktober hatte Daniil Medvedev (25) so ziemlich alles gewonnen, was im Welttennis wichtig und kostbar ist. Er siegte beim letzten großen Masters-Turnier 2020 in Paris, er holte sich in London den WM-Titel, und im neuen Jahr gewann er dann gleich ungeschlagen mit seiner russischen Mannschaft den ATP-Cup. Sechs Siege bis zum Finale der Australian Open folgten, der eigenwillige Russe galt sehr vielen als eigentlicher Titelfavorit beim letzten Duell für Zwei – mit Pokalverteidiger Novak Djokovic.

Doch am Ende von nur 114 Endspielminuten stand Medvedev, der hochgehandelte Herausforderer, vor dem Trümmerhaufen aller Hoffnungen - schwer geschlagen von dem Mann, der immer wieder König von Melbourne gewesen ist. Der König von Melbourne blieb. Und der nach seinem brutal klaren 7:5, 6:2, 6:2-Sieg an diesem 21. Feburuar 2021 ankündigte: „Ich bin noch nicht müde. Ich bin noch nicht satt. Ich will hier noch mehr.“

Noch mehr als neun Titel in neun Endspielen. Und bestenfalls weiter Dominanz gegen gegen jegliche Konkurrenz, gegen altvertraute Rivalen und neue Opposition, wie auch bei diesem Turnier in Person von Medwedew oder Alexander Zverev. „Viel“ sei ja von Wachablösung die Rede, erklärte der ewige Champion in dieser wieder einmal magischen Nacht: „Aber wir sind immer noch da an der Spitze. Wir gehen nicht einfach so weg.“

Federer, Nadal, Djokovic: Kein Vorbeikommen

Und tatsächlich: Die Machtperiode der Großen Drei – Federer eingeschlossen, der seit einem Jahr verletzt pausieren musste – geht auch mit Beginn dieser Saison in die Verlängerung. Bei den Grand Slams, den wichtigsten Leistungsmessen, ist den ehrenwerten Gentlemen fast nie beizukommen. 54 der letzten 63 Majors sammelten Nadal, Federer und Djokovic ein, zusammen kommen sie inzwischen auf 58 Titel: Der Schweizer Maestro und der spanische Matador holten jeweils 20 Trophäen. Und Djokovic, der einst den Zweikampf um die Tennis-Weltherrschaft auflöste, ist ihnen mit nun 18 Titeln so dicht wie nie auf den Fersen. So wie Nadal die French Open in sein ganz persönliches Tennis-Paradies verwandelt hat, mit sage und schreibe 13 Titeln in Paris, so ist Melbourne der Garten Eden für Djokovic: Er gewann hier 2008, 2011, 2012, 2013, 2015, 2016, 2019, 2020 und jetzt auch 2021. Als er um 21.40 Uhr Ortszeit in der Finalnacht einen formvollendeten Überkopfball unerreichbar für Medvedev ins Feld setzte, hatte er schon den zweiten Hattrick Down Under geschafft.

Djokovic siegt gegen alle Widerstände

Medvedev hätte sich mit einem Sieg als erster Spieler seit  Juli 2005 auf Platz 2 der Weltrangliste schieben können, der nicht Djokovic, Federer, Nadal oder Andy Murray heißt. Doch vorerst muss er weiter auf ganz elitäre Positionen in der Hackordnung des Tourzirkus und auf einen der vier begehrtesten Titel warten – wie ganze Profigenerationen vor ihm. Jahrelang waren Federer und Nadal die größten Spielverderber, nun ist Djokovic mit einer Selbstverständlichkeit und Konstanz hinzugekommen, die dem Belgrader einst niemand zugetraut hätte.

Vor allem eins muss man Djokovic lassen: Mag sich abseits der Centre Courts viel Gegenwind aufbauen, mag er im Zentrum von Kontroversen und Affären stehen – an seinem Arbeitsplatz lässt er sich so gut wie nichts von diesem Problemberg anmerken, von seiner unfreiwilligen Rolle als polarisierender Capitano des Herrentennis. Mit dem auf der Zielgerade ungefährdeten Melbourne-Triumph steckte er letztlich auch die Niederschläge weg, die ihn in den vergangenen Monaten ereilt hatten – allem voran die Disqualifikation bei den US Open nach dem Balltreffer gegen eine Linienrichterin.

Djokovic vs Medvedev - das Finale im Re-Live!

Djokovic: "Ehrgeiz, vorne bleiben zu wollen"

Vor einem Jahr, beim letzten Grand Slam der alten Normalität, hatte Djokovic noch in einem stundenlangen Nervenkrimi gegen Österreichs Ass Dominic Thiem seine lupenreine Finalbilanz in Melbourne gewahrt. Doch nun gab es praktisch gar kein Zittern und Bangen, keine Zweifel und Sorgen für den geschmeidigen, gnadenlos effizienten Paradewettkämpfer. Schnell, mit gewollter Überrumpelungstaktik zog Djokovic in den ersten Minuten der Partie auf 3:0 davon, kassierte zwar den 3:3-Ausgleich, doch in der entscheidenden Phase des ersten Satzes gelang ihm das Break zum 7:5. Es war schon eine Vorentscheidung, denn der Seriensieger von Melbourne ließ Medvedev nie wieder ins Match zurück. Nach dem 2:6 im zweiten Satz zerhackte Medvedev frustriert seinen Schläger, er ahnte schon, dass es nichts mehr werden würde mit dem ersten Grand-Slam-Erfolg an diesem Abend.

Djokovic war auch im dritten Satz der Mann, der Tempo und Takt vorgab. Wie schon in den sechs Matches bis zum Finale brillierte er mit ebenso kraftvollen wie präzisen Aufschlägen. Nie habe Djokovic besser serviert als bei diesem Turnier, sagte später sein ehemaliger Coach Boris Becker: „Damit hat er auch Medvedev den Zahn gezogen.“ Und doch war es zuallererst diese besondere Geistesverfassung, die Djokovic als Mitglied des außergewöhnlichen Tennis-Toptrios auch in diesem Finale auszeichnete – die Mentalität, diese herausragenden Grand-Slam-Chancen mit ganzer Kraft und Leidenschaft nutzen zu wollen. Nichts herzuschenken, in keiner Sekunde, in keinem Ballwechsel. Beharrungskraft auf höchstem Niveau zu zeigen, wieder und wieder. „Es ist verrückt, immer wieder diese Titel gewinnen zu können“, sagte Djokovic, „es ist nie eine Selbstverständlichkeit. Sondern harte Arbeit. Und der Ehrgeiz, vorne bleiben zu wollen.“

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