Ein Engel fürs Hauptfeld? Youngster klopfen bei den Profis an
Justin Engel will bei den Australian Open erstmals das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers erreichen. Neben dem Nürnberger wagen weitere deutsche Toptalente den Sprung ins Profitennis.
von SID
zuletzt bearbeitet:
09.01.2026, 14:39 Uhr

Justin Engel hat einen seiner Sehnsuchtsorte schon vor Augen. Im Schatten der mächtigen Rod Laver Arena, wo er irgendwann mal ein Grand-Slam-Endspiel bestreiten will, arbeitet das 18 Jahre alte Toptalent auf dem Trainingsplatz verbissen an seinem Spiel. In Melbourne will Engel als Vorreiter einer neuen Generation im deutschen Tennis den nächsten Schritt seiner jungen Karriere machen: den Einzug ins Hauptfeld der Australian Open.
Drei Qualifikationsrunden muss er überstehen, los geht es für die aktuelle Nummer 180 der ATP-Rangliste zu Beginn der kommenden Woche. "Mein Ziel ist, dass ich mich für einen Grand Slam qualifiziere", hatte der Nürnberger mit Blick auf 2026 verkündet. Und während Engel am anderen Ende der Welt seinen ersten Anlauf startet, geht es in den kommenden Wochen auch für Neuprofis wie Max Schönhaus und Niels McDonald darum, den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen.
Engel hat die hohen Temperaturunterschiede zwischen dem eisigen europäischen Winter und dem australischen Sommer inzwischen gut verarbeitet, und auch die Form passt. Beim Challenger in Canberra präsentierte sich der physisch starke Teenager ordentlich: Nach einem Erstrundensieg zahlte er im Achtelfinale gegen den fast doppelt so alten Serben Dusan Lajovic (35) ein wenig Lehrgeld.
Engel machte 2025 auf sich aufmerksam
Der Glaube an eine große Karriere ist ungebrochen. Schließlich hat Engel 2025 ja auch auf der Profitour schon einige Erfolge gefeiert. Beim ATP-Turnier in Stuttgart stürmte er ins Viertelfinale, im Oktober gewann er dann auch noch in Hamburg seinen ersten Challenger-Titel. Zur Belohnung durfte er im Dezember bei den Next Gen Finals ran, dem Turnier der besten Nachwuchsspieler der ATP-Tour.
Und auch wenn es in Australien nicht klappen sollte: Von kleinen eingeplanten Rückschlägen lässt sich Engel nicht aus der Ruhe bringen. Die Ziele bleiben groß, die Ansagen forsch. Am Ende des Jahres will er in den Top-100 der Weltrangliste stehen - und irgendwann, auch das hat er schon gesagt, die Nummer eins der Welt sein.
Engel ist dabei so etwas wie das schillerndste, aber eben nicht das einzige Toptalent im deutschen Tennis. Da wäre zum einen noch Schönhaus, der 18-Jährige aus Soest, der seit Kurzem den inoffiziellen Titel "bester Nachwuchsspieler der Welt" trägt. Weil er sich in Chengdu/China den Titel bei den ITF Junior Finals sicherte.
Gemeinsam in die Weltspitze?
Da ist auch sein vier Monate jüngerer Kumpel McDonald (17), der wiederum auf einen Junioren-Titel bei den French Open zurückblicken kann - nach einem Finalsieg über Schönhaus. Was alle eint: Sie wollen angreifen und sich 2026 nach und nach bei den Profis etablieren. Er sei zu dem Schluss gekommen, sagte der Schweriner McDonald im Nordkurier, "dass die Zeit reif ist, mich voll auf Turniere bei den Großen zu konzentrieren".
Ein Schritt, den Diego Dedura, der vierte Hochveranlagte im deutschen Tennisbund(e), schon gegangen ist. Im April gewann er in München erstmals ein Match auf der ATP-Tour, kurz nach seinem 17. Geburtstag, ehe er zuletzt bei einem Challenger in Marokko seinen ersten Männer-Titel gewann.
Die Aussichten im deutschen Männertennis sind also vielversprechend. Und auch wenn der Weg steinig ist, ist für Engel das große Ziel klar: "Dass wir uns vielleicht sogar zusammen in die Weltspitze hocharbeiten."
