Fall Peng Shuai: WTA-Chef droht mit China-Rückzug

Steve Simon, Chef der WTA, hat im Fall der vermissten Peng Shuai den Druck auf China erhöht. Und damit gedroht, dass sich die Frauentour von einem ihrer wichtigsten Märkte verabschiedet.

von APA
zuletzt bearbeitet: 19.11.2021, 11:59 Uhr

Steve Simon - der WTA-Chef zeigt klare Kante
© Getty Images
Steve Simon - der WTA-Chef zeigt klare Kante

WTA-Chef Steve Simon hat mit dem kompletten Rückzug der Damen-Tennistour aus China gedroht, falls die Führung in Peking im Fall der verschwundenen Spielerin Peng Shuai nicht Licht ins Dunkel bringt. "Wir sind definitiv dazu bereit, unsere Aktivitäten zu beenden, mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt", versicherte Simon am Donnerstag (Ortszeit) in einem CNN-Interview.

Die Vorwürfe in Bezug auf Peng seien "größer als das Geschäft", sagte der Chef der Spielerinnen-Organisation WTA. "Frauen müssen respektiert und dürfen nicht zensiert werden", forderte Simon.

China gilt mittlerweile als wichtiger Standort vor allem für das Damen-Tennis. 2018 wurde das Saisonabschluss-Turnier der besten acht Spielerinnen des Jahres von 2019 bis 2028 an die chinesische Stadt Shenzhen vergeben und das Preisgeld von 7 Millionen US-Dollar auf 14 Millionen verdoppelt. Wegen der Coronavirus-Pandemie konnte in den vergangenen beiden Jahren allerdings nicht in China gespielt werden.

Zweifel und Besorgnis

Peng Shuai hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht. Seither ist die 35-Jährige nicht mehr öffentlich gesehen worden. Chinas Zensur streicht jede Debatte über den Fall. Suchen nach ihrem Namen oder nach #MeToo im chinesischen Internet sind geblockt.

Eine angebliche Mail von Peng hat bei der WTA erhebliche Zweifel geweckt und die Besorgnis noch vergrößert. Chinas staatliches Auslandsfernsehen CGTN hatte in der Nacht zum Donnerstag auf Twitter eine Mail veröffentlicht, die der Tennisstar selbst geschrieben haben und an den WTA-Chef Simon geschickt haben soll. Die Berichte über sie, "einschließlich des Vorwurfs der sexuellen Nötigung", seien "nicht wahr", hieß es darin. Ihr gehe es gut.

Strafmaßnahmen?

Über den Verbleib von Peng Shuai wollte sich Chinas Außenministerium nicht äußern. Anfragen sollten an "zuständige Stellen" gerichtet werden, sagte ein Sprecher.

Eine Reaktion aus China kam von Hu Xijin, dem der kommunistischen Partie nahestehenden Herausgeber der "Global Times". Als Person, die mit dem chinesischen System vertraut sei, glaube er nicht, dass wegen der angesprochenen Sache gegen Peng Shuai irgendwelche von ausländischen Medien vermutete Strafmaßnahmen ergriffen worden seien, twitterte der in China gut vernetzte Hu Xijin am Freitag.

Hot Meistgelesen

05.12.2021

Davis Cup Finale - live: Russland gewinnt gegen Kroatien mit 2:0

07.12.2021

ATP Cup: Thiem gegen Medvedev, Zverev mit Deutschland Gruppenfavorit

05.12.2021

"Reize das Publikum nicht absichtlich": Daniil Medvedev macht sich in Madrid unbeliebt

06.12.2021

"Ihr werdet es bald erfahren": Novak Djokovic gibt Australian-Open-Pläne noch nicht bekannt

07.12.2021

Australian Open: Novak Djokovic und Roger Federer stehen auf der Entry List

von APA

Freitag
19.11.2021, 12:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 19.11.2021, 11:59 Uhr