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Eric Babolat im tennisnet-Interview: "Emotionaler Tribut an Meisterspieler Nadal"

Eric Babolat ist CEO des Sportartikelherstellers Babolat und hat mit Rafael Nadal einen der größten Sportler aller Zeiten als Aushängeschild. Im tennisnet-Interview verrät der Franzose Details über die Zusammenarbeit mit Nadal und die Gewichtung der French Open in Paris.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 25.05.2018, 20:25 Uhr

CEO Eric Babolat

Eric Babolat wurde 1970 geboren und führt die Tennisartikel-Firma Babolat in der fünften Generation. Im Alter von 28 Jahren übernahm Babolat den Firmenvorsitz, nachdem sein Vater und ehemaliger Firmenchef , Pierre Babolat, bei einem Flugzeugabsturz im September 1998 ums Leben kam. Seit geraumer Zet gehört die Firma zu den wichtigsten Schläger-Herstellern der Tennis-Szene und kann neben Top-Star Nadal einige prominente Namen als Werbegesichter aufweisen.

Von Jörg Allmeroth

tennisnet: Herr Babolat, Rafael Nadal ist vor den French Open wieder auf Platz eins der Welt gestürmt. Er kann in Paris nun seinen elften Titel gewinnen. Wie wichtig ist Ihre Partnerschaft mit Nadal?

Eric Babolat: Es ist natürlich ein Glücksfall, dass wir schon so lange mit ihm verbunden sind. Babolat und Nadal - das ist eine ganz lange Geschichte. Sie geht zurück bis zu dem Moment, wo Rafa sich als Neunjähriger gegen eine Fußballkarriere und für eine Tenniskarriere entschieden hat. Er wollte damals nicht weg von zuhause, um in Barcelona Fußball zu spielen, also wurde es Tennis, das er genau so liebte. Die Familie ging dann in einen Sportshop in Manacor, und man empfahl ihr einen Babolat Pure Drive für Rafa. Er spielte dann als Profi nie eine andere Marke als Babolat. Ich kann schon sagen: Wir sind stolz auf diese Beziehung, auf seine Erfolge. Ich denke, dass Rafa auch gut zu einem Unternehmen passt, das die größte Tradition im Tennis hat. Wir stellten schließlich bereits 1875 die ersten Tennissaiten her, mit diesen Saiten wurden mehr als 100 Grand Slam-Titel gewonnen. Nicht zu vergessen: Wir unterstützten auch die legendären französischen Musketiere.

tennisnet: Tennisschläger produzieren Sie aber noch nicht sehr lange.

Babolat: Nein, erst seit den 90er Jahren. Da sind wir noch eine sehr junge Marke eigentlich. Aber wir sind umso glücklicher, dass sich jemand wie Rafa, aber eben auch andere Profis, Vereinsspieler und Hobbyspieler wohlfühlen mit unseren Schlägern. Wir begannen 1994 mit der Schlägerproduktion - und 1998 gewann Carlos Moya schon den ersten Grand Slam-Titel mit einem unserer Rackets. Daher feiern wir nun auch 2018 ein kleines Jubiläum, 20 Jahre später.

tennisnet: Wie entdecken Sie eigentlich früh Spieler, die interessant sind für eine Partnerschaft?

Babolat:Wir haben ein gutes Netz aufgebaut, wir sind stark in den Vereinen repräsentiert, haben gute Kontakte zu Clubcoaches. Aber natürlich sind für uns, siehe das Beispiel Nadal, auch die Shops ein wichtiger Pfeiler, um Tennisspieler aller Generationen für unsere Produkte zu interessieren. Für uns sind die großen Champions, die mit Babolat spielen, sehr wichtig. Aber genau so intensiv kümmern wir uns um den Freizeitspieler und seine Bedürfnisse.

tennisnet: Die French Open sind für Babolat vermutlich das wichtigste Tennis-Schaufenster der Saison.

