Doppelpläne der ATP: Kontrolliertes Ausbluten oder notwendiger Schritt?

Seit einigen Tagen ist bekannt, dass die ATP das Doppel in den kommenden Jahren stark verändern will. Die Einschränkungen bedrohen die Existenz vieler Spezialisten dieser Disziplin. Der Widerstand formierte sich schnell. Der Reformbedarf könnte jedoch auch anders angegangen werden.

von Daniel Hofmann
zuletzt bearbeitet: 06.07.2026, 14:14 Uhr

Solche Bilder auf der ATP Tour könnten zukünftig seltener zu sehen sein.
© Getty Images
Solche Bilder auf der ATP Tour könnten zukünftig seltener zu sehen sein.

Die geplante Reform der Doppelwettbewerbe auf der ATP Tour sorgte in den letzten Tagen für Aufsehen. Viele Doppelspezialisten formierten sich via Social Media und äußerten ihren Unmut. Die Planung sieht eine drastische Verkleinerung der Felder bei Tourevents vor.

Statt mit 16er-Draws würde zukünftig größtenteils mit acht Doppelpaarungen pro Turnier gespielt werden. 1000er-Events sollen auf 16 Teams reduziert werden. Auch die Challenger Tour würde eine kleinere Feldgröße bei den Turnieren vorsehen. Die Preisgeldverteilung bei den Turnieren im Bezug von Einzel zum Doppel  würde vom Verhältnis von 80:20 zudem auf 90:10 verschoben werden.

Attraktivität des Doppels von Veranstaltern oft kritisiert

Es ist aktuell eine Diskussion ohne wirkliche Grundlage, denn ein öffentliches Papier der ATP gibt es dazu nicht. Viel mehr ist diese Planung Bestandteil aktueller Diskussionen vergangener Tage in den Gremien der Organisation gewesen. Die detaillierten Planungen zur Reform ab 2028 sind daher nicht bekannt,

Die ATP und deren Veranstalter sehen in den Doppelwettbewerben oftmals wenig Attraktivität. US-Profi Reilly Opelka ächzte dieser Tage gegen die Doppelspezialisten auf Instagram: “Das Problem sind die Doppelspieler. Es fehlt an Talent.” Dem US-Amerikaner dürften damit nicht mehr viele Doppelspieler auf Turnieren mit einem netten Gruß begegnen. Sicherlich hat Opelka einen Punkt, dass das Niveau vieler Spieler nicht dem eines Sinners oder Alcaraz gleicht. Nicht umsonst haben die Profis zu einem bestimmten Zeitpunkt auf das Doppel gesetzt. Doch eine derartige Polemik wird der Diskussion keineswegs helfen.

ATP will Gelder im Einzel umverteilen

Die Doppelfelder bestehen meist aus Doppelspezialisten, die weit außerhalb des Rampenlichts der Einzelkönner stehen. Viele Organisatoren sehen im Doppel nur einen zusätzlichen hohen finanziellen Aufwand ohne Wert. Ausnahmen sind die wenigen Teilnahmen der Einzel-Stars in dieser Disziplin. Denn die verkaufen in erster Linie Tickets, wie der Veranstaltersprech so schön sagt.

Man muss bei der Diskussion der Fairness halber eine Sache beachten: Die ATP streicht nicht einfach die Gelder der Doppelkonkurrenz, sondern plant diese auf das Einzel in ersten Runden und die Challenger Tour zu verteilen. Doch ob damit die finanzielle Situation von Einzelspielern der Weltranglistenregionen um 100 bis 300 nachhaltig verbessert werden kann, bleibt eher anzuzweifeln.

Tour-Doppel zukünftig unter einer Flagge?

Es wird auch kaum zu erwarten sein, dass die Doppelspezialisten damit wieder vermehrt auf das Einzel setzen, wenn sich die Preisgelder im Einzel erhöhen und die finanzielle Not im Doppel wächst. Eher würden viele Doppelprofis, die besipielsweise zum Großteil auf der Challenger Tour unterwegs sind, die Karriere beenden. Übrig bleibt am Ende vielleicht nur eine kleine Elite an Doppelprofis, die derzeit an der Spitze der Doppel-Weltrangliste steht.

Festzuhalten bleibt, dass die ATP es sich mit den Plänen zu einfach macht. Statt Gelder zu streichen, gebe es mit Investitionen in das Marketing für das Doppel die Chance neue Stars zu schaffen. Vielleicht sind dafür andere drastische Maßnahmen nötig, wie die Vorgabe das alle Doppel auf der Tour unter derselben Flagge spielen müssen. Das würde die Vermarktbarkeit in den eigenen Ländern vereinfachen und den Duellcharakter unter Nationen stärken.

Jedenfalls wären solche Maßnahmen sinnvoller als die aktuellen Pläne, die eher wie ein geplantes Ausbluten der Doppeldisziplin wirken, um in einigen Jahren dann ganz den Stecker ziehen zu können. Bevor das passiert also lieber noch andere Versuche starten. Denn was einmal verschwunden ist, kommt in der Regel auch nicht mehr mehr zurück.

von Daniel Hofmann

Montag
06.07.2026, 13:10 Uhr
zuletzt bearbeitet: 06.07.2026, 14:14 Uhr