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Ein albanisches Tennis-Märchen

Es war ein kometenhafter Aufstieg, mit dem ein junger und völliger unbekannter Tennisspieler aus Süd...

von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet: 15.10.2021, 14:18 Uhr

Es war ein kometenhafter Aufstieg, mit dem ein junger und völliger unbekannter Tennisspieler aus Südosteuropa Ende September die Hobby-Tennis-Szene Wiens aus den Angeln hob, und für Aufregung sowie Bewunderung zugleich sorgte. Die Rede ist von Frenkli Qarri, einem fast 17jährigen albanischen Teenager, der mit seinem märchenhaften HTT-Debüt für die Geschichte des Tennis-Herbstes 2021 schlechtin verantwortlich zeichnet. Vom ITN-Ärger beim Debüt bis hin zum Titel-Doppelpack, der erste albanische Tennis-Export der Peugeot Hobby Tennis Tour hat in nur drei Wochen HTT-Zugehörigkeit schon mehr “Up & Downs” erlebt als so manch langjähriger HTT-Routinier. Eine Geschichte von C.L

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Qarri sorgt für ITN-Ärger beim Debüt bevor er zum 650. Turniersieger der Peugeot Hobby Tennis Tour Era avanciert

Mit dem exotischen Namen Frenkli Qarri konnten die Mitstreiter beim Ende September stattfindenden TC Wienerberger Open nichts anfangen. Genauso wenig wie mit dem ITN-Rating von 7,500, mit dem der HTT-Debütant den HTT-Future am Wienerberg in Angriff nahm. Drei Tage später war der 16jährige nicht nur der umjubelte erste albanische Titelgewinner der Peugeot Hobby Tennis Tour Geschichte und der insgesamt 650. HTT Turniersieger seit 1990, sondern auch ins Visier der ITN-Kritiker geraten. Berechtigter Weise, demolierte der Newcomer vom Balkan doch die heillos überforderte Future-Konkurrenz mit nur sechs abgegebenen Games, und das mit einem ITN-Rating jenseits von “Gut & Böse”. Wozu der junge Mann aus Tirana im Stande ist zu leisten, demonstrierte er dann eine Woche später beim Peugeot Oktober HTT 150 Turnier im UTC La Ville, wo der 16jährige nach dem “Kinderspiel am Wienerberg” gleich so richtig “nachdoppelte”, und ein stark besetztes 52igstes HTT Saisonturnier für sich entschied.

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Qarri und sein persönliches “Racket-Gate”

In jedem Fall aber ist Frenkli Qarri – abgesehen vom Namen und seiner Herkunft – kein gewöhnlicher Turniersieger. Titelgewinne ohne Drama, gewonnene Pokale ohne einer speziellen Geschichte “drum-herum” sind nicht seine Sache. War der Premieren-Titel beim HTT-Wienerberger-Future noch im Schatten seines unverschuldeten ITN-Skandals gestanden, sorgte Qarri eine Woche später im “Ballon de La Ville” für sein persönliches “Racket-Gate” auf dem Weg zum vielumjubelten Titelgewinn. Im Semifinale stand der albanische Junior gegen Felix Maierhofer beim Stand von 4:6, 0:3 unmittelbar vor der Aufgabe. Der Grund: Qarri waren bei seinen beiden Rackets die Saiten gerissen, und spät abends war im La Ville kurzfristig kein Ersatz-Racket aufzutreiben. Kollege Zufall half dem verzweifelten Youngster aus der Patsche. Ein Leihschläger im La-Ville-Restaurant “geparkt”, brachte den späteren Sieger zurück ins Match, in dem er im dritten Satz noch drei Matchbälle abwehrte, ehe er mit 4:6, 6:4, 7:5 den Finaleinzug realisiert hatte. Tja, und dort im zweiten HTT-Endspiel seiner Karriere binnen sieben Tagen schrieb Qarri noch ein weiteres höchst kurioses und humoriges Kapitel seiner persönlichen Racket-Affäre. Weil die extra für das Finale frisch bespannten Rackets im gschlossenen Sportshop nicht greifbar waren, startete er mit einem geborgten Racket eines Trainers vor Ort in das finale Abenteuer, das im ersten Satz beim Stand von 5:2 noch eine Steigerung erfahren sollte. Wieder war die Bespannung hinüber, und so musste Qarri zu einem Racket von September Masters Series 1000 Champion Michael Margreiter greifen. Das Resultat kennen wir! Qarri schlug Leon Baumgartner-Lemberger auf dem Weg zum zweiten HTT Titel mit 7:6, 7:5. Tränen floßen danach über die Wangen des Youngsters, der schon eine bewegte Karriere mit seinen zarten 17 Jahren hinter sich hat.

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Den Titel möchte ich meinen Eltern und meiner neuen Schule widmen

Geboren wurde Klein-Frenkli am 27. Oktober 2004 in der albanischen Hauptstadt Tirana. Mit sechs Jahren machte er erstmals Bekanntschaft mit jenem Sport, den er heute so sehr liebt. 2019 versuchte Frenklis Familie dann in Deutschland einen Neuanfang. “Für ein besseres Leben”, wie er in einem persönlichen Gespräch erklärte. Immerhin gilt Albanien auch heute noch als eines der ärmsten Länder Europas. Aus dem besseren Leben wurde zunächst aber nichts. Zwar war der 16jährige schulisch und sportlich voll integriert, doch sein Gastspiel in Deutschland beim Stuttgarter Tennisclub TC First-Line-Academy-Murr fand durch die Corona-Pandemie ein jähes Ende. Es ging zurück in die Heimat nach Albanien, wo er beim Tennisclub “Tennis Tirana” weiter an seinem Spiel feilte. Erst seit 20. August dieses Jahres ist der 2fache HTT-Turniersieger in Österreich, und geht seitdem auf der Danube International School Vienna seiner Ausbildung nach. Bemerkenswert: Qarri schlägt sich ganz alleine ohne die daheim gebliebenen Eltern im fernen Österreich durch. Das Heimweh ist daher in manchen Momenten durchaus groß und erweckt Emotionen, so wie zum Beispiel nach seinem Titelgewinn beim Peugeot Oktober HTT 150 Turnier im UTC La Ville. “Diesen Sieg und den Pokal möchte ich meinen Eltern widmen. Und auch meiner neuen Schule in Wien, wo ich großartig aufgenommen wurde”, parliert der 16jährige in einwandfreiem Deutsch und mit Tränen in den Augen. Die HTT als neue sportliche Heimat gefällt dem albanischen Jungstar natürlich außerordentlich gut. “Ich will täglich besser werden, Pokale gewinnen, und eines Tages auch einmal einen HTT Grand Slam Titel erobern”. Das wäre wohl das passende “happy end” des albanischen Tennismärchens geschrieben von Frenkli Qarri.

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