Babolat: Natürlich, es ist in gewisser Weise ein Heimspiel. Mit den French Open verbindet uns eine starke Partnerschaft. Und nun ist einer unserer Stars, Rafael Nadal, auch zum unumschränkten König von Roland Garros geworden, zum zehnmaligen Sieger. Selbstverständlich ist dieser Grand Slam herausragend für uns, nun haben wir Rafas außergewöhnliche Erfolge auch zum Anlass genommen, das Racket "La Decima" auf den Markt zu bringen. Es ist auch ein emotionaler Tribut an diesen Meisterspieler. Wir stellen aber auch den offiziellen Roland Garros-Ball, sind verantwortlich für den Bespannungsservice. Allerdings will ich daran erinnern, dass wir partnerschaftlich mit Wimbledon verbunden sind - und somit mit zwei Traditionsstandorten im Tennis.

tennisnet: Wie haben Sie selbst diesen Aufstieg Ihres Freundes Nadal erlebt?

Babolat: Ich glaube, viele haben noch nicht wirklich realisiert, welche unglaubliche Leistung er speziell in Paris vollbracht hat. Dieser Grand Slam ist der herausforderndste aller Slams - und dieser Mann gewinnt ihn zehn Mal. Es ist gigantisch, nicht mehr und nicht weniger. Und wie oft hat man ihn abgeschrieben, hat ihm prophezeit, in ein, zwei Jahren ist es vorbei. Und immer hat er alle widerlegt. Für mich stellt er sogar ein Vorbild für unser Unternehmen dar - in seinem Willen, täglich immer besser zu werden, nie stehen zu bleiben. Rafa verkörpert einfach auch ideal unseren Anspruch, ein Leader in Innovation und Performance zu sein.

tennisnet: Haben Sie schon Pläne, was die Zeit nach Nadals Karriere betrifft? Eine Botschafterrolle?

Babolat: Ja, wir haben darüber schon gesprochen. Und ich bin zuversichtlich, dass es auch klappen wird. Rafa und Babolat werden Partner bleiben. Im Moment gilt unsere Abmachung bis zum Ende seiner Karriere, wann immer das sein wird. Der erste Vertrag lief mit ihm über zehn Jahre, das war schon ungewöhnlich. Aber er sagte, er fühle sich wohl mit dem Schläger, überhaupt mit Babolat - und daher kam es zu dieser Laufzeit.

tennisnet: Auch Li Na, die charismatische Chinesin, vertritt nach dem Ende ihrer Karriere weiterhin Babolat?

Babolat: Ja, sie gehört eben auch zu dem Typus Sportler, der nicht nur für große Siege steht, sondern auch für einen besonderen Charakter. Sie ist eine außergewöhnliche Frau, die eine außergewöhnliche Karriere erreicht hat. Und ich denke, dass wir mit ihr von dem beginnenden Tennisboom in China profitieren können. Noch ist Tennis dort ein schlafender Riese, aber ich bin sicher, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft auch Grand Slam-Champions aus China sehen werden.

tennisnet: Zurück zum aktuellen Tennis. Babolat hat auch längst wieder die NextGen in den Fokus genommen.

Babolat: Natürlich. Das gehört zu unseren elementaren Aufgaben, ständig zu scannen, wer könnte sich nach vorne spielen. Und: Psst dieser Spieler zu uns und unserer Philosophie? Dominic Thiem ist einer von denen, auf die wir große Hoffnungen setzen, er hat ja schon eine Menge erreicht. Er verkörpert auch Werte, die wir mögen. Leidenschaft, Fairness, eine Zugewandtheit im Umgang mit Fans und Öffentlichkeit.

tennisnet: Sie haben ihn selbst schon mal mit Nadal verglichen.

Babolat: Ja. Und ich denke, das ist einfach ein Kompliment für Dominic. Er hat auch den Charakter eines Champions, er will, wie Nadal, stets lernen, er hat diesen besonderen Fighting spirit. Er hat ein hervorragendes Umfeld, einen exzellenten Trainer. Er wird Grand Slams gewinnen, davon bin ich überzeugt.

tennisnet: Der Weg in die Weltspitze ist extrem schwer und unberechenbar - für den Spieler, aber für Sponsoren, die ihn unterstützen.

