Dominic Thiem 2019: So erfolgreich wie noch nie

Bevor die neue Saison am 3. Januar mit dem ATP Cup startet, werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf Dominic Thiems  Tennisjahr 2019.

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 01.01.2020, 19:44 Uhr

Dominic Thiem kann auf eine erfolgreiche Saison 2019 zurückblicken
© GEPA
Dominic Thiem kann auf eine erfolgreiche Saison 2019 zurückblicken

Über zwei Stunden battelten sich Dominic Thiem und Roger Federer Anfang März im Finale des ATP-Masters-1000-Turnier in Indian Wells. Mit 3:6 6:3 7:5 konnte der Lichtenwörther den Maestro bezwingen und sicherte sich seinen ersten Titel in dieser Kategorie. Es war der Start eines sensationellen Erfolgslaufs für den 26-Jährigen.

Der Start in die Saison verlief für den Österreicher aber alles andere als nach Plan: Auf eine Erstrundenniederlage bei den Katar Open folgte ein enttäuschender Auftritt beim ersten Grand Slam des Jahres. Zwar konnte Thiem Benoit Paire in Runde eins der Australien Open noch besiegen, in Runde zwei musste der Lichtenwörther aber gegen Lokalmatador Alexei Popyrin aufgeben.

Auch die Südamerika-Tournee konnte nicht die gewünschten Erfolge bringen. In Buenos Aires hatte Thiem schon zweimal triumphiert, im Februar 2019 setzte es aber eine bittere Halbfinalniederlage gegen Diego Schwartzman. Beim darauffolgenden Turnier in Rio de Janeiro musste sich Thiem sogar schon in Runde eins dem Serben Laslo Djere geschlagen geben.

Trennung von Trainer Günter Bresnik

Es musste sich etwas ändern: Durch den schwachen Saisonstart war es für den Österreicher an der Zeit, getrennte Wege mit Coach Günter Bresnik zu gehen. Eine Entscheidung, die früh zum Erfolg führte, denn in Indian Wells saß mit Nicholas Massu bereits ein neuer Trainer in der Box von Dominic Thiem. Direkt nach seinem Sieg in Indian Wells ging es zum ATP-Masters-1000-Turnier in Miami, wo Thiem nicht an die starken Leistungen anküpfen konnte und dem Polen Hubert Hurkacz in Runde zwei unterlag.

Das erste Masters auf Sand der Saison 2019 ging in Monte Carlo über die Bühne. Im Vorjahr war Dominic Thiem noch im Viertelfinale an Rafael Nadal gescheitert, 2019 musste sich Thiem bereits eine Runde früher im Achtelfinale Dusan Lajovic geschlagen geben. Es folgte das Turnier in Barcelona, bei dem Thiem erstmals triumphieren konnte, als er Daniil Medvedev mit 6:4 6:0 bezwang. Auf dem Weg ins Finale gelang Thiem erneut das Kunststück, Rafael Nadal auf Sand zu besiegen.

Eine denkbar knappe Halbfinalniederlage gegen Novak Djokovic in Madrid und ein Zweitrundenaus in Rom gegen Angstgegner Fernando Verdasco ließen Thiem mit gemischten Gefühlen zum Grand-Slam-Turnier in Roland Garros anreisen.

Wie schon im Vorjahr präsentierte sich Thiem in Paris aber in Topform und konnte sich prompt in einem epischen Fight im Halbfinale bei Novak Djokovic für die Niederlage in Madrid revanchieren. Im Finale wartete wie auch schon im Vorjahr Rafael Nadal, der auch an diesem Tag nicht zu schlagen war und Thiem mit 6:3 5:7 6:1 6:1 in die Schranken wies.

Kurze Rasensaison

Während viele aufschlagstarke Spieler dem Start der Rasensaison entgegenfiebern, ist es alles andere als Dominic Thiems Lieblingsuntergrund. Dementsprechend kurz fiel die Rasensaison des Österreichers aus. Hatte Thiem den Start in Halle im vorigen Jahr noch bereut, zog er 2019 die Lehren und sagte für das Turnier in Deutschland ab. Genützt hat es aber wenig, denn in Wimbledon unterlag Thiem bereits in der ersten Runde dem Amerikaner Sam Querrey.

Für Thiem ging es gleich zurück auf seinen Lieblingsbelag Sand und zum ATP-500-Turnier nach Hamburg. Dort setzte es im Viertelfinale für den 26-Jährigen eine bittere 6:7 (3), 6:7 (5)-Niederlage gegen Andrey Rublev. Besser lief es für Thiem beim Heimturnier in Kitzbühel. Nach dem enttäuschenden Erstrundenaus 2018 war für Thiem dann endlich die Zeit gekommen, auch auf heimischem Boden einen ATP-Titel zu gewinnen. Ohne Satzverlust stürmte Thiem ins Finale, wo er Ramos-Vinolas mit 7:6 (0) und 6:1 besiegte.

