Francesca Schiavone: "Lilli Tagger ist der Champion"
Francesca Schiavone hat im tennisnet-Interview nur die höchsten Töne für ihren Schützling Lilli Tagger angeschlagen.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
02.06.2026, 13:49 Uhr

Wenn es um Grand-Slam-Locations geht, dann kommt Francesca Schiavone wohl am liebsten nach Paris zurück. Hier hat sie 2010 im Endspiel gegen Sam Stosur ihren größten Karriere-Titel geholt, im Jahr darauf stand Schiavone noch einmal im Finale, unterlag da allerdings Li Na (lustigerweise mit ziemlich exakt demselben Ergebnis, mit dem sie das Championat geholt hatte).
Aktuell ist Schiavone in einer Doppelrolle unterwegs: Zum einen als Teilnehmerin am Turnier der Legenden. Und bis vor wenigen Tagen auch als Coach von Lilli Tagger. Genau zu dieser Zusammenarbeit hat sich Schiavone ein paar Minuten Zeit für tennisnet genommen.
Tennisnet: Frau Schiavone. Lilli Tagger hat hier in Paris ihr allererstes Match in einem Hauptfeld bei einem Grand-Slam-Turnier bestritten. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Francesca Schiavone: Lilli arbeitet viel. Sie ist eine tolle Person, eine tolle Spielerin. Natürlich fehlt ihr bei einem Grand Slam oder in großen Stadien noch die Erfahrung, aber das ist normal. Sie muss weiter arbeiten, um mehr Erfahrung zu haben, um zu wissen, wie man das Spiel umsetzen kann, wie man die Emotionen umsetzen kann.
Tennisnet: Wenn man mit Lilli spricht, hört man von ihr, dass der Prozess wichtiger sei als die Resultate. Sehen Sie das ähnlich?
Schiavone: Absolut. Vor allem, wenn man 17, 18, 19 Jahre alt ist. Die Zukunft ist wundervoll. In diesem Moment ist es manchmal schwierig. Aber es ist der Moment, um zu sehen, wie man wachsen kann. Was ist die beste Identität, die Lilli aufbauen kann? Sie hat jeden Tag viel Arbeit zu erledigen.
Tennisnet: Wie viel Spaß mach Ihnen das Coachen?
Schiavone: Ich muss es schaffen, Lilli immer positive Vibes zu zeigen. Dass es am wichtigsten für sie ist, dass sie wächst. Dass sie erkennt, in wichtigen Momenten besser zu spielen. Und am nächsten Tag noch besser. Dann kann sie alles managen. Lilli ist der Champion. Wir sind nur die Leute, die sie ein bisschen führen und ihr helfen. Am Ende ist sie es, die den Ball schlägt. Und Lilli schlägt den Ball auf eine ganz fantastische Art und Weise.
Tennisnet: Viel Spaß hat das Doppel mit Sara Errani gemacht. Wie ist es dazu gekommen?
Schiavone: Jasmine Paolini hatte mit ihrem Fuß Probleme. Und wir haben sofort gesehen, wie Sara mit ihrer riesigen Erfahrung Lilli helfen könnte. Sie hätten das zweite Match auch gewinnen können. Haben aber jede Sekunde genossen.
Tennisnet: Sie waren mit Lilli zuletzt in Linz. Die Erwartungshaltung in Österreich ist groß. Spüren Sie den Druck, spürt Lilli den Druck?
Schiavone: Da müssen sie Lilli fragen. Von meiner Seite her kann ich sagen, dass Lili, dass jede Spielerin, die Druck bekommt, gut ist. Es hängt davon ab, wie man diese Dinge sieht. Aber sie liebt es. Sie liebt es, in Linz zu spielen. Sie liebt es, vor vielen Leuten zu spielen.