Babolat: Man muss sich immer bewußt sein, dass nur ein verschwindend geringer Prozentsatz an Spielern eine sehr gute Karriere im Profitennis schafft. Es gibt so viele Unwägbarkeiten, die eine Laufbahn beeinflussen, natürlich auch Verletzungspech im negativen Sinne. Wir versuchen ganz einfach, den Faktor Glück oder Zufall bei unseren Entscheidungen so weit wie möglich zu minimieren. Und ich glaube, wir haben Topexperten, die ein gutes Auge auf die mutmaßlich richtigen Spieler haben. Wobei wir ja auch unterscheiden müssen. Wir sind ein Partner, der Spielern elementar bei der Performance hilft, mit Schläger, Schuhen und Saite. Das schafft oft eine ganz andere Verbundenheit. Ist ein junger Spieler etwa mit unserem Schläger erfolgreich, wird er eher nicht wechseln. Auch, wenn er vielleicht anderswo mehr Euros kriegt.

tennisnet: Babolats Credo und Firmenphilosophie lautet ja: Tennis ist in unserem Blut. Was heißt das konkret?

Babolat: Dass wir lieben, was wir tun. Wir sind in einer Branche unterwegs, wo wir Menschen helfen, Spaß am Sport zu haben. Ist das nicht großartig? Und wir haben tolle Partner, legendäre Sportler, mit denen wir arbeiten dürfen. Wie erwähnt: Unsere Maxime ist auch, ständig innovativ zu sein, sinnvolle Neuerungen in den Sport zu bringen. Unser Connected Racket gehörte dazu, wenngleichaber es sich dabei auch gezeigt hat, dass wir es mit einem konservativen Umfeld zu tun haben, dass sich eher zaghaft dafür interessiert. Trotzdem glauben wir an diese moderne Technologie, an weitere Apps, die das Tenniserlebnis verbessern werden.

tennisnet: Welche Fortschritte sind in der Racketentwicklung überhaupt noch zu erwarten?

Babolat: Nun, diese Fortschritte werden kleiner ausfallen. Weil wir schon eine starke Produktreife sehen beim Material, beim Schlägerrahmen. Ich denke, es könnte eher noch einmal eine Weiterentwicklung bei den Saiten geben. Bei Schuhen arbeiten wir mit guten Partnern daran, noch mehr Grip zu bekommen auf verschiedenen Belägen.

tennisnet: Bei den Rackets stand Babolat ja vornehmlich für Power.

Babolat: Richtig. Aber mit dem Pure Strike stehen wir jetzt auch für Kontrolle. Für kontrollierte Power. Dominic Thiem und viele jüngere Spieler mögen diesen Schläger.

tennisnet: Wie sehen Sie die Tennislage, aber auch die Marktlage für Babolat in den DACH-Ländern, also Deutschland, der Schweiz und Österreich?

Babolat: Ich glaube, es ist wichtig, dass junge Leute die Attraktivität des Tennis erleben können, als Fans bei Turnieren, im eigenen Verein, aber eben auch im Fernsehen - etwa, wenn ein Grand Slam wie die French Open läuft. Und am besten hat man Stars, die man regelmäßig verfolgen kann, an denen man sich orientiert. Was ich damit sagen will: Ist Tennis im Gespräch, gut vertreten in den Medien, ist es für die Industrie auch viel einfacher. Ich vertrete auch in der Davis Cup-Diskussion den Standpunkt, dass man die Heim- und Auswärtsspiele nicht komplett abschaffen sollte. Nicht zuletzt, um den Fans die Möglichkeit zu geben, ihre Stars auch selbst zu erleben. Schließlich gibt es nicht überall Turniere in der Nähe und im eigenen Land, zu denen sie hinfahren können.

tennisnet: Deutschland nennen Sie einen schwierigen Markt.

Babolat: Man ist eben sehr preisbewusst. Aber wir wollen unsere Produkte nicht billig verschleudern, das ist nicht unsere Philosophie. Qualität hat einen Preis. Und wir müssen als Unternehmen auch Geld verdienen.

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