Geschwächter Thiem enttäuscht bei US Open

Nachdem sich Thiem beim Coupe Rogers noch ins Viertelfinale gespielt hatte, musste der Lichtenwörther für das ATP-Masters-1000-Event in Cincinnati aufgrund eines viralen Infekts absagen. Von der Krankheit geschwächt enttäuschte der Lichtenwörther beim vierten Grand Slam-Turnier des Jahres auf ganzer Linie. Schon in der ersten Runde der US Open musste er sich der damaligen Nummer 87 der Weltrangliste, Thomas Fabbiano aus Italien, in vier Sätzen geschlagen gegeben.

Direkt nach den US Open wurde die ATP-Tour für eine Runde des Davis Cup und den Laver Cup unterbrochen. Thiem ging für die österreichische Mannschaft gegen Finnland an den Start und musste in seinem zweiten Einzel eine blamable 3:6 und 2:6-Niederlage gegen damalige die Nummer 163 der Welt, Emil Ruusuvuori, einstecken. Insgesamt konnte sich das österreichische Team aber hauchdünn mit 3:2 durchsetzen.

Beim Laver Cup lief es für Thiem dann schon besser: In seinem ersten Match konnte er den Kanadier Denis Shapovalov mit 6:4 5:7 und 13:11 im Champions-Tiebreak besiegen, gegen Taylor Fritz ging es ebenfalls in ein entscheidendes Champions-Tiebreak. Hier musste sich der Österreicher aber mit 5:7 7:6 (3) und 5:10 geschlagen geben.

Shanghai und Peking geben Selbstvertrauen

Die Erwartungshaltung bei den beiden Turnieren in Peking und Shanghai hätte niedriger nicht sein können. Während Thiem in Shanghai bei seinen bisherigen Auftritten immerhin zweimal die zweite Runde erreichen konnte, wartete der Österreicher in Peking noch immer auf seinen ersten Sieg.

Dass auf seinen ersten Sieg beim ATP-500-Turnier Peking dann mit dem Finalsieg gegen Stefanos Tsitsipas auch gleich der Titel folgen sollte, hat wohl kaum einer kommen gesehen. Und auch in Shanghai präsentierte sich Thiem in Topform, konnte bis ins Viertelfinale vordringen, in dem er wohl auch leicht ermüdet Matteo Berrettini mit 6:7 (8) und 4:6 unterlag.

Thiem legt bei den Erste Bank Open in Wien nach

Mit breiter Brust konnte Dominic Thiem also nach Wien zum zweiten Heimturnier des Jahres anreisen. An Nummer eins gesetzt spielte sich Thiem mit zwei Dreisatzerfolgen gegen Verdasco und Berrettini ins Finale, in dem er seinen guten Freund Diego Schwartzman mit 3:6 6:4 und 6:3 niederrang.

Nach dem kräftezehrenden Turnier in Wien ging es für Thiem bereit drei Tage später beim Rolex Masters in Paris gegen den Aufschlagriesen Milos Raonic weiter. Zwar konnte sich Thiem in einem Marathonmatch durchsetzen, im Achtelfinalduell mit Grigor Dimitrov fehlte dann augenscheinlich die Kraft und Thiem unterlag klar in zwei Sätzen.

ATP Finals für Thiem ein Highlight

Eine gute Woche Regenerationszeit hatte Thiem, ehe es in London bei den ATP Finals um den letzten großen Titel des Jahres ging. Gleich im ersten Spiel konnte der 26-Jährige sein bestes Tennis zeigen und Roger Federer in zwei Sätzen besiegen. Die Vorentscheidung in Gruppe „Björn Borg“ fiel dann im zweiten Gruppenspiel, in dem Thiem auf die Nummer zwei der Welt, Novak Djokovic, traf. Im wohl besten Match der abgelaufenen Saison konnte Thiem den Serben in drei Sätzen bezwingen und stand durchaus überraschend als Gruppensieger fest.

Im Halbfinale wartete mit Alexander Zverev der Zweitplatzierte aus der von Rafael Nadal angeführten Gruppe „Andre Agassi“. Mit 7:5 und 6:3 ließ der Lichtenwörther seinem vier Jahre jüngeren Gegenüber keine Chance und zog als erster Österreicher überhaupt in ein Einzel-Endspiel bei den ATP Finals ein. Hier bekam es Thiem wie schon im Finale von Peking mit dem 21-jährigen Stefanos Tsitsipas zu tun. Der aus österreichischer Sicht bittere Ausgang: 7:6 (6) 2:6 und 6:7 (4).

Karrierehoch auch wieder in der Weltrangliste

Zwar blieb es dem Österreicher verwehrt, die Saison mit einem ganz großen Titel abzuschließen, trotzdem kann Thiem mit seinem Tennisjahr 2019 durchaus zufrieden sein. Fünf Titel, davon der erste auf Masters-1000-Ebene, und ein erneuter Einzug in das Finale von Roland Garros bedeuten Platz vier in der Weltrangliste. Starke 49 Siege stehen 19 Niederlagen gegenüber.

Für Dominic Thiem geht es zusammen mit dem österreichischen Team vom 3. bis 12. Jänner mit dem ATP Cup in Australien weiter. Für die österreichischen Tennisfans bleibt nur zu hoffen, dass Thiem an die starke Saison 2019 anknüpfen kann.

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