Dominik Koepfer überrascht sich selbst: "Langsam wächst der Glaube"

Lange wusste Dominik Koepfer nicht, wie gut er Tennis spielen kann. Nach seinem Lauf beim ATP-Masters in Rom und dem Satzgewinn gegen Novak Djokovic sagt er selbst: "Ich kann mit den Top-Spielern mithalten." Sogar auf Sand.

von SID
zuletzt bearbeitet: 20.09.2020, 15:44 Uhr

Dominik Koepfer
Dominik Koepfer

Als Novak Djokovic die Wut zu Kopf stieg, hatte Dominik Koepfer seine Ziele in Rom längst übertroffen. Bis zum Masters im altehrwürdigen Foro Italico war ihm kein einziger ATP-Sieg auf Sand gelungen, nun rückte nach der erfolgreichen Qualifikation und drei Erfolgen im Hauptfeld sogar die Sensation in greifbare Nähe. Djokovic zerhackte seinen Schläger, Koepfer glich in Sätzen aus und war plötzlich mittendrin im Match mit einem Superstar der Branche.

Auch wenn es nicht zur Überraschung gegen den serbischen Seriensieger reichte, fühlte sich Koepfer nach dem 3:6, 6:4, 3:6 als Gewinner. "Langsam wächst der Glaube, dass ich mit den Top-Leuten mithalten kann", sagte er vor der Rückreise aus Rom dem SID. Das neu gewonnene Selbstvertrauen reichte sogar für eine kleine Kampfansage aus: Bei den French Open (ab 27. September), dem Höhepunkt der verschobenen Sandplatzsaison, "rechne ich mir einiges aus", versicherte er.

Bis zu seiner Ankunft in Rom hätte sich Koepfer wohl anders geäußert, noch nie stand er im Hauptfeld von Paris, und zu Hause fühlt er sich nach Jahren in den USA ohnehin eher auf Hartplätzen. Koepfer, 26 Jahre alt, hat über das College auf die Profitour gefunden, an der Tulane University in New Orleans begann sein Aufstieg, mittlerweile lebt er in Tampa/Florida. Dass er auf europäischen Sandplätzen derart auftrumpfen kann, wusste er bis Rom selbst nicht.

Koepfer: Mit US-Open-Achtelfinale 2019 auf sich aufmerksam gemacht

Im vergangenen Jahr hatte Koepfer mit dem Einzug ins Achtelfinale der US Open zum ersten Mal auf der großen Tennisbühne auf sich aufmerksam gemacht, doch sein Glaube - und die Weltranglistenposition - reichten noch nicht für den endgültigen Sprung auf die ATP-Tour. Zwar feierte Koepfer im März seine Premiere im deutschen Davis-Cup-Team, spielte bis dahin aber immer wieder auf der zweitklassigen Challenger-Tour.

"Jetzt", sagte er vor dem Abflug aus Rom, "haben sich meine Ziele geändert". Nicht erst für Roland Garros, sondern schon zuvor für das Heimspiel am Rothenbaum in Hamburg, wo er dank seiner Vorstellung in Italien direkt im Hauptfeld steht. Bis auf das Challenger-Turnier in Heilbronn hat Koepfer keine Erfahrung mit Profiturnieren in seinem Geburtsland, wenn er beim Traditionsturnier in der Hansestadt an seine Leistung von Rom anknüpft, rücken die Top 50 der Weltrangliste näher.

Für Hamburg setzt Koepfer auf sein gewachsenes Selbstvertrauen auf Sand und die Unterstützung seiner Liebsten aus dem Schwarzwald, die er sehr selten sieht. Auf dem Center Court sind 2.300 Zuschauer zugelassen, "ich hoffe, meine Familie darf auch kommen", sagte Koepfer. Wenn er "nach der ganzen Pasta in Rom" dann noch ein gescheites Schnitzel wie in der Heimat findet, ist Koepfer wieder auf dem besten Weg, all seine Ziele zu erreichen.

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Sonntag
20.09.2020, 17:43 Uhr
zuletzt bearbeitet: 20.09.2020, 15:44 Uhr