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Federer-Aus: Überraschung ja, Sensation nein

Das Aus von New York - es kam unverhofft, aber nicht ganz unerwartet. Vor allem Federers lange Auszeiten stellen ein Risiko dar. Ein Kommentar von Jörg Allmeroth.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 04.09.2018, 12:17 Uhr

Roger Federer

Roger Federer war in den letzten Wochen nicht müde geworden, sich als Mahner in eigener Sache zu betätigen. Er hatte vor den US Open gesagt, es sei schlicht verrückt, wenn man ihn mit seinen 37 Jahren quasi in einem Automatismus als hohen Turnierfavoriten betrachte. Und davor hatte der Maestro auch noch einmal dezent darauf hingewiesen, dass es nicht immer diese märchenhaften Szenarien bei den Grand-Slam-Turnieren geben können, so wie bei seinem Comeback in der Saison 2017 mit den Siegen in Melbourne und Wimbledon und dann wieder bei den Australian Open 2018.

Mit dieser nüchternen Weltsicht auf die sportliche Lage stand Federer gleichwohl oft allein, er konnte sich kaum wehren gegen die hohen und höchsten Erwartungen an seine Turnier-Gastspiele. Federers Niederlage gegen den Australier Millman ist zwar immer noch eine Überraschung und ein Ergebnis jenseits der Normalität, aber auch keine Mega-Sensation - schon gar nicht, wenn man die herausfordernden Bedingungen in diesen New Yorker Tennistagen betrachtet, die drückende, eher erdrückende Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit. Da kann auch einer wie Federer nicht mehr das Alter kaschieren. Und auch nicht die vielen Hundejahre, die sein Körper schon im Wanderzirkus erdulden musste.

Auszeiten: Federer geht hohes Risiko

Weil Federer seine Einsätze inzwischen stark dosieren muss, um noch wettbewerbsfähig zu sein im Tourbetrieb, spielt immer auch ein hohes Risiko mit. Nach langen Pausen muss sich der Altmeister immer erst mühsam zurechtfinden im Circuit, er braucht dann wieder Matchhärte und Spielpraxis. Vor Wimbledon gelang ihm das insgesamt besser, mit dem Sieg in Stuttgart und dem Finaleinzug in Halle. Vor den US Open blieben trotz Endspielteilnahme in Cincinnati aber Zweifel, nicht zuletzt bei Federer selbst, der eine gewisse Unzufriedenheit äußerte. In New York waren dann auch noch die Umstände gegen ihn: Langsame Plätze, das unerträgliche Wetter.

Es besteht kein Grund, in Alarmstimmung um Federer zu verfallen. Aber es ist auch Zeit für einen gesunden Realismus: Der beste Spieler aller Zeiten kann nicht ewig diese Wundercoups auf die Centre Courts zaubern. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass er sportlich eher verletzlicher wird.

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von Jörg Allmeroth

Dienstag
04.09.2018, 12:17 Uhr